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Wacken Open Air : Geburtstagsparty mit 75 000 Gästen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Alle Akteure ziehen nach dem Festival in Wacken eine positive Bilanz. Jetzt läuft der Run auf die Karten für 2015.

Ganz schön Staub aufgewirbelt haben die 75 000 Gäste, die auf dem 25. Wacken Open Air feierten und gestern wieder abgereist sind. Jeder Schritt ließ den Sand von den trockenen Äckern auffliegen, der sich auf Kleidung, Brillen, Autos und einfach in jede Ecke setzte. Nachdem auch vergangenes Jahr große Hitze geherrscht hatte, verteilten die Veranstalter in diesem Jahr erstmals Trink-Beutel für alle Besucher, die am Gürtel getragen und an Wasserstationen auf dem ganzen Gelände nachgefüllt werden konnten.

Hitze und Trockenheit hielten die Gäste aus aller Welt aber nicht vom Feiern ab. Rund 130 Bands spielten auf den sieben Bühnen. Veranstalter Thomas Jensen sprach von „geilen Shows“ und lobte die 25. Auflage seines Festivals als „super Geburtstagsparty“. Auf der Bühne standen vor allem Bands, die in der Metal-Szene berühmt, Außenstehenden aber kaum bekannt sind. Viele Gruppen wie zum Beispiel Motörhead traten zum wiederholten Male auf dem Festival auf. Vergangenes Jahr hatte deren Sänger Lemmy Kilmister das Konzert wegen gesundheitlicher Probleme nach 35 Minuten abbrechen müssen. Gerüchten zufolge soll der 68-Jährige inzwischen seine Flüssigkeitszufuhr von Whiskey auf Weißwein umgestellt haben. Jedenfalls war er in diesem Jahr wieder fit und rockte die Bühne.

Dass Metal nicht nur harte Gitarren- und Schlagzeugklänge bedeutet, zeigte die Gruppe Apocalyptica. Sie rückten mit klassischer Begleitung an. Das Orchester passte hervorragend zu den Finnen und unterstrich eindrucksvoll die Virtuosität des Saiten-Trios samt Schlagzeuger. Ein Cover der Metallica Ballade „Nothing Else Matters“ riss auch den letzten im Publikum zum Mitsingen hin.

Neben Heavy Metal kamen auch Seemannslieder und Irish Folk zur Aufführung, als die Gruppe Santiano – die ebenfalls von der Veranstalter-Firma ICS gemanaget wird – auf der Party Stage auftrat. Tausende Festival-Gäste lauschten dem Konzert. Voll war es ebenfalls bei der Show des deutsch-türkischen Komikers Bülent Ceylan. Zu Rammstein-Klängen sang er aus voller Kehle und brachte die Besucher mit nicht ganz ernst gemeinten Ausländer-Witzen zum Lachen.

Viele Fans waren enttäuscht darüber, dass zum 25. Wacken Open Air, keine großen Musiker auf dem Programm standen. „Für das Jubiläum war das ein bisschen dünn“, urteilte Wacken Urgestein Hanno Mannke aus Hademarschen, der schon seit vielen Jahren das Festival besucht. Begeistert war der 46-Jährige von den Gruppen Saltatio Mortis und WASP. Gewünscht hätte er sich Prominente wie Metallica, AC/DC oder Manowar. Die Veranstalter hatten zuvor erklärt, dass im Zeitraum des Festivals größere Bands nicht verfügbar waren und dass sie zudem lieber ein breites Programm darbieten möchten. Günter Jacobs, 66, aus Dägeling, der bisher alle 25 Wacken-Festivals besucht hat, resümierte: „Es wie immer eine tolle Stimmung. Aber es gab keine Auftritte, die mich vom Hocker gerissen hätten.“

Auf Grund einiger logistischen Schwierigkeiten hatte die Produktionsfirma ICS in diesem Jahr das Konzept des Festivalgeländes leicht verändert. Gäste, die als VIP (Very Important Person) auf das Gelände kamen, waren erstmals auf einem weiter entfernten Camping-Platz untergebracht. Für den Weg zu den Bühnen mussten sie entweder einen längeren Fußmarsch in Kauf nehmen oder einen Shuttle-Bus benutzen. Dafür war der Platz in ruhigerer Lage und sehr geräumig.

Einlasskontrollen fanden nicht mehr wie bisher vor jeder einzelnen Bühne, sondern nur einmal beim Betreten des Hauptbereichs statt. Viele Fans lobten das Konzept, wie zum Beispiel Günter Jacobs: „Das fand ich sehr gut. Man konnte sich viel freier bewegen.“ Auch die Veranstalter zeigten sich mit den ersten Erfahrungen zufrieden.

Unter langjährigen Festival-Besuchern wurde vielfach die Kritik laut, dass viele Gäste nicht mehr wegen der Musik, sondern nur noch zum Feiern zum Wacken Open Air kämen. Raphael Köhler, 29, aus Ascheffel sprach von „Party-Tourismus“. Er beklagte sich darüber, dass auf einem Metal-Festival seine Camping-Nachbarn Techno hörten und in Teletubby oder Spiderman-Kostümen herumlaufen würden. „Man merkt, dass sich das Publikum in den letzten Jahren verändert hat“, sagte er.

Polizei und Rettungskräfte sprachen von einem sehr ruhigen Wacken Open Air. Ganze neun Körperverletzungen wurden von den Sanitätern behandelt. Die Zahl der Zeltdiebstähle wurde von der Polizei vorläufig im dreistelligen Bereich angegeben. Sie sei nicht höher als im vergangenen Jahr, sagte Einsatzleiter Frank Ritter. Festival-Besucher lobten den Einsatz der Behörden: „Ein Lob an die Polizei und die Rettungskräfte. Die sind super cool drauf“, sagte Uwe Kargut, 50, aus Ahlefeld-Bistensee.

Lob für die Veranstalter, Thomas Jensen und Holger Hübner, gab es vom Leiter des Schenefelder Ordnungsamts, Gerhard Tolksdorf: „Ein Glückwunsch für eure geilen Fans“, sagte er an die beiden gerichtet. Die Zusammenarbeit habe wieder einmal sehr gut funktioniert. „Das geringfügig geänderte Konzept hat meiner Meinung nach gegriffen.“

Zum Ende der Jubiläumsausgabe des Wacken Open Air blickten die Veranstalter bereits auf das Festival im nächsten Jahr, das vom 30. Juli bis zum 1. August 2015 stattfinden wird. Sie kündigten bereits einige – in der Metal-Szene sehr populäre – Bands an, darunter Sepultura, Sabaton, U.D.O., In Flames, Running Wild und Savatage. Der Vorverkauf für das nächste Festival hat heute Nacht um 0 Uhr begonnen. Ein Ticket kostet 170 Euro.

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erstellt am 04.Aug.2014 | 05:01 Uhr

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