Kommunalpolitik : „Gemeinde treibt uns in Hartz IV“

Roswitha und Manfred Peters sind nur noch bis Jahresende Wirtsleute im „Dorfkrug“.
Roswitha und Manfred Peters sind nur noch bis Jahresende Wirtsleute im „Dorfkrug“.

Nach 16 Jahren kommt das Aus für die Pächter des Dorfkrugs in Büttel: Gemeindeversammlung beschließt Kündigung des Vertrages.

shz.de von
28. Mai 2015, 16:39 Uhr

Auf dieses „Weihnachtsgeschenk“ der Gemeinde Büttel hätten die Eheleute Roswitha und Manfred Peters gern verzichtet. Schon nach der Dezember-Sitzung der Gemeindeversammlung, in der alle wahlberechtigten Bütteler Einwohner Stimmrecht haben, wurde ihnen die Mehrheitsentscheidung der Einwohnerschaft mitgeteilt: die Kündigung ihres Pachtvertrages für den „Dorfkrug Büttel“. In weiteren Sitzungen des Bau- und Finanzausschusses im Februar und noch einmal in der Gemeindeversammlung wurden gleichlautende Beschlüsse in nichtöffentlichen Sitzungen gefasst. Jetzt flatterte den Wirtsleuten die offizielle Kündigung zum Jahresende 2015 ins Haus. „Ohne jede Begründung – bis heute hat niemand mit uns geredet“, stehen Manfred und Roswitha Peters vor dem beruflichen Aus.

Die 57-jährige Wirtin und ihr 59 Jahre alter Ehemann blicken sorgenvoll in die Zukunft. Ihre ganze Altersversorgung ist auf den Renteneintritt in gut fünf Jahren abgestimmt – mit der vermeintlichen Sicherheit ihres Gaststättenbetriebes. „Jetzt treibt uns die Gemeinde in Hartz IV“, verweist Manfred Peters auf die in Büttel offensichtlich verloren gegangene Menschlichkeit. „In unserem Alter werden wir kaum einen neuen Job finden“, ist sich der gelernte Baumaschinenführer sicher. „Aber wir überlegen, ob wir noch etwas Neues auf selbstständiger Basis anfangen können.“

Büttels Bürgermeister Richard Schmidt bestätigte auf unsere Anfrage, dass das Ehepaar Peters den Dorfkrug seit Jahresbeginn 1999 optimal geführt habe. „An der Qualität der Gastronomie gibt es nichts zu rütteln“, begründete er sein Bedauern über die Entscheidung der Gemeindeversammlung, bei der er selbst sich seiner Stimme enthalten habe. „Als Bürgermeister habe ich diese Entscheidung mitzutragen und umzusetzen“, sieht er sich aber zum Handeln gezwungen. Das sei eben sein Verständnis für Demokratie.

Nach Informationen unserer Zeitung gab es in der Gemeindeversammlung zwei Enthaltungen und angeblich 13 Stimmen für eine Kündigung des Pachtvertrages – ohne Angabe einer Begründung. Richard Schmidt sieht für die Gemeinde noch ausreichend Zeit, neue Pächter für den Dorfkrug zu finden. Die Möglichkeit, ob auch eine Rücknahme der Kündigung denkbar sei, ließ er offen. Unzufriedenheit der nur noch wenigen Einwohner mit den zu geringen Öffnungszeiten des Dorfkrugs soll eine wesentliche Ursache für das Zerwürfnis gewesen sein. Das können die Pächter allerdings nicht verstehen. Sie haben ihr Lokal sonnabends und montags geschlossen, bieten von Dienstag bis Freitag Hausmannskost für den Mittagstisch an und halten den Dorfkrug auch sonntags ab 10 Uhr für einen Doppelkopfstammtisch und bis in den Abend hinein für alle Gäste geöffnet. Wer nicht komme, das seien die Bütteler selbst. Die Erfahrungen der Wirtsleute hätten gezeigt, dass sie vor allem freitags am Abend allein in ihrer Gaststätte gesessen hätten. „Dafür kann man nicht einmal das Licht brennen lassen.“ Folglich hätten sie auch freitags nach dem Mittagstisch ihre Gaststätte geschlossen. Und wenn man sonntags mal ein verlängertes Wochenende eingeplant habe, habe man die Kartenspieler stets direkt informiert. Für Übernachtungsgäste mit drei Doppel- und drei Einzelzimmern stehe der Dorfkrug jederzeit offen. Wirtschaftlich sei man immer gut über die Runden gekommen. „Wir haben täglich 15 bis 20 Mittagessen an Stammgäste und Monteure serviert. Auch Fahrradtouristen hätten wiederholt bei ihnen Station gemacht. „Alle wollten meine Bratkartoffeln haben“, ist Roswitha Peters stolz auf ihre Küche.

Nach der aus ihrer Sicht ebenso grundlosen wie unverständlichen Kündigung haben sich Manfred und Roswitha Peters mit der schwierigen Situation abgefunden und einen Schlussstrich gezogen. „Wir müssen uns einen neuen Job und eine neue Wohnung suchen und viele Gerätschaften für Küche und Gaststätte verkaufen“, begründen beide ihren Plan, den Dorfkrug bis Ende Oktober, vielleicht auch noch im November offen zu halten.

„Bis dahin nehmen wir natürlich auch weitere Anmeldungen für Familien-, Betriebs- und Vereinsfeste entgegen.“ Doch die schon weithin verbreitete Information ihrer Kündigung habe andererseits auch zu Absagen von geplanten Feiern geführt. Eine große Geburtstagsfeier in diesem Monat sei vom Jubilar wegen der unklaren Situation gecancelt worden.

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