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Norddeutsche Rundschau

15. Dezember 2017 | 21:22 Uhr

Tierschutz : Gefahrloser Weg für Fischotter

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Rantzau bietet ideale Lebensbedingungen für die Tiere, aber die Straßen sind gefährlich. Bei Schlotfeld gibt es jetzt einen 32 Meter langen Tunnel.

shz.de von
erstellt am 27.Dez.2013 | 17:02 Uhr

Er soll wieder die Chance bekommen, sich bei uns anzusiedeln: der Fischotter, der aus großen Teilen Mitteleuropas zum Ende des 20. Jahrhunderts verschwunden ist. Der Fischotter gilt nach der Roten Liste für Schleswig-Holstein und die Bundesrepublik Deutschland als eine vom Aussterben bedrohte Art. Trotzdem sei man im Kreis Steinburg guter Dinge, dass der Otter kommt, wie Ulf Schünemann, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises, erklärt. Dazu beitragen soll ein Ottertunnel in Schlotfeld, der den Tieren eine sichere Querung der Straße ermöglicht.

Wie viele Otter es im Kreis zurzeit gibt, sei laut Schünemann zwar nicht bekannt, mit einem Ottertunnel als Präventivmaßnahme sei man aber auf die Rückkehr vorbereitet. Denn „die Rantzau bietet inzwischen ideale Lebensraumbedingungen, reichlich Fischbestände und renaturierte Ufer beispielsweise. Die Querung soll helfen, dass die Tiere sich ausbreiten und Gebiete erobern können, in denen sie normalerweise vorkommen.“

„Fischotter bewegen sich nicht, wie man es vielleicht vermuten könnte, ständig im Wasser fort. Auf ihren nächtlichen, bis zu 20 Kilometer langen Wanderungen bevorzugen sie Ufer, die nach Möglichkeit durch Strukturen wie Gehölze, Hochstauden oder Röhrichte ausreichende Deckung bieten“, beschreibt Norbert Knaak, Mitarbeiter der Abteilung Naturschutz- und Landschaftspflege in der Steinburger Kreisverwaltung. „Stoßen sie dabei auf Wanderungshindernisse wie Durchlässe unter Straßen oder Brückenbauwerke, versuchen sie, diese ‚trockenen Fußes‘ zu passieren. Wenn dabei Straßen überquert müssen ist das Risiko für den Otter, von einem Auto überfahren zu werden, natürlich groß.“

Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Steinburg hat deshalb die Querungsbedingungen analysiert. Ergebnis: Die Querung der Rantzau mit der B 206 in Schlotfeld ist vermutlich einer der Hauptgefahrenpunkte im Kreisgebiet. In Zusammenarbeit mit dem Deich- und Sielverband (DSV) Rantzau, Dr. Hans-Heinrich Krüger vom Otterzentrum Hankensbüttel und dem Ingenieurbüro Ria Faßbinder wurde unterhalb der B 206 im Durchlass der Rantzau jetzt ein 32 Meter langer Steg als sogenannte Otterberme eingebaut, der den Tieren an dieser Stelle eine gefahrlose Passage ermöglicht. Ausgeführt hat den Bau der Betriebshof des Wasserverbands Bekau.

Weil das Tier vom Aussterben bedroht ist, sei es wichtig – trotz wirtschaftlicher, verkehrstechnischer und touristischer Nutzung – ein großräumiges Verbreitungsnetz für den Fischotter zu schaffen und noch intakte Lebensräume des Fischotters zu erhalten und auch bereits zerstörte Lebensräume wiederherzustellen. „Gerade dem Land Schleswig-Holstein fällt hier eine besondere Bedeutung zu, da es eine Brückenfunktion bei der Schaffung eines Populationsverbundes zwischen der wachsenden dänischen Fischotterpopulation und den Vorkommen in Mitteleuropa übernimmt“, erläutert Knaak. Im Rahmen der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie wurde die Bereitstellung geeigneter Lebensräume durch die Erhaltung beziehungsweise Wiederherstellung der biologischen Leistungsfähigkeit der Gewässer und ihrer Einzugsgebiete vorangetrieben. Jetzt gilt es, ein Hauptaugenmerk auf einen zielorientierten Schutz dieser Tiere zu richten. Neben anderen Gruppierungen und Institutionen zeichnet sich dabei besonders der Verein Aktion Fischotterschutz aus, der im Rahmen des Leitprojekts der Metropolregion Hamburg „Das Blaue Metropolnetz“ eine Studie zu Problemstandorten im Kreis Steinburg verfasst hat.

Die Maßnahme sei eine wichtige Ergänzung der umfangreichen Renaturierungsmaßnahmen in der Rantzau und ihren Nebengewässern, die unter der Federführung des DSV Rantzau umgesetzt werden.

Nach der Wiederherstellung der Durchgängigkeit im Bachlauf unter Verbesserung der Fischbestände und dem Anschluss naturnaher Niederungsflächen ist ein Lebensraum geschaffen worden, in dem sich der Fischotter wohlfühlen wird. Finanziert wurde die Maßnahme aus Naturschutz-Ausgleichsmittel durch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Steinburg. Alle am Projekt Beteiligten sind gespannt, wann erste Spuren des im Verborgenen lebenden Tieres entdeckt werden.

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