Wildschweine im Itzehoer Stadtgebiet : Gekommen um zu bleiben

Bereits Anfang März in einem Garten in der Straße Am Lehmwohld von einer Überwachungskamera erwischt: Ein junges Wildschwein, das laut dem Hauseigentümer Sonnenblumenkerne am Vogelhaus fraß.
Bereits Anfang März in einem Garten in der Straße Am Lehmwohld von einer Überwachungskamera erwischt: Ein junges Wildschwein, das laut dem Hauseigentümer Sonnenblumenkerne am Vogelhaus fraß.

Schwarzwild sucht weiterhin Gärten rund um den Lehmwohld heim. Der Wildschweinbestand ist seit drei Jahren stark gewachsen.

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11. April 2018, 05:00 Uhr

Und sie sind immer noch da: Nach wie vor gibt es Meldungen über Wildschweine, die sich im Bereich des Lehmwohlds in Gärten herumtreiben.

Zuletzt schafften sie es sogar bis zur Ecke Gorch-Fock- und Adolf-Rohde-Straße: „Eine Katze oder ein Hund ist das nicht gewesen“, sagte Anwohner Gerd Richter mit Blick auf seinen teils umgewühlten Garten. So wartete Arbeit auf den 75-Jährigen, wirkliche Sorgen machte er sich aber nicht: „Die kommen ja nachts. Tagsüber ist hier zu viel los.“ Auch Ute Voss am anderen Ende der Gorch-Fock-Straße hatte, wie schon vor Monaten, wieder Besuch von Wildschweinen. Aus dem Urlaub zurück, stellte sie fest: „Bei uns im Garten sieht es aus, als sei einer mit dem Bagger durch.“ Früher seien die Schweine noch hinter dem Haus gewesen – „wenn das jetzt schon im Vorgarten ist, das ist ja direkt neben der Schule“.

Aber: Wildschweine jagen, Problem gelöst, so einfach ist es nicht. „Es gibt keine Notfälle, die ein Eingreifen unsererseits mit Sonderrechten rechtfertigen“, sagt Diplom-Forstingenieur Torsten Wismar. Er könne die Anwohner verstehen, jedoch: „Wer keine Wildtiere im Garten haben will, muss ihn so schützen, dass keine Wildtiere reinkommen.“ In keinem Fall werde die Stadt zu Handlungen greifen, die gefährlicher seien als die Schweine selbst. Heißt: Schüsse im Lehmwohld sind tabu.

Wenn die Tiere dort überhaupt sind. „Wildschweine rennen bis zu 30 Kilometer in einer Nacht“, sagt Wismar. Er ist zuständig für vier Quadratkilometer städtischen Wald und beobachtet einen klaren Trend: Seit drei Jahren gebe es eine extreme Übervermehrung bei Wildschweinen. Dazu trage der „viel geleugnete Klimawandel“ bei, Feldfrüchte gebe es ganzjährig, Frischlinge kämen unbeschadet durch die meist milden Winter und würden selbst schon als Jungtiere Eltern. Drei Monate, drei Wochen und drei Tage, das sei die Tragzeit. Und das bedeutet: „Ein Wildschweinbestand ist in der Lage, sich in einem Jahr um 400 Prozent zu vermehren.“

Es werde versucht gegenzusteuern, doch die Rangfolge bei seiner Arbeit sei Ökologie vor Naherholung vor Forstwirtschaft. „Schweine im Wald sind nicht schädlich“, so Wismar. Wenn er doch versucht, sie zu jagen, ist es ein Geduldsspiel mit übersichtlichem Erfolg. An 15 Stunden auf dem Hochsitz bei klirrendem Frost erinnert sich der Stadtförster ungern.

Was Bürger tun können, um Wildschweine von ihrem Garten fernzuhalten, erklärt ein Merkblatt auf der Webseite der Stadt. Und auch, was im Falle einer Begegnung zu tun ist: vor allem ruhig bleiben und zurückziehen. Die Tiere dürften nicht in die Enge getrieben werden, so Wismar. „Wenn ein Wildschwein irgendjemanden angreift, hat es immer eine Ursache.“


>Merkblatt auf www.itzehoe.de/aktuelles/

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