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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 09:39 Uhr

Geschwächte Bäume leiden

vom

Erst kalt und nass, dann zu trocken: Witterung macht Pflanzen anfällig für Schädlinge

shz.de von
erstellt am 08.Aug.2013 | 03:59 Uhr

itzehoe | "Alle Extreme sind von Übel." Weil das so ist, fährt Stadtförster Torsten Wismar mit einigen Sorgen durch den Wald. Die Bäume sind geschwächt durch die Witterung der vergangenen Monate und deshalb besonders anfällig für Schädlinge.

Erst war es viel zu lange kalt und nass, bis deutlich in den Mai hinein. "Darauf folgte, was man fast als Dürre bezeichnen kann", sagt der Diplom-Forstingenieur. "Unsere Bäume haben sehr darunter gelitten." Erst kam der Kleine Frostspanner, dann der Grüne Eichenwickler. Und der fraß auch noch, als im Juni der zweite Trieb der Eichen kam, der sonst alles ausgleiche, so Wismar. Als nächstes Problem tauchte Eichen-Mehltau auf. Das gebe es immer, "aber in dieser Stärke habe ich das noch nicht erlebt". Immerhin, den Eichenprozessionsspinner gebe es hier noch nicht. Das sagt der Förster auch Privatleuten, die aus Angst vor den Brennhaaren der Raupen bei ihm anrufen. Wie die Bestände die Belastung vertragen, müsse abgewartet werden: "Wir können absolut nichts daran machen."

Vergleichsweise gute Nachrichten gibt es dagegen von den Lärchen: Rund fünf Hektar hätten sich von der Miniermotte erholt. Die Eschen kämpfen immer noch mit dem Schlauchpilz, überraschten aber den Experten positiv: Sie sähen schlecht aus, es sei jedoch nicht schlechter geworden, so Wismar. Dennoch ahnt er: "Da wird noch etwas auf uns zukommen." Von seinen Buchen ist er ebenfalls nicht begeistert, doch das sei wohl eine Folge der Witterung, die auch junge Bäume vertrocknen ließ. Gelitten hat in der Kälte des Frühjahrs auch die Tierwelt: Die Rehkitze seien sehr klein gewesen, oft habe es auch nur eins gegeben. Ähnlich die Situation bei Hasen oder Fasanen.

Die Regengüsse der jüngsten Zeit haben wenig Entspannung gebracht: Das Wasser fließe nur schnell auf dem harten Boden ab, so Wismar. Die Folge: Für den Wegebau musste er schon dreimal mehr ausgeben als geplant - dabei seien die Wege auf gutem Standard gewesen. Doch zum Beispiel in die Route hoch zur Bismarcksäule hat der Regen tiefe Rinnen gespült. Ein Problem ist auch das Chinesische Springkraut, das wohl mit Gartenabfällen in den Wald geschleppt wurde: "Das breitet sich aus wie verrückt", sagt der Stadtförster. Eine Woche lang gingen Bauhof und Waldarbeiter dagegen vor - doch sie hätten wohl nur 20 Prozent erwischt.

Die schlechte Verfassung der Bäume treibt ebenfalls die Kosten nach oben. An 28 Kilometer Wegen im Wald hat sich Wismar um die Verkehrssicherung zu kümmern - "ich habe immer noch 55 Bäume auf der Liste". Für Einnahmen sorgt auf der anderen Seite eigentlich der Holzeinschlag, doch die aktuelle Situation macht dem Förster die Kalkulation sehr schwer. Einen Plan für 2014 sollte er machen - doch das habe er im Moment abgelehnt.

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