zur Navigation springen

Verkehr : Gemeinde will mehr Sicherheit am Bahnübergang

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach zwei Unfällen hinter dem Andreaskreuz: Gemeinde Nortorf fordert mehr Sicherheit an Übergängen.

Für Manfred Boll grenzt es fast schon an ein kleines Wunder, dass es auf den ungesicherten Bahnübergängen in seinem Gemeindegebiet nicht öfter kracht. Der Bürgermeister berichtet von regelmäßigen Beinahe-Unfällen, von Notbremsungen auf der Schiene und von einem Tanklaster, der nur zwei Meter vom vorbeifahrenden Zug entfernt zum Stehen kam. Nach zwei schweren Verkehrsunfällen innerhalb nur weniger Tage (wir berichteten) ergreift seine Gemeinde jetzt wieder die Initiative. Zumindest für einen Übergang an der Straße Kuskoppermoor fordert Boll zusätzliche Sicherungsmaßnahmen wie Blinklichter oder sogar Halbschranken. Große Hoffnungen, dass sich dort etwas ändert, hat er allerdings nicht.

Am 6. Mai war in der Gemarkung Landscheide ein Lkw von einem Güterzug erfasst worden. Fahrer und Lokführer kamen mit dem Schrecken davon. Keine zwei Wochen später ging es an einem Übergang nur wenige hundert Meter entfernt nicht so glimpflich aus. Die Lok erfasste trotz Vollbremsung einen Pkw-Kombi, der 50 Jahre alte Fahrer wurde schwer verletzt. Insgesamt gibt es auf der nur für den Güterverkehr genutzten Strecke zwischen Wilster und Brunsbüttel sieben Bahnübergänge, auf die lediglich ein Andreaskreuz aufmerksam macht. Laut Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst ist auch nach den Unfällen dort keine Veränderung geplant. Sämtliche Übergänge seien vom Eisenbahnbundesamt so genehmigt und entsprächen auch der Straßenverkehrsordnung. Nach Bahn-Angaben sind auf der Strecke täglich zehn bis 15 Züge unterwegs – allerdings lediglich mit Tempo 50. Nähern sie sich Straßenquerungen ohne technische Sicherung ließen die Lokführer zudem einen Achtungspfiff ertönen. So manche Autofahrer scheinen dabei aber vor allem auf ihr Glück zu vertrauen. Eine Stichprobe unserer Zeitung ergab, dass gleich mehrere Fahrzeuge mit kaum verminderter Geschwindigkeit die Gleise überquerten, wobei die Fahrer der drohenden Gefahr von links oder rechts allenfalls einen kurzen Blick gönnten. Manfred Boll hat noch eine weitere Gefahr ausgemacht. Immer häufiger würden nämlich ortsfremde Autofahrer beobachtet, die von ihrem Navi über die Spurbahnen in der Wilstermarsch gelotst wurden. Für zumindest fragwürdig hält es der Bürgermeister auch, dass vorbeifahrende Güterzüge im Dunklen oder bei Nebel praktisch nicht zu sehen seien. „Überall gibt es Vorschriften, nach denen Reflektoren angebracht werden müssen. Nur bei der Bahn nicht.“ Boll findet: „Das ist hochgefährlich.“ Weitaus gefährlicher jedenfalls als totes Reet links und rechts von Bahnübergängen. Hier bekomme er als Bürgermeister von der Bahn gelegentlich böse Briefe mit Strafandrohungen, dass die Gemeinde dort sofort mähen müsse. „Dabei weiß bei uns doch jeder: Eine Pflanze, die schon grau ist, wächst nicht mehr.“

Während der Bürgermeister nun auf die Entschärfung zumindest eines der gefährlichen Bahnübergänge hofft, geht es dem jüngsten Unfallopfer wieder besser. Betroffen war aber auch der Lokführer, der sehenden Auges und trotz Vollbremsung hilflos mit seinem Zug in den Pkw krachte. „Wir nehmen die Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern, die traumatisierenden Ereignissen ausgesetzt sind, sehr ernst“, sagt Sabine Brunkhorst. Es gebe ein umfassendes Betreuungsprogramm und ein Netzwerk von speziell geschulten Erstbetreuern.

zur Startseite

von
erstellt am 16.Jun.2016 | 15:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen