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Umweltschutz an Itzehoer Schule : Geheime Mission am Schulkopierer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein Energie-Team des Sophie-Scholl-Gymnasiums beweist: Es geht auch mit Recyclingpapier.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 14:58 Uhr

Wer wollte sich nicht immer schon als Schüler ins Lehrerzimmer schleichen und den Paukern einen Streich spielen? Einige Schüler vom Sophie-Scholl-Gymnasium (SSG) haben sich in geheimer Mission Zutritt verschafft und eine essenzielle Zutat im Lehrbetrieb ausgetauscht: das Kopierpapier. Lange blieb die Aktion unbemerkt, denn der Unterschied fiel niemandem auf. Ein missglückter Streich also? Im Gegenteil: Für die Schüler des SSG war es ein voller Erfolg.

Täter war die Arbeitsgemeinschaft Energie-Team am SSG. Die Schüler hätten es sich mit der Aktion zur Aufgabe gemacht, den Papierverbrauch an der Schule zu revolutionieren, so der betreuende Lehrer Martin Ludwigh. Denn was sie in die Schubladen der Kopierer legten, war Recyclingpapier.

Anlass war der Schülerwettbewerb „Papier im Kreislauf“ der Glückstädter Papierfarbik Steinbeis. Und der Lohn war der erste Preis: Peter Brodersen von Steinbeis überreichte 1000 Euro und 100  000 Blatt Papier. „Wir haben noch keine genauen Projekte, die wir mit dem Geld umsetzen wollen, aber Vorstellungen für Veränderungen an der Schule gibt es“, sagte Schülerin Sophie Puttrus. Und Brodersen fügte schmunzelnd hinzu: „Die 100  000 Blatt Papier werden ihnen jetzt nicht in die Hand gedrückt, die liefern wir.“

Steinbeis ist ein maßgeblicher Produzent von Recyclingpapier. „Alle drei Sekunden stellen wir die Fläche eines Fußballfeldes umgewandelt in Papier her“, erklärte Brodersen. Mit dem Wettbewerb wolle die Firma die Schüler anregen, über das Thema Nachhaltigkeit und Recycling nachzudenken. Verschiedenste Filmprojekte seien eingereicht worden, die Elbschule aus Glückstadt sicherte sich so den zweiten Platz.

Das Energie-Team des SSG nahm sich vor, das komplette Gymnasium von normalem auf Recyclingpapier umzustellen. Sie reichten zum Wettbewerb eine Dokumentation ein. Zuerst wurde der Ist-Zustand erörtert und mit von Interviews erforscht, warum bislang kein Recyclingpapier eingesetzt wurde. SSG-Leiterin Angelika Hartmann berichtete, dass vor vielen Jahren ein Versuch gestartet worden sei. Da aber die Kopierer gestreikt hätten, es Papierstau und genervte Kollegen gegeben habe, sei der Versuch sehr schnell wieder eingestellt worden.

Das konnten die Schüler nicht glauben und kontaktierten mehrere Hersteller, um Musterpapier anzufordern. Brodersen lud sie daraufhin in die Firma ein und führte sie hinter die Kulissen der Papierherstellung. Das Musterpapier bekamen die Schüler danach direkt mit und bestückten damit heimlich die Kopierer im SSG. Ergebnis: kein Papierstau. „Natürlich muss für solche Projekte immer jemand die Initiative ergreifen“, so Hartmann. „Herr Ludwigh hat aber mit der Leitung des Energieteams im wahrsten Sinne des Wortes seine volle Energie investiert.“ Im Jahr verbrauche die Schule 700  000 Blatt Papier, mit dem Einsatz von recyceltem Papier würden 10,5 Tonnen Holz und knapp 150  000 Liter Wasser eingespart. Die Barriere für recyceltes Papier sei nun überwunden, sagte die SSG-Leiterin. Wenn die Vorräte aufgebraucht seien, werde die nächste Lieferung Recyclingpapier sein.

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