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Schützenstraße in Itzehoe : Gasexplosion mit vier Toten: Baggerfahrer angeklagt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Auch ein Vorarbeiter muss sich wegen des Unglücks in der Schützenstraße in Itzehoe vor Gericht verantworten. Die Ermittlungen gegen Stadtmitarbeiter wurden eingestellt.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2015 | 12:54 Uhr

Itzehoe | Es war ein Unglück, das sich in das kollektive Gedächtnis der Itzehoer eingebrannt hat: Die Gasexplosion in der Schützenstraße, bei der im März 2014 vier Menschen ums Leben kamen. Nach eineinhalb Jahren Arbeit hat die Staatsanwaltschaft Itzehoe die Ermittlungen abgeschlossen. „Es wird ein Verfahren gegen den Baggerfahrer und den Vorarbeiter eröffnet – wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion verantworten“, sagt Uwe Dreeßen.

„Es kann gut sein, dass der Prozess noch in diesem Jahr beginnt“, so der Oberstaatsanwalt – auch wenn vor Eintritt in die Hauptverhandlung schon Beweisanträge gestellt werden sollten. „Das Verfahren ist ja ziemlich komplex.“ Wann aber mit einem Urteil zu rechnen ist, sei noch völlig unklar.

Der Baggerfahrer und sein Kollege, die beide bei dem Unglück verletzt wurden, hätten „die Gasleitung sichtbar freigelegt“, sagt Dreeßen. „Weil die Leitung nicht in den Plänen verzeichnet war, hätten sie per Hand weiterschachten müssen – auf jeden Fall nicht weiter mit dem Bagger arbeiten.“ Dazu hätten sie die Stadtwerke informieren müssen, die die Pläne übergeben hatten, in denen die Leitung nicht verzeichnet war.

Die Staatsanwaltschaft hat auch gegen zwei Mitarbeiter der Stadt ermittelt, die mittlerweile allerdings in Rente sind. Sie sollen für die Übertragung der Pläne ins elektronische System verantwortlich gewesen sein. „Die Ermittlungen sind allerdings eingestellt worden, weil nicht zweifelsfrei festgestellt wurde, wann und durch wen die Leitung bei der Übertragung vergessen wurde“, sagt Dreeßen. „Da hat es mehrere Änderungen gegeben.“

Es sei dennoch möglich, dass die Stadtwerke mit zivilrechtlichen Verfahren rechnen müssten, so sich herausstelle, dass „auf jeden Fall irgendwer bei der Stadt damals das Eintragen der Leitung vergessen hat“. Welche Konsequenzen das haben könnte, dazu will sich Dreeßen allerdings nicht äußern. „Das müsste dann am Ende ein Zivilrichter entscheiden.“

Strafrechtlich könnten also nur die beiden Arbeiter belangt werden. „Dabei gehen wir immer von dem Delikt aus, das das höchste Strafmaß bietet“, sagt Dreeßen. Auf fahrlässige Tötung steht eine Höchststrafe von fünf Jahren. „Da die Verhandlung vor dem Amtsgericht stattfindet, ist aber davon auszugehen, dass nicht mit einer Strafe von mehr als zwei Jahren gerechnet wird – sonst wäre die Tat vor dem Schöffengericht angeklagt worden.“

Das Unglück in der Schützenstraße hatte drei Hausbewohner und einen Bauarbeiter das Leben gekostet sowie 15 Menschen teils schwer verletzt. In der Straße liefen Arbeiten an der Kanalisation, als die Gasleitung getroffen wurde, und die Explosion das Haus Nummer 3 zum Einsturz brachte. „Eine Verkettung unglücklicher Umstände“ habe zum Unglück geführt, hatte die Kriminalpolizei damals ermittelt.

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