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Gemeingefährlich – 24-Jähriger kommt in Psychiatrie

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Es waren knapp 20 Taten, für die der 24-Jährige vor Gericht stand – von der Sachbeschädigung über Ladendiebstahl und Körperverletzung bis hin zu fahrlässig begangener schwerer Brandstiftung. Dafür verurteilte die von Klaus Emmermann geleitete große Strafkammer am Landgericht Itzehoe den psychisch kranken Mann zu 25 Monaten Gefängnis. Außerdem ordnete sie die dauerhafte Unterbringung des 24-Jährigen in der geschlossenen Psychiatrie an. Dort war er seit einer Brandlegung in einer geschlossenen Einrichtung in Itzehoe im Januar bereits untergebracht.

Mit dem Urteil folgte das Gericht den Anregungen des psychiatrischen Gutachters, der den Angeklagten letztlich als gemeingefährlich eingestuft hatte. Die Einschätzung des Oberarztes in der Neustädter forensischen Psychiatrie war niederschmetternd: Weil der Alkoholismus der Mutter während der Schwangerschaft beim Angeklagten zu einem hirnorganischen Schaden führte, stolpert der junge Mann seit seinem sechsten Lebensjahr praktisch allein durchs Leben. Da er schnell aggressiv wird, dazu intellektuell zurückgeblieben ist, die einfachsten Dinge wie Ordnung halten und den Umgang mit Geld nicht beherrscht und sich dissozial verhält, bleibt seit vielen Jahren nur immer wieder das Wegsperren. Kindheit und Jugend sind eine einzige Abfolge von Aufenthalten in Heimen und der Psychiatrie.

„Das war sehr schrecklich“, erinnert sich der junge Mann an die Zeit im Kinderheim. Seinen Vater kennt er nicht, die Mutter schlug ihn und gab ihm als Kleinkind Erdbeersekt statt Liebe, ein Onkel sorgte dafür, dass er zum Eigenschutz ins Heim kam. Tagelange Fixierung erlebte er in der Psychiatrie. Medikamente stellten ihn ruhig. Mit 14 kam es nach einer Sachbeschädigung zum ersten Kontakt mit der Strafjustiz.

Das Amtsgericht Meldorf hob Anfang 2013 seine Betreuung auf. Es folgte der Absturz in die Obdachlosigkeit. Im Heider Obdachlosenheim und an anderen Orten in der Stadt kam es ab Februar 2013 zu 16 Straftaten. Der Angeklagte warf Flaschen auf fahrende Autos, setzte die Unterkunft unter Wasser, wurde beim Klauen erwischt, leistete heftigen Widerstand bei der Festnahme. Die Polizei brachte ihn in eine Itzehoer Einrichtung. Dort prügelte er auf Mitbewohner ein und zündete sein Bett an.

Das Urteil wurde am Landgericht zur Nebensache. Entscheidend für die Zukunft des Angeklagten wie seiner Mitmenschen war allein der Beschluss zur dauerhaften Unterbringung – ab jetzt haben die Ärzte das Sagen bezüglich seiner Zukunft.

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erstellt am 20.Sep.2014 | 12:00 Uhr

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