Schule : Geplanter Schul-Tüv: Schulleiter reagieren zurückhaltend

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Schulleiter aus Glückstadt und Herzhorn nehmen Stellung zu Überprüfungen

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18. Dezember 2014, 05:00 Uhr

Abwartend reagieren die Leiter der Schulen in Glückstadt und Umgebung auf die Ankündigung von Schleswig-Holsteins neuer Bildungsministerin Britta Ernst (SPD), einen so genannten Schul-TÜV auf freiwilliger Basis bis zum Ende der Wahlperiode 2017 einzuführen.

Britta Ernst hatte Anfang der Woche in Kiel erklärt, es gebe eindeutig den Bedarf externer Überprüfungen (Evaluationen). Sie seien ein wertvolles Unterstützungsinstrument für schulische Arbeit. Die komplette Abschaffung des alten Verfahrens „Evaluation im Team“ (Evit) im Jahr 2009 sei ein Fehler gewesen. Schleswig-Holstein ist aktuell das einzige Bundesland ohne externe Begutachtungen von Schulen (wir berichteten).

Die Schulleiter der Glückstädter, Herzhorner und Kollmaraner Schulen stehen dem Ansatz zur Qualitätssicherung und Verbesserung grundsätzlich positiv gegenüber. „Wo Nachbesserungen notwendig sind, müssen sie erfolgen“, erklärt Claudia Siebert, Leiterin der Gemeinschaftsschule Elbschule. Ob dafür aber ein landesweit einheitliches Verfahren notwendig ist, hänge vom Konzept und den konkreten Inhalten ab. „Wir betreiben bereits jetzt laufend intern Evaluierungen und Fortbildungen.“

Ähnlich sieht das auch ihr Kollege Hartmut Appel vom Detlefsengymnasium, der seine Schule bereits gut aufgestellt sieht: „Wir sind in dem Bereich vorbildlich, denke ich.“ Maßnahmen wie regelmäßige Unterrichtsbetrachtungen und Pläne zur weiteren Schulentwicklung sollten für eine gute Schule ohnehin selbstverständlich sein, so Appel.

Auch er ist skeptisch im Hinblick auf ein zentrales Verfahren aus Kiel. „Evit war sehr problematisch. Der Aufwand war viel zu hoch und der Nutzen der Erkenntnisse, die das Verfahren gebracht hat, standen dazu oft in keinem vernünftigen Verhältnis“, sagt Appel auch mit Blick auf Berichte, die er von anderen Schulleitern gehört hat. Ein Neustart bei den externen Evaluationen sei daher ein „schwieriges Thema“. Es müsse noch viel geklärt werden.

Dem stimmt Heike Jönßon-Rieck von der Grundschule Bürgerschule ebenfalls zu: „Für uns ist das im Moment noch kein Thema. Im Moment fehlen uns da die Informationen, um die Pläne zu bewerten“, sagt die Schulleiterin, die von dem Vorstoß der Ministerin wie ihre Kollegen an den anderen Schulen, bisher nur aus der Presse erfahren hat. „Wenn die Ideen konkret werden, werden wir uns damit im Lehrerkollegium beschäftigen.“

Auch Carola Frank-Heyse, Schulleiterin der Grundschulen Herzhorn und Kollmar, sieht aktuell noch keine Grundlage für eine Bewertung. „Ich kann dazu noch nichts sagen, weil wir aus Kiel offiziell noch nichts über die Pläne gehört haben.“

Einig sind sich alle Schulleiter darin, dass sie im Moment kaum Kapazitäten für aufwändige Evaluierungsmaßnahmen „außer der Reihe “ in ihren Lehrerkollegien zur Verfügung haben. „Es ist ganz klar: Die Zeit, die Kollegen dafür aufbringen müssen, fehlt dann an anderer Stelle – im Zweifelsfall auch für unser Kerngeschäft, dem Unterricht“, sagt Hartmut Appel.

„An der Elbschule sind wir nach dem Wechsel der Schulformen und der Gebäude in den vergangenen Jahren noch sehr damit beschäftigt die Umbrüche zu bewältigen“, erklärt Claudia Siebert. Zum jetzigen Zeitpunkt würde sie für ihre Schule einen freiwilligen externen Schul-TÜV daher „strikt ablehnen“. „2016 können wir eher darüber reden.“

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