Schulstandort : Gemeinschaftsschule hat Perspektive

Standen Rede und Antwort: Diskussionsleiter Johann Hansen, Schulleiter      Reinhold Bößer, Schulrat Arnold Rehder und Amtsvorsteher Dirk Michels.
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Standen Rede und Antwort: Diskussionsleiter Johann Hansen, Schulleiter Reinhold Bößer, Schulrat Arnold Rehder und Amtsvorsteher Dirk Michels.

Ein Info-Abend mit 300 Teilnehmern verdeutlicht das große Interesse am Erhalt der Schenefelder Bildungsstätte – trotz sinkender Schülerzahlen.

shz.de von
18. November 2013, 11:45 Uhr

„Es gibt viele gute Argumente, um für den Erhalt der Gemeinschaftsschule Schenefeld zu kämpfen.“ Zu diesem Fazit kamen am Ende eines langen Informations- und Diskussionsabends Veranstalter und über 300 Teilnehmer von Eltern, Lehrern, Bürgermeistern der Umlandgemeinden und interessierten Bürgern. Politische Gäste des Abends waren die Landtagsaabgeordneten Birgit Herdejürgen (SPD), Bernd Voß (Bündnis 90/Die Grünen) und Hans-Jörn Arp (CDU) sowie die Liberalen Stefan Gorontzy und Tobias Rückerl vom Sport-, Schul- und Kulturausschuss des Kreises. Auch stellvertretender Landrat Dr. Heinz Seppmann und stellvertretender Kreispräsident Volker Susemihl sowie Schulrat Arnold Rehder nahmen teil.

„Es kann nicht sein“, so Amtsvorsteher Dirk Michels, „dass unsere Gemeinschaftsschule wegen der sinkenden Schülerzahl aus dem Amtsbezirk verschwinden soll.“ Johann Hansen, Vorsitzender im Schulausschuss und gemeinsam mit Gerhard Boll Leiter der Schenefelder Betreuten Grundschule, blickte zurück auf die Schulentwicklung seit der Umwandlung der ehemaligen Haupt- und Realschule in eine Gemeinschaftsschule. ,,Es war damals, in den Jahren 2008/2009, eine sehr große Herausforderung, zumal zur gleichen Zeit die freie Schulwahl angeboten wurde. Viele Eltern vertrauten dem neuen System nicht und suchten für ihre Kinder Schulen mit der herkömmlichen Struktur. Wir haben diese Geburtswehen längst hinter uns, anderen Schulen stehen sie noch bevor.“ Auch diese müssten dann nach den Vorgaben der Politik eine Mindestzahl von Schülern vorweisen und vor allem die große Herausforderung des gemeinsamen Lernens über alle Bildungsebenen hinweg umsetzen.

In einem Sieben-Punkte-Plan stellte Hansen die „guten Argumente für den Erhalt der Gemeinschaftsschule Schenefeld“ vor.

> Die Schule ist mit allen Klassen- und Fachräumen ausgesprochen großzügig ausgestattet und sie hat keinen Sanierungs- oder Investitionsstau.
>Die Schule ist eine der ersten Schulen gewesen, welche die Umstellung von der Realschule auf eine Gemeinschaftsschule inzwischen gut überstanden hat.
>Das Lehrerkollegium ist „komplett aufgefüllt“ und in den vergangenen Jahren durch viele junge Lehrkräfte verstärkt worden.
>Die Schule verfügt über eine „offene Ganztagsschule“ mit einem umfangreichen Angebot und einem kindergerechten Mensabetrieb.
>Sportanlagen mit zwei Turnhallen und einem Lehrschwimmbecken sind in dieser Ausprägung im Kreis einzigartig.
>Zur Unterstützung der pädagogischen Arbeit sind zwei Sozialpädagogen tätig.

> Es gebe keine überfüllten Klassen oder Unterrichte mit Notbehelfen.

„Wo gibt es noch ein Kind, das im schuleigenen Lehrschwimmbecken das Schwimmen lernen kann?“, fragte Hansen und bezeichnete auch die drei Räume der Betreuten Grundschule als „Luxus ohne Ende“. Darum müsse es einfach gelingen, auch im kommenden Jahr eine Zweizügigkeit der fünften Klassen zu erreichen.

Nachdem Amtsvorsteher Michels „Feuer frei für Fragen“ gegeben hatte, entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, bei der Johann Hansen, Gerhard Boll, Schulrat Arnold Rehder und Schulleiter Reinhold Bößer Rede und Antwort standen. Mit am Tisch auch die Bürgermeister Hans-Heinrich Barnick und Axel Kunkel aus Schenefeld und Wacken, den beiden Schulstandorten des Amtes Schenefeld.

Die Fragen, besonders aus der Elternschaft, reichten von der Perspektive der heutigen Schüler der Sekundarstufe 1 bis hin zur Präsentation der Schule nach außen. „Transparenz“ war das Schlüsselwort, von dem sich viele eine bessere Darstellung der Schule erhofften. Hier besonders auch im Internet.

Hans-Jörn Arp griff dies auf und empfahl, durch mehr Präsentationstage der Schule ein größeres Interesse der Eltern zu wecken. Die Schule sollte ihr Gesicht noch mehr in den Umlandgemeinden zeigen.

Es könne nicht sein, dass sich die Schulen heute gegenseitig die Schüler wegnehmen, stellte Siegfried Grochowski, ehemaliger Lehrer an der Schenefelder Schule, fest. Die Zahl von 300 Schülern sei schließlich „kein Naturgesetz“.

Eggert Eicke als früherer Elternbeiratsvorsitzender stellte fest, dass mit dieser Diskussions-Veranstaltung erstmals ein richtiges Marketing an der Schule stattgefunden habe und forderte gleichzeitig eine bessere Darstellung der Qualität und des Niveaus nach außen.

Eine eventuelle Zusammenlegung mit anderen Schulen wurde sowohl von Schulrat Rehder als auch von Rektor Bößer als ungeeignet und nicht zukunftsweisend abgelehnt.

Hanno Bräuer, Bürgermeister von Aasbüttel, betonte, dass hier auch die Politik auf dem Prüfstand stehe: „Es wird uns immer erzählt, dass alles für die Bildung getan werden müsse.“ Diese Aussage müsse auch für den ländlichen Raum gelten.

Die wohl wichtigste Aussage dieses Abends machte gegen Ende der Diskussion Bernd Voß von den Grünen, indem er ankündigte, dass die bisher für die Gemeinschaftsschulen geforderte Zahl von 300 Schülern demnächst auf 240 Schüler reduziert werde. „Es gibt sehr viel Bewegung“, so Voß. „Wegen des demografischen Wandels und der Entwicklung im ländlichen Raum“ sei diese Maßnahme notwendig. „Es ist selten, dass die Kommunalpolitik so hinter ihrer Schule steht wie hier in Schenefeld“, lobte Voß und betonte mit aufmunternden Worten in die Runde: „Ihre Schule hat eine Perspektive.“

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