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Norddeutsche Rundschau

17. Dezember 2017 | 08:05 Uhr

Gemeinsam für das Industriegebiet

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Gewerkschaften und Unternehmen aus dem ChemCoast Park vereinbaren Bündnis mit dem Ziel der Wettbewerbsfähigkeit der Region

von
erstellt am 15.Sep.2015 | 11:21 Uhr

Geht es den Werken im ChemCoast Park gut, dann geht es prinzipiell auch deren Beschäftigten gut. Auf diese einfache Faustformel lässt sich das industriepolitische Bündnis bringen, das gestern Abend Werkleiter aus dem Areal zwischen Hemmingstedt und Glückstadt auf der einen und der Deutsche Gewerkschaftsbund Nord auf der anderen Seite vereinbart haben. Den Rahmen lieferte das traditionelle Brunsbütteler Industriegespräch (BIG), an dem an Bord der „MS Freya“ rund 130 Gäste aus Wirtschaft und Politik teilnahmen.

„Wir unterschreiben hier nicht nur ein Papier, das wir uns dann hinhängen“, erklärte Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord bei der Unterzeichnung. Vielmehr werde es jetzt darum gehen, das vereinbarte Bündnis mit Leben zu füllen.

Wie das aussehen könnte, erläuterte Frank Schnabel, Sprecher der Werkleiterrunde im ChemCoast Park, der seine Unterschrift im Namen der Industrie unter die Vereinbarung setzte. Denn zwei Dauerthemen treiben ihn um: die sichere und bezahlbare Energieversorgung gerade im Industriegebiet der Schleusenstadt und die noch immer nicht als zufriedenstellend empfundene Infrastruktur. Jetzt sieht Schnabel den DGB mit im Boot, wenn es gilt, die Stimme zu erheben. Das Beispiel B5 solle auf diese Weise verfolgt werden.

„Bei den Schleusen hat das auch geklappt“, so Schnabel gegenüber unserer Zeitung: Aus Brunsbüttel sei die Forderung nach der fünften Kammer unüberhörbar ins Bundesverkehrsministerium gedrungen. So stellt sich der Werkleitersprecher auch die Realisierung des Ausbaus der B5 bis Brunsbüttel vor. Denn dafür gibt es in Berlin keine Pläne. Nur bis Wilster soll die Bundesstraße dreistreifig ausgebaut werden. Bis zur Kanalhochbrücke sind einer Zählung zufolge 2000 Fahrzeuge am Tag zu wenig unterwegs, um die Ausbaukosten zu rechtfertigen. Der Anschluss des landesweit größten Industriegebiets mit rund 4000 direkten und 12  000 indirekten Arbeitsplätzen erfolgt aus Sicht der Unternehmen also weiterhin durch ein Nadelöhr.

„Es gibt viele gemeinsame Interessen“, stellte Uwe Polkaehn fest, „die Beschäftigten sind Experten in ihren Unternehmen.“ Energie sei hier ebenfalls ein wichtiger Aspekt, den es zu verfolgen gelte. Der Gewerkschafter verwies auf das so genannte „Schaufenster Wind“, ein Gemeinschaftsprojekt von Hamburg und Schleswig-Holstein, für das sich Brunsbüttel in Position bringen solle. „Wir müssen jetzt ganz konkrete Vorschläge entwickeln.“ Regenerative Energien zu nutzen sei eine Möglichkeit die Werke wettbewerbsfähig zu halten.

Zu Beginn des BIG hatten Uwe Beckmeyer, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, und Franke Nägele, Staatssekretär im schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministerium, über die drängenden Probleme im Industriegebiet gesprochen. An erster Stelle ist dies die Infrastruktur. Deren Verbrauch müsse entgegengewirkt werden, forderte Beckmeyer, vergaß aber nicht den entscheidenden Hinweis: „Das ist zum Nulltarif nicht zu haben.“ Immerhin sei der neue Bundesverkehrswegeplan nach Prioritäten gestaffelt und nicht mehr nur nach Wünschen. Wenn es nun etwa um den aus Brunsbüttel geforderten Ausbau der B5 gehe, müsse überlegt werden, wie die Kasse von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt entlastet werden könnte. Beckmeyers Idee: Investoren einspannen, ohne dabei die Straße zu privatisieren. Und ein Importterminal für Flüssiggas (LNG) an der Elbe zu errichten, sei Aufgabe der Anbieter von LNG. Gleichwohl dürfe sich der Bund dem Thema nicht verschließen.

Frank Nägele – „Die Zeiten der Ansiedlungen von Motoren- oder Autowerken sind vorbei“ – empfahl, bei der Suche nach ansiedlungswilligen Unternehmen nach denen Ausschau zu halten, die eine Kaikante brauchen. Der geplante Vielzweckhafen sei der richtige Weg. Der dürfe aber nicht nur auf dem Papier bestehen. Sonst machten Investoren einen Bogen um Brunsbüttel, wie jüngst das Beispiel Siemens zeigte: In Cuxhaven gab es eine fertige Pier. Nägele betonte: „Industrie ist das Herz in Schleswig-Holstein, nicht die Energieberater.“ Deshalb sei im Herbst auf Landesebene ein industriepolitischer Schulterschluss geplant.

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