Strafprozess : Geldstrafen für Zünden illegaler Böller

Gegen die beiden Täter wurde vor dem Amtsgericht Elmshorn verhandelt.
Gegen die beiden Täter wurde vor dem Amtsgericht Elmshorn verhandelt.

Täter verletzte Familienvater auf Elmshorner Hafenfest / Polizist und Sachverständige warnen vor verheerender Wirkung illegaler Feuerwerksartikel

shz.de von
30. Mai 2015, 17:00 Uhr

Wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion mussten sich zwei Männer aus Glückstadt (27) und Kollmar (24) gegenüber Strafrichterin Dr. Christine Franzius am Amtsgericht in Elmshorn verantworten. Bei dem Älteren kam noch eine tateinheitlich begangene fahrlässige Körperverletzung hinzu – verursacht durch einen achtlos über die Schulter geworfenen so genannten „Polenböller“.

Ereignet hat sich der Vorfall auf dem Elmshorner Hafenfest am Nachmittag des 23. August 2013. Woher die Angeklagten die illegalen Feuerwerkskörper hatten, wollten die beiden vollauf geständigen Täter nicht sagen, aber sie bedauerten die ganze Sache. Besonders der Ältere zeigte tiefe Reue, entschuldigte sich eindringlich bei dem Opfer der Tat, einem 43-jährigen Familienvater aus Elmshorn. Der von dem 27-Jährigen im Alkohol- und Drogenrausch achtlos über die Schulter geworfene illegale Böller explodierte neben dem Ohr des 43-Jährigen. Der erlitt ein Knalltrauma sowie einen Tinnitus, an dem er noch heute leidet. Tinnitus ist ein ständiges Geräusch im Ohr, das niemals aufhört.

,,Ich hab das Ding geworfen, mir tut das verdammt leid. Ich möchte mich nochmal persönlich entschuldigen. Es war nicht meine Absicht, Sie zu verletzten“, wandte sich der 27-Jährige an das Opfer. ,,Ja, ist okay, ist zwar nervig, das Pfeifen im Ohr, aber es gibt ja auch Schlimmeres. Ich nehme die Entschuldigung an“, zeigte sich der Elmshorner verständnisvoll. ,,Danke schön“, erwiderte der Angeklagte spontan, sichtlich erleichtert.

Amphetamine, Haschisch und Alkohol hatten die Angeklagten auf dem Hafenfest intus. Gefasst wurden sie faktisch sofort. Ein erster, wenige Sekunden zuvor von ihnen gezündeter „Polenböller“ hatte die Aufmerksamkeit der Polizei erregt. Der Rellinger Revierleiter (53) persönlich eilte auf die beiden am Hafenrand sitzenden jungen Männer zu, als der zweite Böller flog. Somit war er damals Augen-, jetzt Gerichtszeuge.

Illegale Feuerwerkskörper sind nicht nur Silvester ein Problem. Auch bei Festen wie in diesem Fall sowie privaten Feuerwerken tauchen sie zunehmend auf. Die Beschaffung der wegen ihrer verheerenden Sprengkraft absolut verbotenen Böller ist via Internet relativ simpel. „Polenböller“ sind nicht geprüft und wirken, da nicht größer als ein kleiner „normaler“ Chinaböller optisch harmlos. Der Polizeichef berichtete von einem Fall, bei dem jemand einen solchen Sprengsatz hinter einen Scheibenwischer geklemmt hatte. Die Explosion zerstörte sämtliche Scheiben am Auto, demolierte das Armaturenbrett. Am Neujahrsmorgen 2015 kam in Alveslohe ein 18-Jähriger durch illegalen Böller zu Tode.

Auch eine als Sachverständige gehörte 41-jährige Sprengstoffexpertin warnte eindringlich vor den Teufelsböllern. ,,In dem Böller ist ein Wirkstoff, der so nicht erlaubt ist in Deutschland. Da sind drei Gramm Wirkstoff drin. Das reicht aus, damit die Hand weg ist“, formulierte die Sachverständige. ,,Warum haben Sie diese Böller erworben? Wissen Sie um deren Gefährlichkeit?“, wollte der Vertreter der Staatsanwaltschaft von den Tätern wissen. Es antwortete der 27-Jährige: ,,Keine Ahnung. Ich hab damals Drogen- und Alkoholprobleme gehabt. Ich bin danach zur Therapie und habe das auch durchgezogen.“

Die Richterin ließ sich Zeit bei ihrer Urteilsfindung und entschied sich letztlich für ein Urteil, das auch den Angeklagten eine Chance lässt, zumal der Jüngere bisher ohne Vorstrafen durchs Leben schritt, der Ältere zwei kleine Vorstrafen auf anderen Gebieten vorwies. Mit 70 Tagessätzen belegte Dr. Franzius den Jüngeren, mit 120 Tagessätzen den älteren Täter. Bei beiden beträgt die Tagessatzhöhe 25 Euro. So muss der Jüngere 1875 Euro, der Ältere 3000 Euro Geldstrafe zahlen. Beide leben in sehr einfachen Verhältnissen und werden Jahre brauchen, um die Strafen abzuzahlen. Beide akzeptierten das Urteil.

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