Gemeinsam für die nächste Generation

Gymnasiasten beschäftigen sich mit der Eurokrise und ihren Auswirkungen brunsbüttel 28 Mitgliedsstaaten hat die Europäische Union (EU) derzeit. Vielleicht könnte es bald einer weniger sein. Denn Großbritannien ist das erste Land, das mit einem Austritt aus der Gemeinschaft droht. Aber wie wichtig ist die EU für die Wirtschaft der einzelnen Staaten? Wichtig. Zumindest wenn es darum geht, auf dem weltweiten Markt zu konkurrieren. „Man muss eine gewisse Gemeinschaft bilden, wenn man wettbewerbsfähig bleiben will“, sagt Dr. Ralf-Joachim Götz, Chefvolkswirt der Deutschen Vermögensberatung (DVAG). Zusammen mit Schülern der 9. und 10. Klasse des Gymnasiums Brunsbüttel sprach er im Rahmen des Projektes Zeitung in der Schule über die Eurokrise und ihre Bedeutung für den Weltmarkt. Obwohl der Euro nach dem Dollar die zweitwichtigste Währung der Welt ist, stehen dem europäischen Markt Sorgen vor einer Deflation in einzelnen Ländern, eine stark alternde Bevölkerung und ein relativ geringes Wirtschaftswachstum von deutlich unter zwei Prozent im Weg. Andere Regionen in Asien und Afrika holen rasant auf und sind teilweise auf der Überholspur. So hat sich China mit einem jährlichen Wirtschaftswachstum von über sieben Prozent in den vergangenen Jahren vom „Flip-Flop-Produzenten“ zur führenden Hightech-Nation entwickelt. In Afrika wächst die Bevölkerung stark an – was sich auch auf das Wachstum der Volkswirtschaften auswirkt. Zudem haben viele Länder Afrikas einen entscheidenden Vorteil gegenüber den meisten europäischen Staaten vorzuweisen: Rohstoffe. „Die Zukunft eines Landes wird auch dadurch entschieden, wie viele Rohstoffe es selbst besitzt beziehungsweise welchen Zugang es zu Rohstoffquellen hat“, betont Götz. Fehlten diese, müsse eine Nation mit anderen Faktoren punkten – zum Beispiel durch Ideenreichtum, gut ausgebildete Fachkräfte und die Entwicklung neuer Technologien und Produkte, die auch international nachgefragt werden. Die einheitliche Währung sei wichtig für die Wertegemeinschaft in Europa, denn der Euro biete für die 18 Mitgliedsstaaten der Eurozone viele Vorteile, wie Transparenz beim Preisvergleich, Wegfall der Wechselgebühren oder auch die Stärkung der europäischen Identität. Doch trotz aller Vorteile hat eine solche Gemeinschaft auch ihre Tücken. „Manche Länder wachsen, andere nicht“, so Götz. Einige Staaten leiden unter mangelnder internationaler Wettbewerbsfähigkeit und unter einer sehr hohen Staatsverschuldung. Mit einer Reihe von Maßnahmen, die insgesamt auch als Euro-Rettungsschirm bezeichnet werden, hat die Europäische Union in finanzieller Bedrängnis Mitgliedsstaaten unterstützt, um so auch die finanzielle Stabilität im gesamten Euro-Währungsgebiet zu sichern. In diesem Zusammenhang wurde auch die Einführung so genannter Eurobonds diskutiert, die zu einer europaweiten Haftung für die Verbindlichkeiten eines hoch verschuldeten Staates führen kann. Doch das wird hierzulande sehr kritisch gesehen. „Davon wären vor allem die Bürger in Deutschland betroffen, die dann unzufrieden wären und auf die Straße gehen“, weiß Schüler Marius Thamsen. Der 16-Jährige hält nichts davon, die Finanzierung hoch verschuldeter Staaten über solche Bonds laufen zu lassen, für die im Zweifel alle Staaten gemeinsam aufkommen müssten. Die Idee der Eurobonds birgt laut Götz auch ein moralisches Risiko, das nicht zu unterschätzen ist. Schließlich müssen die Staaten selbst ihre Hausaufgaben machen und Reformen durchziehen, um ihre eigene internationale Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern: „Das Zusammengehörigkeitsgefühl in der EU ist wichtig, aber wir müssen darauf achten, dass wir den nächsten Generationen nicht zu viel zumuten.“ dao

shz.de von
18. Juni 2014, 13:12 Uhr

28 Mitgliedsstaaten hat die Europäische Union (EU) derzeit. Vielleicht könnte es bald einer weniger sein. Denn Großbritannien ist das erste Land, das mit einem Austritt aus der Gemeinschaft droht.

