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Norddeutsche Rundschau

17. Oktober 2017 | 12:07 Uhr

Gestalter des kulturellen Lebens

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Vor 60 Jahren starb Dr. Bruno Voltmer, der sich in der Stadt verdient gemacht hat – heute kennt kaum noch jemand den Namen / Hauptwerke an Stadtbibliothek gespendet

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2014 | 05:00 Uhr

Vor 60 Jahren ist er nun schon verstorben, und kaum jemand in Itzehoe weiß mit seinem Namen noch etwas anzufangen. Dabei hat er zwei interessante Romane geschrieben, eine Novelle und zahlreiche Bühnenstücke in plattdeutscher Sprache. Die Rede ist von Dr. Bruno Voltmer (1888– 1954), der neben seinem Beruf als Studienrat an der Kaiser-Karl-Schule vor allem auch das kulturelle Leben der Stadt mit gestaltete. Er baute das Volkshochschulwesen im Kreis auf, war um 1930 lange Jahre Leiter der Speeldeel.

Besonders Voltmers Roman „Die sich nicht fallen lassen“, der 1954 in dem damals renommierten Verlagshaus Bong veröffentlicht wurde, ist lesenswert, weil man nicht nur viele Schauplätze, sondern auch etliche stadtbekannte Persönlichkeiten mit etwas Fantasie leicht wiedererkennen kann. Das Buch erregte nach Erscheinen großes Aufsehen in Itzehoe.

Voltmers Schlüsselroman beginnt in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und zieht sich durch die Weimarer Republik hin bis in die Anfänge der 1930er Jahre. Er erzählt die Lebensgeschichte von Thies Dammann, einem Einzelgänger, der im Konflikt mit sich selbst steht und in dem man teilweise auch autobiographische Züge des Verfassers entdecken wird. Die politischen Ereignisse spielen nur ganz am Rande eine Rolle. Kurz deutet Voltmer die unruhige Zeit vor 1933 an, in der es auch im Raum Itzehoe zu Bombenattentaten und Saalschlachten kommt.

Der Autor schildert das Leben von Menschen mit den verschiedensten Charakteren und lässt manche durch alle Höhen und Tiefen gehen. Dabei haben ihm Zeitgenossen Modell gestanden, die zum Teil noch heute ein Begriff sind. Im Breitenburger Moor lebte zurückgezogen Malte Rothbart, der Kreuzotternfänger, der Schlangengift an pharmazeutische Betriebe in Hamburg lieferte. Seine Nichte berichtet, dass Voltmer ihn bei seinen Spaziergängen gern besuchte, im Roman wird daraus Landlehrer Friedrich Madsen, der sich aus Enttäuschung in die Einsamkeit des Breitenburger Moores flüchtet.

Mit dem „besten Kenner der Geschichte der Stadt“ ist der alte Stadtarchivar Rudolf Krohn gemeint, der das Buch „Spaziergänge durch Alt-
Itzehoe“ schrieb. Der Chefarzt vom „Marienstift“ (Julienstift) heißt bei Voltmer „Professor Patzelt“ (Professor Dr. Zöppritz), und der Bürgermeister, der im Roman „Adolphi“ genannt wird, hieß damals Adolf Rohde.

In dem Maler „Nils Wolter“ setzte Voltmer augenscheinlich Wenzel Hablik ein Denkmal. Er schreibt, dass der Maler „sich seit Jahren mit Zunge, Feder und Pinsel immer wieder über die herrschende Mode der Männerkleidung lustig (machte) und lief zum Protest gegen ihre fade Eintönigkeit selber in einem braunen, halsfreien Samtjäckchen, farbigen Kniehosen, bunten Wadenstrümpfen, Schnallenschuhen und einem schwarzen Barett herum“. Tatsächlich zeigte sich Hablik damals ähnlich angezogen in der Öffentlichkeit.

Die Rede ist auch von einem „fast vergessenen Schriftsteller“, der „des Französischen wie einer zweiten Muttersprache mächtig war“ und von einem „Bündel vergilbter Briefe“, die er „an seinen Verleger in Hamburg geschrieben hatte“. Hier hat Voltmer an Johann Gottwerth Müller gedacht, denn wie man weiß, lagerten lange Jahre in der KKS 197 Müller-Briefe, die inzwischen ins Stadtarchiv gelangten.

Ausführlich geht Voltmer auf Timm Thode ein, der 1866 in Groß-Kampen in der Wilstermarsch seine gesamte Familie umbrachte und zwei Jahre später hingerichtet wurde. Dieses Schicksal muss den Schriftsteller tief berührt haben. Immer wieder beschäftigte er sich mit ihm und dieser grausigen Mordtat. Er hinterließ darüber eine umfangreiche Stoffsammlung, die er ziemlich sicher noch literarisch auswerten wollte. Seine Schwiegertochter Kathrin Roepke setzte dieses Vorhaben in die Tat um und verarbeitete das Fragment zu einer 13-teiligen Serie, die 1957/58 in der „Norddeutschen Rundschau“ unter dem Titel „Dann wurde es Nacht in Beidenfleth“ erschien.

Unschwer sind die vielen Schauplätze wiederzuerkennen, die in Voltmers Roman vorkommen. Aus Itzehoe macht er „Halenhude“, die Stör wird zur „Halenau“. Weiterhin gibt es zum Beispiel die „Schlossfähre“ (Breitenburger Fähre), das „Carolinum“ (KKS) oder den „Nonnenhof“ (Klosterhof).

Dr. Bruno Voltmer starb
66-jährig am 29. September 1954 in seinem Haus am Klosterhof 14. Drei seiner Bücher können ab sofort in der Stadtbibliothek ausgeliehen werden – nur einen Steinwurf entfernt von dem Ort, an dem sie entstanden sind.


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