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Norddeutsche Rundschau

22. November 2017 | 00:27 Uhr

Itzehoe : Geisterstunde in der City

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wirte wundern sich: In der Innenstadt wird nachts immer weniger gefeiert

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2017 | 05:00 Uhr

Abends gut gefüllte Lokale, nachts aber das Schweigen im Walde – wenn in Itzehoe die Restaurants und Kneipen schließen, ist es in letzter Zeit am Wochenende ruhig geworden in der Stadt. Anstatt wie in früheren Zeiten bis morgens zu feiern, bleiben die Partylocations oft leer und die Innenstadt verwaist.

Panagiotis Chionidis, Betreiber des Restaurants Wangos am Holzkamp, ist mit dem Geschäft zwar zufrieden. „In der Ferienzeit war gut zu tun, ich kann mich nicht beschweren“, sagt er. Allerdings hat er festgestellt, dass das Wochenendgeschäft um 1 Uhr vorbei ist. „Früher waren alle bis 5 Uhr da“, erzählt er, „heute kommen sie früher und gehen auch früher.“ Auch er habe überwiegend junges Publikum, „und ich frage mich oft, wo sie hinterher hingehen. Irgendwo müssen sie ja bleiben.“

Bislang oft in der Diskothek Cheyenne Club, die seit mehr als 50 Jahren im Familienbesitz ist und in der Generationen von Itzehoern und Steinburgern ihre Nächte mit Tanzen, Musikhören und Flirten verbrachten. Doch dort hat man im vergangenen dreiviertel Jahr schwindende Besucherzahlen zu beklagen, sagt Geschäftsführer Björn Conring. Gründe dafür seien vielfältig, sagt der 36-Jährige . „Die jungen Leute gehen immer seltener los – und wenn, dann immer später am Abend. Unsere Öffnungszeit ab 22 Uhr ist da inzwischen zu früh.“

Auch Gesetze zum Jugendschutz und immer weniger Schüler verstärkten das. Nachdem es im vergangenen Jahr mit parallelem G8-und G9-Abitur gleich zwei Jahrgänge gleichzeitig in Itzehoe gab, die auch am Wochenende mit ihren Freunden feiern gingen, hat sich die Zahl mit dem jetzigen Schuljahr wieder halbiert. „Dadurch fällt ein ganzer 13. Jahrgang aus Itzehoe und Umgebung weg – und mit ihnen auch ihre Freunde.“

Und während die Behörden bei ihm besonders genau hinschauten, gebe es beispielsweise bei Scheunenfeten allenfalls lasche Kontrollen, beklagt Conring. Weiterhin kommen einige Gästegruppen nicht, wenn andere Gästegruppen da sind – und umgekehrt. Die Konkurrenz von „Festivals, Scheunenfeten und Eventveranstaltungen“ sei ebenfalls größer geworden. Veranstaltungen sind in anderen Städten – anders als früher – durch Nacht- und Wochenendzüge nach Hamburg und Kiel im Stundentakt nun besser zu erreichen.

Conring will nun mit einem neuen Konzept gegensteuern. Der „Club“ bleibt freitags geschlossen und hat nur noch am Sonnabend geöffnet. Lediglich an jedem ersten Freitag im Monat macht er auf. Die verbliebenen Sonnabende will er aber mit Motto-Partys aufpeppen, statt ab 22 Uhr aber erst ab 23 Uhr und auch nur für Besucher ab 18 Jahren. „Wir wollen so versuchen, ob es besser klappt“, sagt Conring, der aber die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat. „Sollte sich das Interesse wieder steigern, würde ich am Freitag wieder öffnen.“

Es gebe viele Gründe, warum man nachts lieber in Itzehoe weg gehen sollte, als nach Hamburg oder Kiel zu fahren, findet er: „Gute Erreichbarkeit auch aus der Region drumherum durch die Nähe zum Bahnhof, die verfügbaren Taxis und die Nähe zur Autobahn sowie konstante Präsenz und Verlässlichkeit und moderate Preise“ sind nur einige organisatorische Vorteile.

Sabri Krasniqi, Inhaber der „Havana Bar“ (Holzkamp) und des „Café Loren'a“ (Sandberg) stimmt in das Klagelied ein: In diesem Jahr lief es nicht so gut. Bei mir im Restaurant sind die Gäste abends zum Essen zwar da, aber in der Havana Bar gegenüber kommen sie erst um 22 Uhr. Im Bermuda-Dreieck ist spätestens um 2 Uhr Schluss. Ich kann es mir nur so erklären, dass die Leute weniger Geld haben. Viele Firmen haben zugemacht, nun wird jeder Cent umgedreht, außer in den Spielhallen – die sind immer voll. Dann waren auch noch Ferien, und einen Sommer haben wir sowieso nicht gehabt. Und: „Der Jahrmarkt fand Ende des Monats statt, da war auch nicht so viel los, denn da hat keiner mehr Geld. Wie sich das alles ändern lässt? Wir müssen kämpfen.“

>Kommende Termine „Cheyenne Club“ Itzehoe, jeweils Sonnabend, 23 Uhr: Sonnabend, 23. September, 22 Uhr: Schlagerparty mit DJ Sascha; Montag, 2. Oktober, 22 Uhr: „Itzehoe meets Deutschlands größte Party“: 100 Clubs brechen den Partyrekord; Sonnabend, 16. Dezember, 22 Uhr: „Schlagerparty mit DJ Sascha“.

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