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Bogenturnier : Geflügeljagd mit Pfeil und Bogen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

150 Bogensportler aus weiten Teilen Norddeutschlands schießen in Eggstedt auf Kunststofftiere. Wettbewerb ist einer der Höhepunkte im Veranstaltungskalender in der Szene.

Männer, Frauen und Kinder streifen durchs Unterholz. Den Blick ins Gehölz gerichtet. Immer auf der Suche nach dem nächsten Ziel. Von der Ratte bis zum Bison, von der Eule bis zum Reh reichte die Palette der 32 Kunststofftiere, die Frestedts Bogensportler am Donnerstag rund um den Eggstedter Aussichtspunkt im Grün von Wald und Wiesen aufgestellt hatten. 150 Bogensportler waren aus Kiel, Berlin, Flensburg, Lüneburg und vielen anderen Orten angereist, um an der „Geflügeljagd 2013“ teilzunehmen.

„Das Turnier ist einfach top“, sagte Hans Jürgen Grube aus Kiel. Er spannt seinen Langbogen, zielt kurz, lässt den Pfeil mit fast 200 Stundenkilometern von der Sehne sausen. Gute 50 Meter entfernt lugt ein riesiger Bison aus dem Wald hervor. Jetzt steckt ein Pfeil in seinem Blatt. Volltreffer.

Drei Schuss hat jeder Bogenschützen an den einzelnen Station. In Fünfergruppen streifen die Teilnehmer durch Feld und Flur. Vier Kilometer beträgt der Rundkurs. Los gehts am Aussichtspunkt mit einem Abwärtsschuss auf ein Reh. Der Schütze steht dabei erhöht auf einem Hügel, das Reh auf einem abgeernteten Feld etwa zwölf Meter vor ihm. Drei Pfeile jagt ein grauhaariger Mann daneben. Anke Möller aus Kaltenkirchen ist die Nächste. Sie legt kurz an, jagt den Pfeil genau ins Blatt und sagt trocken: „So geht das.“

Manche Schützen sind in historischem Outfit dabei, wie etwa der Hamburger Andreas Dose. Vom Langbogen über den hellen Jagdkittel bis zum Haarzopf ein echter Wikinger. Es geht bei dem Turnier eindeutig nicht allein um den Sieg, ebenso bedeutsam ist der Auftritt unter Freunden.

Dafür sorgten neben dem Wettergott auch Sönke Egge und viele Helfer, allesamt Mitglieder der 1998 im TSV Frestedt gegründeten Bogensportsparte. Die umfasst 40 Mitglieder, davon 14 Aktive. „Es könnten gern ein paar mehr sein“, meint Eckart Nelz, der seit zwölf Jahren dabei ist. Er ist Experte in Lederbearbeitung, aber ebenso als Messerschmied und Bogenshersteller. Nelz hat einen Kriegsbogen dabei mit einem Finger dicken Pfeil. Viele der Teilnehmer haben massgefertigte Bögen, Köchertaschen und Pfeile. Wer selbst handwerklich nicht so begabt ist, wendet sich beispielsweise an Olaf Hoops. Der Hochdonner Tischler ist inzwischen Experte in Sachen Bogenbau.

Zum Einsatz kommen beim Turnier vom Primitivbogen der Steinzeitjäger bis zum Hightech-Compoundbogen alle Arten. Die meisten Teilnehmer bevorzugen den klassischen Langbogen. Verboten ist jegliche Form von Zielvorrichtung. „Wir schießen instinktiv“, bringt es Nelz auf den Punkt.

Sönke Dose kam beim Turnier nicht zum Schuss. Er saß im Unterstand am Aussichtspunkt am Laptop und wertete die Schießergebnisse aus. Dort und auf halber Strecke wurden die Teilnehmer mit Kaffee, Kuchen, heißen Würstchen, Snacks und Limonade versorgt. Thema beim Imbiss war natürlich das Turnier.

Höchstes Lob gab es für Sönke Egge und sein Team. „Das war richtig geil gestellt“, meinte Ulf Schrum aus Weddingstedt. Er traf alle Ziele. Das gelang bei weitem nicht Jedem.

Auf der Landkarte des Bogensports ist Frestedt/Eggstedt ein Hotspot. Zehn bis zwölf Turniere bestreiten Bogensportler wie Eckart Nelz jährlich. Bis zu 200 Kilometer Anreise nimmt der Hochdonner dafür in Kauf. Sieger waren am Ende des Tages alle. Verlorene Pfeile, auch aus dem Vorjahr, steckten vor dem Unterstand im Boden. Jeder Bogensportler hat sein eigenes markantes Gefieder – und so fand man dort auch einige Pfeile wieder.

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erstellt am 06.Okt.2013 | 04:53 Uhr

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