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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 06:57 Uhr

Gedenkstätte nennt jetzt Namen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

3000 russische Kriegsgefangene waren zwischen 1941 und 1945 an im Lager Gudendorf zu Tode gekommen und im Wald verscharrt worden

Zum Sterben wurden die russischen Gefangenen zwischen 1941 und 1945 aus anderen Lagern nach Gudendorf geschafft. Dort gab es im Zweiten Weltkrieg ein Gefangenenlager für russische Kriegsgefangene. Wer nicht totgeschlagen wurde, verhungerte elendig oder starb an mangelnder medizinische Versorgung. Im Morgengrauen wurden die Toten dann über die Hauptstraße in den Wald gekarrt und im Dünensand verscharrt. 70 Jahre blieben die geschätzt 3000 toten russischen Kriegsgefangenen – genaue Zahlen gibt es bislang nicht – in Gudendorf namenlos. 310 von ihnen gab die 1983 gegründete Initiative ,,Blumen für Gudendorf“ jetzt zumindest ihren Namen zurück. Drei Schicksale konnte Hobbyhistoriker Georg Gerchen sogar noch weiter aufklären, inklusive Herkunft, Werdegang während der Gefangenschaft und Todesursache. Bereits 1946 wurde im Wald, wo die Leichen verscharrt worden waren, eine erste Gedenkstätte eingerichtet, 1960/61 dann in der heutigen Form mit der großen Stele im Zentrum. Am Sonnabend nun kam Kultusministerin Anker Spoorendonk erstmals nach Gudendorf.

Gemeinsam mit dem russischen Konsul Andrey Rumyantsev und Vertretern der Initiative ,,Blumen für Gudendorf“ weihte Spoorendonk die für 13  000 Euro neu geschaffene Namensgalerie ein. Insgesamt nahmen gut 60 Personen, darunter Gudendorfs Bürgermeister, sowie Vertreter von Kreis, Kirche und mit dem Thema befasster Organisationen an der Einweihung teil.

Die Namensgalerie besteht aus einem langen Band Stahlplatten, auf denen vereinzelt oder in kleinen Gruppen Panzerglasscheiben aufgeschraubt wurden. Unter dem Glas stehen in kyrillischer und lateinischer Schrift vor Vandalismus geschützt die Namen der Toten mit Geburts- und Sterbedatum. Ermittelt wurden die Namen dank der Öffnung russischer Archive. Die Initiatoren hoffen auf weitere Namen, weshalb zwischen den Panzerglasplatten noch reichlich Freifläche existiert.

,,Das Lager Gudendorf ist unweigerlich mit dem Unternehmen Barbarossa, dem Überfall auf die Sowjetunion verbunden“, erinnerte Benno Stahn, Vorsitzender der Initiative „Blumen für Gudendorf“. Auf ihrer Homepage verweist die Initiative auf die Entstehungdes Lagers: „In Gudendorf wurde bald nach dem Überfall Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion ein Kriegsgefangenenlager errichtet. Auf einer Fläche von rund einem Hektar standen an der heutigen Schulstraße Baracken, in denen die sowjetischen Kriegsgefangenen untergebracht wanden. Das Lager gehörte zum STALAG (Stammlager) XA Schleswig.“

Konkret wurde die schleswig-holsteinische Ministerin für Justiz, Kultur und Europa: „Gudendorf gehört zum kollektiven Gedächtnis von Schleswig-Holstein. Das Grauen hat nicht nur in der Ferne, in Auschwitz, Dachau oder Buchenwald stattgefunden, sondern auch direkt vor unserer Haustür, in unmittelbarer Nachbarschaft eines jeden Einzelnen“, mahnte Spoorendonk zum Gedenken. ,,Die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Russland darf man nicht aufs Spiel setzen“, sagte Konsul Rumyantsev in Anbetracht der Schrecken des Krieges.

Eine englische Luftaufnahme ist das bisher einzige Fotodokument vom Lager. 30 Jahre brauchte es, um erste Namen aufzuspüren. Die Initiative will weiter forschen, weiteren Toten ihren Namen, ihre Identität zurückgeben, Fotos und Dokumente über das Lager in Gudendorf zusammentragen. Denn nur die Aufklärung und Erinnerung an das Geschehene könne zukünftige Generationen vor einer Wiederholung der Geschichte bewahren.


>Infos: www.blumen-für-gudendorf.de

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