Aber wie wichtig ist die EU für die Wirtschaft der einzelnen Staaten? Wichtig. Zumindest wenn es darum geht, auf dem weltweiten Markt zu konkurrieren. „Man muss eine gewisse Gemeinschaft bilden, wenn man wettbewerbsfähig bleiben will“, sagt Dr. Ralf-Joachim Götz, Chefvolkswirt der Deutschen Vermögensberatung (DVAG). Zusammen mit Schülern der 9. und 10. Klasse des Gymnasiums Brunsbüttel sprach er im Rahmen des Projektes Zeitung in der Schule über die Eurokrise und ihre Bedeutung für den Weltmarkt.

Obwohl der Euro nach dem Dollar die zweitwichtigste Währung der Welt ist, stehen dem europäischen Markt Sorgen vor einer Deflation in einzelnen Ländern, eine stark alternde Bevölkerung und ein relativ geringes Wirtschaftswachstum von deutlich unter zwei Prozent im Weg. Andere Regionen in Asien und Afrika holen rasant auf und sind teilweise auf der Überholspur.

So hat sich China mit einem jährlichen Wirtschaftswachstum von über sieben Prozent in den vergangenen Jahren vom „Flip-Flop-Produzenten“ zur führenden Hightech-Nation entwickelt. In Afrika wächst die Bevölkerung stark an – was sich auch auf das Wachstum der Volkswirtschaften auswirkt. Zudem haben viele Länder Afrikas einen entscheidenden Vorteil gegenüber den meisten europäischen Staaten vorzuweisen: Rohstoffe.

„Die Zukunft eines Landes wird auch dadurch entschieden, wie viele Rohstoffe es selbst besitzt beziehungsweise welchen Zugang es zu Rohstoffquellen hat“, betont Dr. Götz. Fehlten diese, müsse eine Nation mit anderen Faktoren punkten – zum Beispiel durch Ideenreichtum, gut ausgebildete Fachkräfte und die Entwicklung neuer Technologien und Produkte, die auch international nachgefragt werden.

Die einheitliche Währung sei wichtig für die Wertegemeinschaft in Europa, denn der Euro biete für die 18 Mitgliedstaaten der Eurozone viele Vorteile, wie Transparenz beim Preisvergleich, Wegfall der Wechselgebühren oder auch die Stärkung der europäischen Identität.

Doch trotz aller Vorteile hat eine solche Gemeinschaft auch ihre Tücken. „Manche Länder wachsen, andere nicht“, so Dr. Götz. Einige Staaten leiden unter mangelnder internationaler Wettbewerbsfähigkeit und unter einer sehr hohen Staatsverschuldung.

Mit einer Reihe von Maßnahmen, die insgesamt auch als Euro-Rettungsschirm bezeichnet werden, hat die Europäische Union in finanzieller Bedrängnis Mitgliedsstaaten unterstützt, um so auch die finanzielle Stabilität im gesamten Euro-Währungsgebiet zu sichern.

In diesem Zusammenhang wurde auch die Einführung so genannter Eurobonds diskutiert, die zu einer europaweiten Haftung für die Verbindlichkeiten eines hoch verschuldeten Staates führen kann. Doch das wird hierzulande sehr kritisch gesehen. „Davon wären vor allem die Bürger in Deutschland betroffen, die dann unzufrieden wären und auf die Straße gehen“, weiß Schüler Marius Thamsen. Der 16-Jährige hält nichts davon, die Finanzierung hoch verschuldeter Staaten über solche Bonds laufen zu lassen, für die im Zweifel alle Staaten gemeinsam aufkommen müssten.

Die Idee der Euro-Bonds berge laut Dr. Götz auch ein moralisches Risiko, das nicht zu unterschätzen ist. Schließlich müssen die Staaten selbst ihre Hausaufgaben machen und Reformen durchziehen, um ihre eigene internationale Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern: „Das Zusammengehörigkeitsgefühl in der EU ist wichtig, aber wir müssen darauf achten, dass wir den nächsten Generationen nicht zu viel zumuten.“

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