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Norddeutsche Rundschau

15. Dezember 2017 | 06:16 Uhr

Kriminalität : Gauner haben Senioren im Blick

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Delikte gegen ältere Menschen steigen. Schäden manchmal 100 000 Euro hoch. Itzehoer Staatsanwaltschaft richtet jetzt Dezernat ein.

shz.de von
erstellt am 26.Sep.2014 | 12:24 Uhr

Enkeltrick, Schockanrufe, falsche Gewinnversprechen, betrügerische Handwerker. Verschiedene Erscheinungsformen, aber nur ein Ziel: Die Täter wollen an das Geld der Opfer, dafür suchen sie sich oft ältere Menschen aus. Nun hat die Staatsanwaltschaft in Itzehoe, zuständig für den Landgerichtsbezirk von Dithmarschen bis Pinneberg, ein eigenes Dezernat für Seniorenschutzsachen eingerichtet.

„Das stellt letztlich eine Reaktion auf den demografischen Wandel dar“, sagt Peter Müller-Rakow, Abteilungsleiter und Sprecher der Staatsanwaltschaft. Denn besagten Wandel nutzten auch die Kriminellen, die Zahl der Delikte gegen ältere Menschen steige. Diese hätten eine „gewisse Schutzbedürftigkeit“ – so sei eine Straftat in der eigenen Wohnung schon für Jüngere schlimm, für Ältere aber möglicherweise traumatisch.
Als „fließende Altersgrenze“ gelten 70 Jahre, aber: „Nur, weil jemand alt ist, fällt er nicht automatisch in dieses Dezernat“, sagt Staatsanwältin Sarah Führer, die es gemeinsam mit Oberamtsanwältin Sabine Guninski betreut. Entscheidend sei, dass altersbedingte Hilflosigkeit ausgenutzt wurde. Bearbeitet wird alles außer Kapitaldelikten: „Wir haben es mit ganz normalen Fällen zu tun“, so Sarah Führer. So wie Raub, Diebstahl und immer wieder Betrug.

Beispiel Enkeltrick: Der Anrufer gibt sich als Enkel aus, er brauche Geld, das bald ein Bekannter abhole. Oder die Variante Schockanruf, die gerade sehr aktuell sei: Ein Verwandter sei in Not. Dann die Handwerker, die an der Haustür klingeln, Arbeiten anbieten, diese schlecht zu überhöhtem Preis erledigen oder Bewohner ablenken, während Komplizen Wertgegenstände stehlen. Oder die Gewinnversprechen, bei denen angeblich aber vor der Auszahlung erst eine Geldsumme fließen muss.

„Teils kommt es zu erheblichen Schäden, die sich sich im Bereich von 100 000 Euro bewegen können“, sagt Sarah Führer. Gerade Ältere hätten oft viel Bargeld zu Hause, dann fehle aber plötzlich Geld für das Alter, ergänzt Müller-Rakow. Es sei wichtig, dass jeder in seinem Umfeld die Augen offen halte.
Oft seien organisierte Strukturen am Werk, das bedürfe verschärfter Ermittlung, sagt die Staatsanwältin.

Das Dezernat soll das Sicherheitsgefühl steigern, aber auch Hemmungen abbauen, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Nicht selten unterbleibe das aus Scham, weiß Sabine Guninski. Manche Tat werde nur wegen aufmerksamer Bankangestellter entdeckt. Doch die Betroffenen seien nicht allein, es sei beinahe schon ein Alltagsproblem, betont Sarah Führer. Scheu sei deshalb fehl am Platz, eine Anzeige könne sogar ein Beitrag sein, dass irgendwann ein international operierender Ring auffliege.

Die Bündelung der Zuständigkeit bei der Staatsanwaltschaft wird begleitet von engerer Kooperation mit der Polizei. So seien auch neue kriminelle Erscheinungen schneller erkennbar, so dass mit Prävention reagiert werden könne, sagt Müller-Rakow. Zudem bestehe die Möglichkeit, für die Betroffenen noch schneller Hilfe zum Beispiel durch den Weissen Ring auf den Weg zu bringen. „Das Opfer leidet von der Tat an.“ Und dabei sei es womöglich ganz allein.

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