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Norddeutsche Rundschau

24. August 2017 | 07:40 Uhr

AUSSTELLUNG : Gesamtkunstwerk im Hablik-Museum

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die neue Ausstellung im Itzehoer Wenzel-Hablik-Museum zeigt Eindrücke aus der Arbeit von Johann und Jutta Bossard in der Lüneburger Heide.

Das Wenzel-Hablik-Museum versucht mit der aktuellen Schau, das Unmögliche möglich zu machen: Bis zum 24. August gibt es Einblicke in das Gesamtkunstwerk von Johann und Jutta Bossard. Deren Wohn- und Wirkungsstätte wurde vor 100 Jahren auf drei Hektar in der Lüneburger Heide erbaut.

Johann Bossard, 1874 in Zug (Schweiz) geboren und zuerst als Ofenbauer ausgebildet, fühlte sich schnell der Kunst verpflichtet. Die örtliche Bürgergemeinschaft finanzierte mit Unterstützung der Sparkasse seine Ausbildung zum Bildhauer in München. Auch das anschließende Malerei-Studium in Berlin ermöglichte ihm ein Stipendium. Ab 1907 lehrte Bossard bis zur Pensionierung im Jahre 1944 an der Staatlichen Kunstgewerbeschule Am Lerchenfeld in Hamburg.

Aber nicht nur bildhauerisch oder mit dem Pinsel drückte er sich aus, bis zu seinem Tod kreierte er auch Arbeiten in den Sparten Architektur, Grafik, Kunstgewerbe sowie Gartengestaltung. Anstelle von architektonischer Formen wollte er „zur Einkleidung des Wohnhauses (...) Künstlergeist und Gemüt (...) verwenden, auf dass unser Haus auch wieder ein Charakter sei“.

Für seine Vision einer besseren Gesellschaft legte Bossard sein Hauptaugenmerk auf sein „Gesamtkunstwerk“, die Kunststätte Bossard in Jesteburg, die er 1911 entwarf und über 20 Jahre ständig weiter entwickelte. Das Gipsmodell des geplanten Gebäudekomplexes mit Wohn- und Atelierhaus ist ebenso im Wenzel-Hablik-Museum ausgestellt wie große Fotowände mit Aufnahmen aus dem großen erbauten Kunsttempel: Vom Bodenbelag über die Wand- und Säulengestaltung bis zur Bemalung der Glasdecke entwarf Bossard alles selbst. Seine Schaffenskraft war immens bis zu seinem Tod 1950. So entstanden neben verschiedenen Gärten auch ein Baumtempel, eine Skulpturenreihe und eine Monolithenallee. Neben den Versuchen, einen Eindruck von den gestalteten Räumlichkeiten zu vermitteln, zeigt das Wenzel-Hablik-Museum einzelne Exponate: bemalte Keramiken, bronzene Figuren und immer wieder Bilder in intensiver Farbigkeit.

Bossards 30 Jahre jüngere Frau Jutta unterstützte ihren Mann, kümmerte sich nach dessen Tod 46 Jahre lang allein um seine Kunststätte und brachte 1995 das Gesamtkunstwerk in eine Stiftung ein, um den Erhalt zu sichern. Magdalena Schulz-Ohm, Expertin von der Kunststätte Bossard in Jesteburg, sah Parallelen zu Hablik, der auch seine Wohn- und Arbeitsstätte als Lebensprojekt umfassend (um-)gestaltete und Visionen einer neuen Gesellschaft in seine Kunst einbrachte. Obwohl sich die Künstler nicht kannten, finden sich formale Übereinstimmungen in Architektur- und Teppichentwürfen.

Die Ausstellung „Der Einheit von Kunst und Leben muss nachgestrebt werden“ kann nur einen kleinen Eindruck des imposanten Kunstkomplexes von Johann und Jutta Bossard geben, macht aber Lust, die nur eine Fahrtstunde entfernte Stätte zu besuchen. Sonnabend, 12. Juli, bietet der Hablik-Förderverein einen Ausflug an. Zudem lädt das Hablik-Museum während der Ausstellung zu mehreren Veranstaltungen ein. Die nächste ist Mittwoch, 18. Juni, 18 Uhr, ein Vortrag von Magdalena Schulz-Ohm zum Gesamtkunstwerk Johann Bossards.

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Ausstellung geöffnet Dienstag bis Freitag 14 bis 17 Uhr, Sonnabend 14 bis 18 Uhr, Sonn- und Feiertag 11 bis 18 Uhr.


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