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Norddeutsche Rundschau

14. Dezember 2017 | 00:09 Uhr

Neues Buch : Geschichte eines Fuhrunternehmens

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Marianne Storjohann hat ein Buch über ihren Vater verfasst. Lesung am 14. Januar in der Stadtbücherei

von
erstellt am 07.Jan.2014 | 17:00 Uhr

Der Name Storjohann ist in Kellinghusen für „das“ Busunternehmen der Stadt bekannt. Lange geprägt wurde das Unternehmen durch Walter Markus Storjohann, den Vater von Marianne Storjohann. Die Unternehmertochter aus Kellinghusen hat nun ein Buch über ihren Vater geschrieben. „Mein Vater kein Held“ verklärt ihn nicht, verteufelt ihn aber auch nicht, sondern schildert vor allem sein Verhältnis zu seiner Familie und ihre Bindung zu ihm.

Den Titel des Werkes erklärt Marianne Storjohann mit seinen Eigenarten, denn er war „autoritär und ungebildet, aber intelligent“, wie sie beschreibt. Die Zeit habe ihn zu dem gemacht, was er war. „Er hat zwar viel verkehrt gemacht, aber: Er war ein Lebens- und Überlebenskünstler, eine wichtige Person in meinem Leben, die mich sehr geprägt hat. Wir hatten ein enges Verhältnis zueinander.“ Deshalb musste sie seinen Tod erst verarbeiten, und dabei half ihr das selbstverfasste Buch.

Dabei hatte Marianne Storjohann selber eine Familientragödie zu erleiden. Ihre gleichnamige „Tante Marianne“ hatte sich aus Schuldgefühlen das Leben genommen und dabei ihre Töchter, fünf und acht Jahre alt, umgebracht. „Ihr Mann wollte die Scheidung und ihr die Kinder wegnehmen“, erzählt Marianne Storjohann. „Sie hat sich 1951 in Quarnstedt vor einen Zug geworfen.“ Um daran möglichst wenig erinnert zu werden, wurde sie, 1952 geboren, selber nur „Nanne“ genannt. „Ich wollte nicht mehr darüber reden.“

Ihr Vater Walter Markus Storjohann, geboren 1923 in Kellinghusen, wurde in das Fuhrunternehmen ihres Großvaters hinein geboren, das damals noch mit Pferden betrieben wurde. Das Unternehmen hatte Jasper Storjohann noch im 19. Jahrhundert gegründet. „Sie haben für ihre Auftraggeber Waren bis nach Heide über Land getragen, erst zu Fuß, dann mit einem Hundegefährt“, so Marianne Storjohann. Und sie expandierten. Um die Jahrhundertwende waren es schon zehn Gespanne, 1943 erfolgte die Beförderung mit dem ersten Lkw.

Walter Markus Storjohann wurde mit 18 Vater, war in den Kriegsjahren in Frankreich – „..aber er war kein Nazi“. Darauf legt Marianne Storjohann großen Wert. Vielmehr habe ihm die Fahrerei mit dem Lkw immer das Leben gerettet. „Die Lastwagen wurden damals teilweise noch mit Holzkohle beheizt, und er war einer der wenigen, die das beherrschten.“ Den Führerschein musste er erst nachträglich machen. Dann expandierte sein Geschäft weiter. „Er hat nach dem Krieg quasi mit jedem weiteren Kind auch mehrere weitere Busse angeschafft, 24 insgesamt.“ In der Folge war er mit seinem Fuhrunternehmen auch im Fernverkehr tätig.

Sie waren zu Hause drei Geschwister, aber ihr Bruder ist verstorben. Marianne Storjohann musste selber im Betrieb mitarbeiten, hat als Schulkind Fahrkarten verkauft und immer die Busse reinigen müssen. „Meine Schwester und ich haben darunter gelitten. Wir haben das boykottiert. Als wir die Busse einmal in Unterwäsche geschrubbt haben, hat uns unser Vater lieber ins Schwimmbad gescheucht.“

Marianne Storjohann hat angefangen, alles aufzuschreiben, nachdem ihr Vater am 28. Dezember 1999 gestorben war. „Wir wollten eigentlich das Millennium gemeinsam feiern, aber es kam nicht mehr dazu.“ Das Buch in einem Umfang von 60 Seiten mit einem biografischen Abriss bietet einzelne Geschichten und Stationen seines Lebens. „Da gibt es auch charakteristische Fotos von uns gemeinsam vor unseren Bussen.“ Bereits 2001 hat sie mit einem Tagebuch angefangen, dann aber elf Jahre dafür gebraucht, es in eine Erzählform zu bringen. Erschienen ist es nun in einem österreichischen Publikumsverlag. „Ich habe es mir aus mehreren Bestandteilen selber zusammen gesetzt, ein Grafiker hat es gestaltet.“ Lektoren waren ihr Mann und ihr Sohn.

Sie hat selbst 100 Exemplare davon aufgekauft. Das Werk ist im Handel für 14,50 Euro bei Amazon erhältlich. Sie hat Plakate, Werbematerial und Lesezeichen drucken lassen. Zu kaufen gibt es das Büchlein auch in Kellinghusen im „Stöberstübchen“ und in der Stadtbücherei.

Nun will Marianne Storjohann es in Lesungen auch der Öffentlichkeit zugänglich machen. Eine davon findet in der Stadtbücherei statt. „Ich werde aber über das Lesen hinaus auch aus meiner Erinnerung etwas um das Buch herum erzählen“, kündigt sie schon einmal an.

> Termin: Lesung Marianne Storjohann, „Mein Vater kein Held“: Mittwoch, 22. Januar, 19 Uhr, Eintritt 3 Euro; Eintrittskarten in der Stadtbücherei.



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