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Norddeutsche Rundschau

18. November 2017 | 18:52 Uhr

Ausweichroute : Gefährliche Abkürzung für Lkw

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Fernfahrer ignorieren Durchfahrtsverbot in Neuenbrook West – Polizei plant mehr Kontrollen.

von
erstellt am 21.Mai.2017 | 08:00 Uhr

Seit die Kremper Umgehungsstraße gesperrt ist, ist es an der Neuenbrooker Kreuzung West/Hohenweg gefährlich geworden. 20 Minuten nachdem eine Fähre in Glückstadt angelegt habe, rollen die Lkw durch die Straße West, hat Anwohner Lutz Mühlbach in den vergangenen zwei Wochen beobachtet. Die Fahrer nutzen die Straße als Ausweichroute zur Kremper Umgehungsstraße, – obwohl Schilder darauf hinweisen, dass Fahrzeuge nur mit einem Gewicht von bis zu 8,5 Tonnen und 14 Metern Länge die Straße nutzen dürfen. Wie gefährlich dieser Verstoß ist, zeigt sich am Bahnübergang kurz vor der Kreuzung West/Hohenweg.

Zusammen mit Lutz Mühlbach platzierten wir uns an den Schienen, um uns ein Bild zu machen: Zwischen Abbiegung und Bahnübergang liegen nur ein paar Meter – für lange Lkw aus Neuenbrook kommend eine zu kurze Distanz. Ein Auto-Transporter muss am Ende der Straße West stoppen, um dem Verkehr auf dem Hohenweg Vorfahrt zu gewähren, das Heck des Lastwagens steht noch auf den Schienen. Nur Sekunden, nachdem der Brummifahrer weiterfährt, schließen sich die Schranken hinter ihm und ein Zug der Nordbahn rast vorbei.

„Das war knapp“, sagt Lutz Mühlbach. Situationen wie diese hat der 52-Jährige in den vergangenen Tagen oft beobachtet und fotografiert. „Laut Plan dauert die Sperrung noch sechs Wochen. Sechs Wochen, in denen hier die 40-Tonner entlang donnern. Und sechs Wochen Risiko“, kommentiert er den Vorfall am Bahnübergang. „Wenn es zu einer Kollision mit einem Zug kommt, können viele Fahrgäste verletzt werden. Man kann doch nicht abwarten bis es kracht!“, ist er entrüstet.

Auch ein Lkw-Fahrer aus Litauen hat den beinahe Unfall beobachtet. „Die Situation am Bahnübergang ist sehr gefährlich. Wenn ich hier lang fahre, halte ich schon vor den Schienen, um zu gucken, ob die Straße frei ist.“ Er hatte wegen einer Anlieferung eine Durchfahrtserlaubnis. „Sonst wäre ich hier nicht rein gefahren. Mein Navi sagt, dass ich hier gar nicht hätte abbiegen dürfen.“ Andere Brummifahrer interessieren weder Hinweisschilder noch Navi-Warnung. Lutz Mühlbach kann ihre Lage sogar verstehen, aber nicht akzeptieren: „Der lange Umweg über Elmshorn ist bitter und die haben schließlich Kunden im Nacken sitzen.“ Lutz Mühlbach vermutet, dass nicht alle todesmutig die Abkürzung nehmen, sondern sieht in der Beschilderung eines der Hauptprobleme. Einige Hinweisschilder seien so weiträumig aufgestellt, dass die Fahrer diese bis Neuenbrook wieder vergessen hätten. Und die Schilder an der Abbiegung in die Straße über Längen- und Gewichtsbeschränkung seien erst zu erkennen, wenn die Lkw-Fahrer bereits in die Straße West eingebogen sind. Ein Zurück gibt es dann nicht mehr.

„Hier ballern gnadenlos alle durch.“ Die 40-Tonner rollen vorbei an Lutz Mühlbachs fast 500 Jahre altem Resthof kurz außerhalb des Ortes. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Ob es Schaden nimmt, wenn die Laster nur drei Meter vor seinem Haus entlang rasen, macht ihm weniger Sorgen als das Wohl der Kindergartenkinder nebenan. Außerorts begrenzt ein Schild das Tempo auf der Strecke auf 80 km/h. Solange die Umgehungsstraße bei Krempe gesperrt ist, würde er sich eine Geschwindigkeitsbegrenzung wünschen – in der Hoffnung, dass die Lkw-Fahrer, die das Durchfahrtsverbot ignorieren, zumindest vom Gas gehen. „Wie sich die Lkw morgens an den parkenden Autos der Mütter, die ihre Kinder in die Kita bringen, vorbeischlängeln!“

Sorge bereitetet ihm auch der Zustand der Kreisstraße. Wenn die Lkw anderen Fahrzeugen ausweichen, fahren sie zum Teil meterlange Spurrinnen in den unbefestigten Untergrund neben der Fahrbahn. Und auch die Straße leidet: „Sie ist für so eine Last nicht ausgelegt“, kritisiert der Neuenbrooker.

Schilder allein werden das Problem aber nicht lösen, erklärt Kai-Uwe Schacht, Leiter der Itzehoer Niederlassung des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV): „Wenn die Hinweise bewusst ignoriert werden, können wir noch so viele Schilder aufstellen.“ Die Beschilderung sei schon sehr umfassend und weiträumig. Hinweisschilder stehen unter anderem schon in Wrist und an der A23. „Aber wir stellen an der L119 noch zwei zusätzliche Schilder auf.“ Damit seien die Möglichkeiten des LBV aber auch erschöpft. „Mehr kann man nicht machen, dann muss man sanktionieren“, so Schacht. Die Polizei habe der Behörde bereits zugesagt, aktiv zu werden.

„Wir haben den Bereich verstärkt im Auge“, erklärt Polizeioberkommissar Jörg Peters von der Polizeidirektion Itzehoe. Standkontrollen werde es aber nicht geben, dafür würden vermehrt Streifenwagen den Bereich kontrollieren, wenn es die Einsatzlage der Beamten zulasse.

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