Ortsgeschichte : Geschichtsverein vor 65 Jahren gegründet

Sie lasen eine Stunde lang aus der Brunsbütteler Geschichte (von links): Jens Binckebanck, Monika v. Wangenheim und Johannes Wöllfert.
Sie lasen eine Stunde lang aus der Brunsbütteler Geschichte (von links): Jens Binckebanck, Monika v. Wangenheim und Johannes Wöllfert.

Mit einer „Stundenlesung“ erinnert der Verein für Brunsbütteler Geschichte an die Nazizeit in der Schleusenstadt.

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13. November 2013, 05:00 Uhr

Vor 65 Jahren war es der damalige Pastor Heinz Heinrich, der mit acht Gleichgesinnten den Verein für Brunsbütteler Geschichte gründete. Zur Feier dieses kleinen Jubiläums lud der Verein am Montagabend zu einer „Stundenlesung“ ins Heimatmuseum am Brunsbütteler Markt ein.

Aus der Geschichte von Stadt und Verein lasen 60 Minuten lang die Vorstandsmitglieder Jens Binckebanck, Monika v. Wangenheim und Johannes Wöllfert vor einem kleinen, aber interessierten Zuhörerkreis.

Pastor Heinrich hatte den Verein 31 Jahre lang geführt und unermüdlich das Ziel verfolgt, die Historie der Schleusenstadt aufzuarbeiten und den zukünftigen Generationen zugänglich zu machen. Aus dieser Geschichte lasen die drei Vorstandsmitglieder im Heimatmuseum und griffen dabei auf die zum 50-jährigen Bestehen erschienene Vereinschronik ebenso zurück wie auf die „Brunsbütteler Spuren“, die in der Vergangenheit mit zahlreichen Beiträgen zur Ortsgeschichte erschienen sind.

Fesselnd waren die Informationen, die Jens Binckebanck über das Schicksal des jüdischen Mitbürgers Franz Samter vermittelte. Der Kaufmann, der in der Koogstraße ein Textilgeschäft betrieb, wurde in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 von den NS-Schergen verhaftet und ins KZ Sachsenhausen deportiert. Er überlebte das Konzentrationslager, lebte später in Hamburg und kehrte nach dem Krieg nach Brunsbüttel zurück.

„Sein Geschäft und sein Wohnhaus in der Koogstraße waren 1938 von den Nazis enteignet worden“, berichtete Binckebanck. Er zitierte Zeugenaussagen von 1947 in Gerichtsverhandlungen, mit denen Samter seinen alten Besitz zurückerhielt und entschädigt wurde. Wo und wann Franz Samter gestorben ist, konnte bislang nicht recherchiert werden.

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