Modernes Konzept : Gerichtssaal wird zum Großraumbüro

Martin Steingräber ist schon da, Sören Zanner  (hinten) hofft auf viele weitere Interessenten   für das Coworking im früheren Landgericht
Martin Steingräber ist schon da, Sören Zanner  (hinten) hofft auf viele weitere Interessenten  für das Coworking im früheren Landgericht

Im früheren Landgericht in Itzehoe ist jetzt viel Platz für Coworking. Selbstständige können sich dort Arbeitsplätze mieten.

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20. März 2018, 05:00 Uhr

In die Säle des alten Landgerichts kehrt wieder Leben ein: Auf der Richterbank sitzt allerdings jetzt ein Versicherungsmakler – und geht es nach Inhaber Sören Zanner, sollen bald weitere Gründer und Kleinstunternehmer hinzukommen. Das ehemalige Justizgebäude an der Breitenburger Straße wird Itzehoes erster Coworking Space, ein Großraumbüro, in das sich Heimarbeiter und Selbstständige einmieten können, um in Gemeinschaftsatmosphäre zu arbeiten. 35 Arbeitsplätze stehen zur Verfügung, 26 im großen, 9 im kleinen Gerichtssaal. Anfang Mai ist offizielle Eröffnung für das „Westerwerk“.

Martin Steingräber ist bereits vorab eingezogen. Im Dezember tauschte der freiberufliche Versicherungsvermittler und Berater seinen Schreibtisch gegen die Richterbank. „Es hat schon ein bisschen Charme, hier zu sitzen“, sagt der 42-Jährige, dessen Kunden nun gewissermaßen auf der Anklagebank Platz nehmen. Neben der besonderen Atmosphäre reizt ihn die Gemeinschaft: „Ich finde den Austausch mit anderen Selbstständigen extrem wichtig.“

Eine Idee, die auch den Musikpädagogen und Kulturhof-Inhaber Zanner umtrieb. Der 48-Jährige kaufte 2010 die beiden Häuser des ehemaligen Landgerichts, das 2004 an den Theodor-Heuss-Platz umgezogen war. Im Westerhof entstanden sechs Wohnungen, von denen er selbst mit seiner Familie eine belegt. Das Hauptgebäude ließ er für verschiedene Nutzungen umbauen: Im Erdgeschoss sind Praxen für Ergotherapie und Logopädie sowie die Lebenshilfe untergebracht. Sieben Wohnungen in den Obergeschossen sind jetzt belegt. Die Herrichtung der Gerichtssäle in der zweiten Etage bildet den Abschluss der Sanierung, die sich wegen vieler unvorhersehbarer Probleme über mehr als fünf Jahre hinzog und rund 1,2 Millionen Euro kostete.

„Das gemeinschaftliche Arbeiten hat Zukunftspotenzial“, ist Zanner überzeugt. In vielen Großstädten funktioniere das Konzept bereits erfolgreich. Im „Westerwerk“ stehen 250 Quadratmeter für Coworking zur Verfügung, inklusive Besprechungszimmer, Ruheraum und Teeküche. Die Arbeitsplätze sind mit Strom- und Internetanschlüssen ausgestattet, Drucker und Kopierer stehen bereit. Die Richterbänke sowie andere Relikte ließ Zanner bewusst nicht entfernen, um den historischen Charakter des Gebäudes zu erhalten. „Bei der weiteren Gestaltung der Räume können die zukünftigen Mieter mitreden.“ Die Arbeitsplätze, die auch stunden- oder tageweise gemietet werden können, kosten zwischen 60 und 250 Euro im Monat. Vorträge zu Wirtschaftsthemen und Unterstützung durch professionelle Berater sollen das Angebot abrunden.

Zanner ist zuversichtlich, dass Steingräber bald Gesellschaft bekommt. Konkrete Zusagen gebe es zwar noch nicht, aber aus vielen Gesprächen wisse er, dass vor allem unter IT-Schaffenden großes Interesse da sei. „Ich hoffe, dass wir im Mai mit zehn Leuten starten können und dann jeden Monat zwei dazugewinnen.“

Bis dahin geben die Handwerker den Büros den letzten Feinschliff. Interessenten können Donnerstag und Freitag, 22. und 23. März, den Coworking Space besichtigen, jeweils von 17 bis 19 Uhr.


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Kontakt per Mail unter

info@coworking-itzehoe.de

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