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Norddeutsche Rundschau

16. Dezember 2017 | 10:35 Uhr

Geburtstags-Ständchen mit einer alten Dame

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

shz.de von
erstellt am 22.Sep.2014 | 13:17 Uhr

Ein wenig zickig verhält sich die alte Dame: Nicht jeder Ton spricht an, wenn der Organist die Taste drückt. Hier und dort klingt sie auch ein wenig verstimmt.

Aber die Geburtstagsgesellschaft in Krummendieks St. Georg-Kirche reagiert gelassen. Einer Hundertjährigen verzeiht man sowieso alles, und für die mangelnde Flexibilität im Umgang mit der Feuchtigkeit in der Kirche bringt man ohnehin Verständnis auf.

Seit Beginn des 1. Weltkriegs befindet sich die echte Marcussen-Orgel in der barocken Backstein-Saalkirche, die ihrerseits mit ihren 315 Jährchen auch schon einiges an Geschichte und Geschichten erlebt hat.

Der Geburtstag der Orgel wurde in würdigem Rahmen mit Kerzenlicht und Schnittchen-Büfett gefeiert. Wilsters Kantor Hartwig Barte-Hanssen führte zunächst in die Klanggeheimnisse des Instruments mit den sieben Registern auf zwei Manualen und dem Pedalregister ein. Humorvoll unterrichtete er die Gemeinde auch über die Spezialitäten einer pneumatischen Orgel: „Der gespielte Ton kommt später und bleibt länger.”

Obwohl die Krummendieker Marcussen mit ihren bescheidenen musikalischen Möglichkeiten als reine Gottesdienstorgel konzipiert ist, gab Barte-Hanssen dann ein kleines Geburtstagskonzert mit und für die Hundertjährige. Dabei scheute er sich nicht, auch „größere” Werke wie Bachs „Allein Gott in der Höh’ sei Ehr’” vorzustellen. In einer Transkription spielte er Dvoáks Largo aus der e-Moll-Symphonie, op. 95, wobei die Flötenregister eine angenehm sanfte Atmosphäre im Kirchenschiff verbreiteten. Für den Schluss hatte sich Barte-Hanssen eine witzige Geburtstagspointe ausgedacht. John Campell Maglegan (1904-1927) löst in seiner Hommage an Bach dessen Feierlichkeit aus der berühmten d-Moll-Toccata in das Humorvolle, fast schon ein bisschen Provokative auf. Da durfte dann auch auf Uromas Geburtstag gelacht werden.

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