zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

17. August 2017 | 12:36 Uhr

Gefährliches Spiel

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Computerspiele gefährden den Spieler, lassen Freundschaften zerbrechen und behindern die schulische Entwicklung. Was nach Eltern- und Pädagogen-Prosa klingt, macht Beate Albrecht in „Philotes“ zu einem Theater-Thema ohne pädagogischen Zeigefinger – aber im vollen kleinen Saal im Theater Itzehoe voller Emotionen. Besonders die Jugendlichen der Steinburg-Schule sorgen mit ihren spontanen Zwischenrufen und sensiblen Reaktionen für ein starkes Wechselspiel.

Das Publikum geht mit bei der Geschichte von Benny (Kevin Herbertz) und Tom (Alexander Weikmann). Sie spielen das fiktive Computerspiel „Philotes“, bis sich Benny so in die Ballerwelt hineinsteigert, dass seine Freundschaft zu Tom und die sich anbahnende Beziehung zu Lara (Carolin Pommert) zu zerbrechen drohen. In der Schule geht es zum Leidwesen seiner Mutter (Beate Albrecht) auch bergab. Ratlos wirft sie ihn aus dem Haus. Denn er wird gegen sie handgreiflich, wenn sie ihn vom Computer losreisßen will. Als der Spiele-Nerd vor den Trümmern seiner Sozialbeziehungen steht und man ihm kein Wort mehr glaubt, versucht er immerhin die Wende. Denn sein Freund Tom hat sich trotz der vielen Enttäuschungen nicht ganz distanziert.

Der besondere Reiz dieses topaktuellen Themas geht von dem authentischen Spiel der Akteure aus, die das Publikum einbinden. „Was würdest du jetzt vorschlagen?“, fragt die ratlose Mutter. Die Antworten zeigen, wie nah den Jugendlichen die Thematik des Suchtspielens geht. Es wird alles verstanden, nicht nur rational, sondern emotional.

Damit leistet die Inszenierung (Achim Konrad) etwas, was die Schule nicht kann. Dadurch wird die erforderliche rationale Reflexion ermöglicht, die die Schule dann wieder mit ihrer relativen emotionalen Nüchternheit leistet. Aber nichts kann so motivieren wie Theater. Schon gar nicht, wenn es so anregend gespielt wird wie von diesem Ensemble.


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen