Gemeinsam für das Leben lernen

Wörtersuche: Wo stehen die Wörter Schnur, Schnalbel, Gans oder Ganove im Wörterbuch? Selbstständig arbeiten sich Paula und Lukas durch ihre Aufgaben.
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Wörtersuche: Wo stehen die Wörter Schnur, Schnalbel, Gans oder Ganove im Wörterbuch? Selbstständig arbeiten sich Paula und Lukas durch ihre Aufgaben.

Die Gemeinschaftsschule Kellinghusen war eine der ersten im Land / Kooperation mit dem RBZ soll Abitur ermöglichen

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05. November 2011, 08:17 Uhr

Kellinghusen | "Herr Thomsen, ich bin mit 37 Euro im Minus", ruft Yendrik (12) aufgeregt durch den Klassenraum. Zusammen mit seinen Freunden Sören (13) und Björn (13) spielt der Siebtklässler das "Euro-Spiel" Es geht ums Subtrahieren von Zahlen im Minusbereich. Spielen im Mathe-Unterricht? An der Gemeinschaftsschule Kellinghusen (GmS) keine Seltenheit. Denn Spiele motivieren und bringen Spaß. Sie sind Teil so genannter "Check-Listen" in verschiedenen Leistungsstufen (Basis-, Aufbau- und Expertenwissen). Innerhalb eines gewissen Zeitraums müssen diese von den Schüler bearbeitet werden. "Die Schüler erarbeiten sich so selbstständig ihr Fachwissen", erklärt Mathelehrer Sven Thomsen. "Meine Aufgabe als Lehrer ist es, Augen und Ohren offen zu halten um schnell zu merken, wenn ein Schüler Probleme bei einer Aufgabe hat und dann bei Bedarf unter vier Augen oder in kleinen Gruppen Stoff zu erklären."

Das Modell der Gemeinschaftsschulen ist noch jung. Die Kellinghusener GmS gehörte 2007 zu den sieben ersten "Leuchtturmschulen" im Land, die umstrukturiert wurden. Aus diesem Grund kommen bis heute viele Lehrerdelegationen nach Kellinghusen, um sich die vorbildliche Schule anzusehen und von den Erfahrungen, aber auch gemachten Fehlern zu lernen. So auch eine siebenköpfige Schulleitergruppe von den GmS Eggebek und Sterup. Für die nächste Woche hat sich sogar ein ganzes Kollegium aus Tornesch angekündigt.

"Wir sind sehr beeindruckt von dem Platz und der guten Ausstattung hier an der Schule", so Rolf Lausen, Mathelehrer in der GmS Geltinger Bucht. Besonders die zehn Lernwerkstätten haben es den Besuchern angetan. Zwei bis drei Klassen sich eine Lernwerkstatt. Hier finden sich Mathematik-Spiele, Ordner mit Lernaufgaben und Computerplätze. Auch die "nette Atmosphäre" hat es der Lehrerdelegation angetan.

Doch "so ein neues System braucht Zeit zu entstehen", so Gerd Thielmann. Seit zwei Monaten ist er Schulleiter an der GmS. Dinge, die sich in der Praxis nicht bewähren, würden verändert, neue Ideen ins Schulkonzept aufgenommen. Nach außen hin mache das manchmal einen unsteten Eindruck. Doch jede Schule müsse ihren eigenen Weg finden. Lehrpläne sowie Abschluss- und Vergleichsprüfungen werden zwar vom Kultusministerium vorgegeben. Dennoch haben die Gemeinschaftsschulen einen großen Freiraum, wie sie diese Ziele erreichen.

In Kellinghusen lernen Förder-, Haupt- und Realschüler sowie Gymnasiasten bis zur zehnten Klasse zusammen. Zunächst gemeinsam im binnendifferenzierten Unterricht, das heißt innerhalb der Klasse erhalten die Schüler verschiedene Aufgaben, je nach ihren Fähigkeiten. Ab der siebten Klasse erfolgt eine äußere Differenzierung - die Klassen werden nach Abschlüssen neu eingeteilt. Der Antrag, an der GmS in Kellinghusen, in Zusammenarbeit mit dem Itzehoer Regionalen Bildungszentrum (rbz), eine zweizügige gymnasiale Oberstufe einzurichten, liegt momentan in Kiel. "Wir planen ein naturwissenschaftliches und ein sprachliches Profil", so der Schulleiter.

"Ich war am Anfang auch skeptisch, aber diese Art des Unterrichts klappt sehr gut", hat Deutschlehrer Michael Oldigs inzwischen gemerkt. "Die schwächeren Schüler können von den guten lernen und bei den leistungsstarken Schülern wird der Ehrgeiz geweckt, möglichst viele der Aufgaben zu schaffen." In Integrationsklassen werden Förderschüler zusammen mit Haupt- und Realschülern sowie Gymnasiasten unterrichtet. Eine Lehrerin aus der Ulmenhofschule (Förderschule) ist ebenfalls anwesend. "So werden wir allen Schülern gerecht", sagt Oldigs. Bis zur sechsten Klasse sind in den Hauptfächern zwei Lehrkräfte im Unterricht anwesend. Schließlich müssten die Schüler das selbstständige Lernen mit den Arbeitsplänen erst einmal lernen. Denn: "Jeder Schüler hat ein Recht auf Erfolg", so das Motto der Schule. Und dabei haben auch die Eltern ein Mitspracherecht. Die hätten beispielsweise kritisiert, dass es in der achten Klasse ein verpflichtendes Betriebspraktikum für alle gäbe, obwohl auf Gymnasialniveau arbeitende Schüler nach der zehnten Klasse meist keine Ausbildung begännen, sondern das Abitur machen würden. Nun gibt es die Möglichkeit, statt eines Praktikums einen zweiwöchigen vertiefenden Sprachkurs an der Schule zu machen. Und die GmS wird sich weiterentwickeln. Auch mit Hilfe engagierter Eltern. "Wir sind für jede Idee offen, es geht hier immerhin um unsere Kinder", so Thielmann.

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