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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 00:51 Uhr

Kirche : Gebäude verschlingen Unsummen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Demografischer Wandel sorgt für Mitgliederschwund in den Dithmarscher Kirchengemeinden.

Der Kirchenkreis Dithmarschen stellt sich seinen Problemen und rüstet sich für die Zukunft. Und die ist mit Veränderungen behaftet. Allem voran der demografische Wandel, der nicht nur für weniger Mitglieder in den 29 Kirchengemeinden sorgt, sondern auch die Angebote maßgeblich beeinflusst. „Wir werden weniger, wir werden älter und kleine Dörfer schrumpfen überdurchschnittlich schnell“, betonte Propst Andreas Crystall bei der Zukunftskonferenz des Kirchenkreises. Der demografische Wandel habe die Kirche längst erreicht. Crystall: „Wir können ihn nicht aufhalten – wir müssen damit umgehen und uns auf die Veränderungen in den Städten und Dörfern einstellen.“

Ausgetretene Mitglieder seien derzeit nicht für die Kirche zurückzugewinnen, so der Propst. Bis 1,5 Prozent kehren jährlich der christlichen Gemeinschaft den Rücken, 1200 Gemeindeglieder sind dies insgesamt. Das sind zwar weniger als im Landesdurchschnitt. Aber: „Das tut uns sehr weh“, so Crystall. Viele Menschen würden Religion nicht mehr als Teil ihres Lebens begreifen. Als „religiöse Indifferenz“ bezeichnet der Propst dies. Er ist jedoch davon überzeugt, dass es in Zukunft nicht ohne „solidarische Vernetzung“ gehen könne und werde. Grund zum Klagen hat er aber nicht. Mit einer Mitgliedschaft von 63 Prozent ist Dithmarschen der zweitbeste Kirchenkreis in der Nordkirche, wozu Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern gehören. „Wir haben zum Teil noch sehr intakte Kirchenverhältnisse.“

Mit 1270 Angestellten in Dithmarschen ist die evangelische Kirche einer der größten Arbeitgeber in der Region und aus Sicht des Propstes für die Zukunft gut aufgestellt. So haben sich zum Beispiel Kirchengemeinden zusammengeschlossen, um einen Jugend-Diakon einzustellen. Früher gab es in jeder Gemeinde einen. Aufgrund schwindender Finanzmittel geht das längst nicht mehr. Auch bei den Kitas ist die Kirche gut aufgestellt. Von den 39 evangelischen Kindertagesstätten im Kreis sind 29 im Kindertagesstättenwerk. Die Kirchengemeinden sind damit von den Verwaltungsaufgaben entlastet und die Pastoren haben neue Kapazitäten für ihre eigentlichen Aufgaben. Crystall: „Hier haben wir uns erheblich professionalisiert.“

Für den Nachwuchs nimmt der Kirchenkreis viel Geld in die Hand. Allein 407  000 Euro segnete die Synode für das Kinder- und Jugendwerk, für Jugend-Diakone, Gemeindepädagogen und Fortbildungen für das kommende Jahr ab. 200  000 Euro Direkt-Zuschuss an die Kommunen für evangelische Kindertagesstätten und weitere 200  000 Euro indirekte Bezuschussung der Kindertagesstättenarbeit wie für die Leitung des Kita-Werks, der Kita-Fachberatung und des Qualitätsmanagements. Weitere 15  000 Euro fließen in die Beratungsstelle „Kind im Mittelpunkt“ der Familienberatungsstelle in Kooperation mit dem Kreis Dithmarschen, 171  000 Euro in die Sozialberatung und 81  000 Euro für Suchtberatung. Aus Sicht von Crystall gut angelegtes Geld. „Die Kinder- und Jugendarbeit ist eine Erfolgsgeschichte.“

Kopfzerbrechen bereitet dem Propst der Gebäudebestand. 270 Immobilien gehören der Kirche. Vor allem die historischen Gebäude zu unterhalten, wozu die Kirche verpflichtet ist, verschlingt Unsummen und ist kaum noch zu stemmen „Das macht uns erhebliche Sorgen“, so der Propst. Hinzu kommen viele Gebäude aus den 60er und 70er Jahren. „Wir müssen Gebäude reduzieren, zu einer kreativer Nutzung und Kooperationen mit Gemeinden kommen, die im gleichen Boot sitzen“, gibt der Propst die Zielrichtung vor.

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