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Brandschutz : Gesetzgeber zwingt Wilster zur Drehleiter

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bürgermeister sieht sich in der Pflicht - Stadtpolitik befürchtet finanziellen Ruin.

Nicht mehr als zehn Minuten darf es dauern: Dann muss die Feuerwehr mit Gerätschaften vor Ort sein, um im Notfall auch Menschen aus einem brennenden dritten Stock retten zu können. Die Vorgabe aus dem Brandschutzgesetz könnte die Stadt Wilster jetzt endgültig in den finanziellen Ruin treiben. Bürgermeister Walter Schulz brachte die Hiobsbotschaft ganz aktuell aus dem Itzehoer Kreishaus mit und verkündete sie vor dem Finanzausschuss. Bei den Mitgliedern löste die Nachricht mit Blick auf die ohnehin schon aussichtslose Finanzlage fast schon Entsetzen aus. „Wenn wir jetzt auch noch die Kosten für eine Drehleiter in den Haushalt einstellen müssen, sind wir tot“, kommentierte CDU-Fraktionschef Mark Dethlefs. Fast schon sarkastisch fügte er hinzu: „Dann haben wir wenigstens keine Schmerzen mehr, weil dann andere über das Schicksal von Wilster entscheiden müssen.“

Bislang wird bei Großfeuern in Wilster und Umgebung die Drehleiter aus Itzehoe oder auch aus Brunsbüttel zu Hilfe gerufen. Die Anfahrtszeiten gehen allerdings über die festgeschriebenen acht bis zehn Minuten hinaus. „Wir müssen aktiv werden, ob wir wollen oder nicht“, so Walter Schulz. Er wolle schließlich auch nicht persönlich in Haftung genommen werden, wenn das Brandschutzgesetz nicht erfüllt wird. Gleiches gelte für den Wehrführer, der das Problem ordnungsgemäß an den Bürgermeister gemeldet habe. Er machte deutlich, dass es bei den Brandschutzvorgaben keineswegs nur um die wenigen Hochhäuser in der Stadt gehe. „Jedes dritte Geschoss ist davon betroffen.“

„Vielleicht kann uns der Gesetzgeber so ein Auto ja schenken“, regte Ursula Seddig (CDU) an. Ein solcher Wunsch ist nicht ganz unbegründet. Nach Darstellung von Bürgermeister Schulz muss bei der geforderten Anschaffung eines neuen Fahrzeugs mit Drehleiter nämlich mit rund 650  000 Euro kalkuliert werden. Hinzu kommen die Unterhaltungs- und Wartungskosten, die jährlich in fünfstelliger Höhe anfallen. Schulz: „Das ist für uns eine Granate, eine Wahnsinnssumme.“ Schwacher Trost: Ein Vorführwagen könnte auch deutlich preiswerter zu bekommen sein. Und: Die Anschaffung würde mit einem Zuschuss von allerdings höchstens 125  000 Euro unterstützt.

Vergeblich, so Schulz weiter, habe er schon versucht, die Verantwortung auf den Landrat abzuwälzen. „Der will das auch nicht übernehmen.“ Dethlefs forderte trotzdem: „Wir müssen nach anderen Lösungen suchen. Da soll der Landrat mal herkommen und das mit uns diskutieren.“

Geprüft worden sei auch schon, ob eine Itzehoer Drehleiter in Heiligenstedten stationiert werden könnte. Dann aber sei die Frage, welche Feuerwehr bei Einsätzen in Wilster dieses Fahrzeug besetzen müsse.

Ein neues Gerätehaus immerhin müsste nicht gebaut werden. In das Vorhandene passt auch eine Drehleiter. Ein anderes Fahrzeug müsste dann aber in der Waschhalle parken. Apropos Fuhrpark: In spätestens fünf Jahren droht eine neue Ausgabe. Dann muss ein fast ebenso teures Löschfahrzeug ersetzt werden.

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erstellt am 18.Nov.2015 | 17:46 Uhr

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