Explosion in Itzehoe : Gasleitung in der Schützenstraße ohne Defekt

Die Geschäftsführer der Stadtwerke Itzehoe, Manfred Tenfelde (l.) und Karl-Heinz Jacobs, am Unglücksort in der Schützenstraße.
Die Geschäftsführer der Stadtwerke Itzehoe, Manfred Tenfelde (l.) und Karl-Heinz Jacobs, am Unglücksort in der Schützenstraße.

Die Stadtwerke Itzehoe haben kein Leck in der Gasleitung der Schützenstraße finden können. Die verheerende Explosion muss sich somit im Haus ereignet haben. Polizisten graben sich den Weg in den Keller des Trümmer-Hauses.

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12. März 2014, 12:07 Uhr

Itzehoe | Auf der Suche nach der Ursache für die dramatische Explosion in Itzehoe sind die Ermittler ein Stück vorangekommen. „Wenn es zu einer Gasexplosion gekommen sein sollte, müsste sie im Haus ausgelöst worden sein“, sagt ein Polizeisprecher. Denn die Gasleitung in der Straße einschließlich aller Hausanschlüsse – auch des am Montag völlig zerstörten Mehrfamilienhauses Nummer drei – sei ohne Defekt, erklärte Manfred Tenfelde von der Geschäftsführung der Stadtwerke Itzehoe. Das habe eine Druckprobe am Mittwoch ergeben. Somit steht nun die zentrale Gasheizung des Mehrfamilienhauses im Fokus der Ermittler. „Wir suchen in den Trümmern nach bestimmten Teilen der Heizung und erhoffen uns Aufschluss auf die Unfallursache.“

Zunächst galt eine Gasexplosion als Ursache für den Einsturz des Hauses. Die Polizei wollte das jedoch zwei Stunden nach der gewaltigen Detonation nicht mehr bestätigen. Experten des Landeskriminalamtes (LKA) sollen die Ursache für die Katastrophe herausfinden.

Bei der verheerenden Explosion am Montag waren vier Menschen getötet und 15 teils schwer verletzt worden. Sechs Häuser in der Umgebung sind unbewohnbar. Die Backsteinbauten sind etwa 100 Jahre alt.

Mit Hilfe des Technischen Hilfswerks (THW) und von Feuerwehrleuten haben Ermittler seit Dienstag Stein für Stein, Balken für Balken und etliche Überreste von Einrichtungsgegenständen aus dem Weg geräumt und begutachtet. Sie bahnen sich den Weg in den Keller, der am Mittwochvormittag bereits zur Hälfte geräumt war. Die Anschlüsse im Keller des Hauses seien inzwischen freigelegt, sagt der Polizeisprecher. Stadtwerke-Chef Tenfelde betont, die Stadtwerke hätten über den Zustand von Gasgeräten oder des Kessels in dem Haus keine Informationen. „Wir wissen von keinen Schäden oder Problemen.“ Dies sei Angelegenheit des Hauseigentümers. „Der Gaszähler wurde 2011 gewechselt, aber das ist Routine“, sagt Tenfelde. Im Keller hoffen die LKA-Experten auf Spuren, die technische Rückschlüsse erlaubten.

Vor dem Haus hatte es vor der Explosion Kanalisationsarbeiten gegeben. Deshalb stand die Frage im Raum, ob dabei möglicherweise die zum Haus führende Gasleitung beschädigt worden sein könnte. Die Druckprobe zeigte: Die Leitung im Straßenbereich ist intakt. Ob durch die Baggerarbeiten die Leitung bewegt wurde und daraus ein Schaden im Haus entstand, ist noch offen. Bei dem tragischen Unglück wurden ein Bauarbeiter und drei Hausbewohner getötet.

Was hat das Haus zum Einsturz gebracht und weitere umstehende Gebäude schwer beschädigt? Anwohner hatten Gasgeruch wahrgenommen. In den Straßen rund um die Unglücksstelle war das Gas nach der Explosion sicherheitshalber abgestellt worden. Seit Mittwoch strömt es wieder durch die Leitung, allerdings nicht in der Schützenstraße selbst. Dort soll eine neue Leitung verlegt werden, voraussichtlich in der kommenden Woche nach Abschluss der Arbeiten am Regenwasserkanal.

Dass ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg hochgegangen sein könnte, schließt die Polizei – nach den bisherigen Erkenntnissen – aus. Auch die theoretische Möglichkeit, dass hochbrisante Chemikalien gelagert worden seien, sei nicht mehr als eine so gut wie auszuschließende Spekulation.

Von ursprünglich etwa 100 betroffenen Anwohnern müsse noch etwa die Hälfte bis auf weiteres in Hotels oder bei Verwandten und Freunden schlafen, sagt Bürgermeister Andreas Koeppen (SPD). „Sechs Häuser sind bis auf weiteres unbewohnbar“, sagt der Prüfingenieur für Baustatik, Rafikh Ben-Hassen. Einige von der Explosionsstelle weiter entfernte Häuser sind inzwischen nicht mehr gesperrt.

Auch wenn die akute Standsicherheit gegeben sei, könnten Menschen in den beschädigten Häusern nicht wohnen. „Scheiben sind zersplittert, Dachziegel können runterkommen, ein Kühlschrank ist durch die Druckwelle aus der Küche rausgeflogen – da können Sie keinen Menschen reinlassen“, erklärt Rafikh Ben-Hassen. Die mehrgeschossigen Backsteinhäuser stammen seinen Angaben zufolge aus den 1920er Jahren.

Die Polizei hat für Fragen zur Explosion ein Bürgertelefon eingerichtet: 04821/602-1903, -1904 oder -1908.

Innenminister Andreas Breitner (SPD hat indes Trauerbeflaggung im Norden angeordnet. Im Gedenken an die Opfer des Explosionsunglücks werden am Donnerstag die Fahnen der Dienstgebäude der obersten Landesbehörden einschließlich ihrer Landesdienststellen in Itzehoe auf Halbmast wehen. Am Abend findet ein ökumenischer Gedenkgottesdienst in der Stadtkirche St. Laurentii statt.

(mit dpa)

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