zur Navigation springen

Schleswig-Holstein Musik Festival : Gesamtkunstwerk von Klavier und Singstimme

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der junge österreichische Bassbariton Thomas Tatzl und sein Begleiter am Klavier, Christian Koch, haben ein Konzert in der Glückstädter Stadtkirche gegeben. Dies fand im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals statt.

Der Musensohn, das ist der von den Musen geküsste, und als solcher darf sich der junge österreichische Bassbariton Thomas Tatzl durchaus verstehen. Nach dem Kuss der Kalliope, die für die schöne Stimme sorgt, müssen ihn auch noch andere geküsst haben; denn mit seinem Liederabend trat er in der vollbesetzten Stadtkirche nicht nur als Orpheus, sondern auch als Apoll auf.

Sein Liedprogramm orientierte sich an den menschlichen Grundbefindlichkeiten: Sinnsuche (Franz Schuberts Lieder), Angst (Carl Loewes Balladen), Sehnsucht nach und Verlust der Liebe (Lieder von Richard Strauss) sowie die gebrochene Liebe (Don Quichotte und Dulcinea von Maurice Ravel). Zugleich gab Tatzl damit einen musikhistorischen Abriss von der Romantik bis in die Moderne.

Und dabei kommt sein Begleiter am Klavier, Christian Koch, ins Spiel. Dessen künstlerische Leistung stand gleichberechtigt neben der des Liedsängers. Das Verhältnis von Vokal- und Instrumentallinien stellte sich nicht nur ausgewogen, sondern auf besonders hohem künstlerischen Niveau dar. Als Beispiel diene die Einleitung in Richard Strauss' Lied „Morgen”, in dem schon allein das lange Klaviervorspiel mit seiner introvertierten Intimität den Hinweis auf die Fragilität der Hoffnung auf dauerhaftes Glück gibt.

Dieses Gesamtkunstwerk von Klavier und Singstimme machte diesen Liederabend im Rahmen des „Schleswig-Holstein Musik Festival” so besonders. Natürlich glänzte der Tatzl mit seiner Stimme, die alle Nuancen zwischen Kontemplativität (zum Beispiel bei Loewes „Uhr”) und Extrovertiertheit ( bei Ravels Trinklied „Chanson à boire”) beherrscht. Tatzl singt natürlich auswendig, setzt Gestik und Habitus eher sparsam, aber dann hochwirksam ein. Allein seine Mimik spiegelt ein szenisch-bühnenhaftes Spektrum wider. Aber Christian Koch stand gleichwertig daneben mit seinen Akzenten innerhalb der Bandbreite zwischen äußerster Stille und hochdramatischer Eruption.

Die Stadtkirche mit ihrer diskreten Würde präsentierte sich wieder als idealer Spielort. Das lag nicht nur an dem faszinierenden Mischlicht von Kerzen und Abenddämmerung, sondern auch an der Akustik, die dem Publikum auch in den allerletzten Reihen die Teilhabe an jedem Wort und jeder Anschlagnuance ermöglicht. Dass viele, viele ungenannte Hände für einen reibungslosen Ablauf im Hintergrund agieren, gehört hier zum Standard.

Als Stimme aus dem Publikum sei Claus Laessing zitiert, der nach 60 Jahren wieder in Glückstadt war, pünktlich zum 40- jährigen Hochzeitstag. Er und seine Frau zeigten sich begeistert vom Programm („Hier geht die Post ab!”) und wollen zu einem nächsten Konzert wieder nach Glückstadt kommen. Da werden sie nicht die einzigen sein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen