zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

17. August 2017 | 16:16 Uhr

Gemeinsame Pflegeausbildung ist sinnvoll

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Leiterin der Krankenpflegeschule am Klinikum Itzehoe sieht geplante Reform positiv

Es gibt Gesundheits- und Krankenpfleger – dasselbe für Kinder. Und Altenpfleger. Ab 2018 nicht mehr – dann soll die einheitliche Ausbildung in der Pflege starten. So sieht es der Entwurf für das Pflegeberufsgesetz vor, den der Bundestag gerade kontrovers debattiert. Aus der Fachwelt gibt es Lob wie Kritik. Positiv äußert sich Anke Döring, kommissarische Leiterin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule am Klinikum Itzehoe. Dort lernen 135 Auszubildende überwiegend in der Gesundheits- und Krankenpflege, aber auch in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege.

Frau Döring, warum ist es aus Ihrer Sicht sinnvoll, zukünftig die verschiedenen Pflegeberufe in einer gemeinsamen Ausbildung zusammenzuführen? Beobachten Sie die Diskussion eher mit Grausen oder mit Wohlwollen?
Döring: Mehrere Modellversuche haben schon gezeigt, dass es sinnhaft ist eine gemeinsame Grundausbildung „Pflege“ einzuführen. Deutschland ist das einzige Land in Europa, in dem die Trennung der drei Pflegeberufe noch gesetzlich vorgegeben ist. In unserer Schule haben wir bereits seit Oktober 2014 die Ausbildungen zur Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger zusammengeführt. Eine Notwendigkeit für das Pflegeberufegesetz ist der demografische Wandel. Es gibt immer mehr ältere Menschen mit vielfältigen Erkrankungen in allen Versorgungsformen der Pflege. Durch die Integrierung der Altenpflege wird diesem Wandel Rechnung getragen.


Kritiker sagen, dass jemand nach dieser Ausbildung alles könne, aber nichts richtig.
Es wird eine umfassende Grundlage pflegeberuflichen Handelns erworben. Wie bisher erfolgt eine Spezialisierung erst im Berufsalltag nach Abschluss der Ausbildung. Laut Definition spricht man von Pflege-Experten, wenn eine Pflegefachkraft über einen längeren Zeitraum in einer Fachabteilung tätig war.


2018 soll das Gesetz greifen – lässt sich schon sagen, was das für Ihre Schule bedeutet?
Für die Umsetzung des Pflegeberufegesetzes fehlt noch die konkrete Ausgestaltung der Umsetzung durch die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung. Erst dadurch kriegt es für uns als Schule „Fleisch“. Unsere Berufsvertretungen sind in Berlin mit in die Ausgestaltung eingebunden. Ziel soll ein bundesweit einheitlicher Lehrplan sein.

Der Deutsche Pflegerat lobt, das Gesetz werte die professionelle Pflege auf, die Karrierechancen würden verbessert. Macht die Reform die Pflegeberufe attraktiver?
Das sehe ich aufgrund der Vielfältigkeit innerhalb des Berufes auch so. Allerdings braucht es dazu auch eine Änderung der Rahmenbedingungen. Eine Altenpflegerin verdient zum Beispiel heute immer noch weniger als eine Gesundheits- und Krankenpflegerin.


Wie notwendig ist die Reform?
Angesichts bundesweit sinkender Bewerberzahlen für unseren Beruf kann ein reformiertes Pflegeberufegesetz dazu beitragen die Attraktivität zu steigern. Aktuell ist der Pflegeberuf in aller Munde. Einfacher als bisher ermöglicht das Gesetz ein Studium und damit bessere Aufstiegsmöglichkeiten in allen Bereichen der Pflege.

zur Startseite

von
erstellt am 04.Apr.2016 | 18:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen