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Wirtschaft : Gänsezucht nach bäuerlichem Muster

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Qualität statt industrialisierter Billigproduktion – seit Jahrzehnten das Erfolgsrezept des Familienbetriebs Eskildsen in Gudendorf.

Ehrliche Gänsezucht mit dem Ziel, sich deutlich von industrieller Mast abzugrenzen und dem Verbraucher zu sagen, woher das Tier kommt – in Gudendorf geht dieses Konzept seit Jahren auf. Die „Dithmarscher Gans“ als Marke hat sich längst etabliert. Das Unternehmen Dithmarscher Geflügel Produktions-, Handels- und Beratungsgesellschaft wird in vierter Generation als Familienbetrieb geführt, der sich auf dem europäischen Markt einen Platz erobert hat. Damit hat sich die Firma, die ihren Ursprung auf einem Bauernhof in Eddelak hatte, für die „Hidden Champions“, die versteckten Champions, qualifiziert, die von der Egeb:Wirtschaftsförderung regelmäßig einem interessierten Publikum präsentiert werden.

Seit 1960 züchten die Eskildsens Gänse nach den Grundsätzen bäuerlicher Freilandhaltung. Viel Bewegung auf den Wiesen, frische Gräser und Kräuter sowie bei Bedarf die Zufütterung von mindestens 75 Prozent Getreide – so wächst das Federvieh in Gudendorf auf. Vor allem bleibt den Gänsen die Qual der Stopfmast erspart. Auch Schlachten und Rupfen orientieren sich an traditionellen bäuerlichen Verfahren. Dadurch, sagt Firmeninhaber Lorenz Eskildsen, bleibe der Geschmack reiner und werde nicht verwässert wie bei der Nassschlachtung.

„Wir legen großen Wert auf artgerechte Tierhaltung“, betont Eskildsen, dessen Federvieh vier Wochen nach dem Schlüpfen auf die Weide darf. Ihn ärgert, dass es im Handel keinerlei Verpflichtung gibt, auf Etiketten von Tiefkühlgänsen über deren Aufzuchtverfahren zu informieren. „Das ist eine Form von Wettbewerbsverzerrung“, sagt er. Dithmarscher Gänse aus seinem Betrieb werden nach dem manuellen Verpacken mit individuellen Zertifikaten versehen.

Qualität auf dem geradezu gigantischen Markt habe ihren Preis. Gänse aus Polen und Ungarn – beide Länder dominieren den Markt – seien schon deshalb günstig, weil sie alle sechs Wochen gerupft werden. Ein Zuverdienst für den Bauern, dem letztlich egal sein könne, für wie wenig Geld das Produkt Gans am Ende verkauft wird. Beim Discounter gibt es die Gänse aus Gudendorf daher auch nicht. Stattdessen etwa bei Edeka, Coop und Rewe. Eskildsen: „Wir wollen nicht Aldi oder Lidl bedienen, sondern den Kunden.“

Um den eigenen Qualitätsstandard zu halten, hat sich Eskildsen eine Obergrenze gesetzt: 200 000 Gänseküken werden jährlich in Gudendorf ausgebrütet – die Hälfte der in Deutschland aufgezogenen Gänse. Mehr werden es aber nicht, betonte der Firmeninhaber gestern vor rund 30 interessierten Besuchern. Denn die Zielvorgabe laute nicht, massenhaft Gänse zu produzieren, sondern „die perfekte Gans für den anspruchsvollen Genießer“. In Gudendorf selbst verbleiben rund 5000 Mastgänse, nach der Wende übernahmen Eskildsen große Betriebe in Sachsen, weil es in der Dithmarscher Gemeinde nicht genug Platz gab. Geschlachtet wird in Neuseddin nahe Berlin. Zur Langzeitplanung gehört der Bau eines Schlachthauses in Gudendorf. Dort sind zurzeit 15 Mitarbeiter beschäftigt, im gesamten Unternehmen arbeiten 120 Mitarbeiter.

Am Stammsitz in Dithmarschen hat vor fast genau drei Jahren ein neues Konzept Fuß gefasst: der Hofladen. Zum für 500 000 Euro in einer 750 Quadratmeter großen Halle eingerichteten „Dithmarscher Gänsemarkt“ gehören ein Restaurant sowie ein Laden mit Dekoartikeln und Gänseprodukten. Zum Beispiel mit Dithmarscher Gänsedaunen befüllte Betten. Hier sieht Lorenz Eskildsen die nächste Gelegenheit, einen eigenen Markt zu schaffen. Weltweit dominieren Gänsedaunen aus Asien den Markt – zu 95 Prozent. Eskildsen will über den DNA-Nachweis die Dithmarscher Daune zum hochwertigen Qualitätsprodukt mit Herkunftszertifikat machen. „Wachstum durch Erhöhung der Wertschöpfung“, sagt er über diesen Kurs. Dann braucht es auch keine stetig wachsende Massentierhaltung, die ohnehin nicht ins Konzept des Familienunternehmens passen würde.

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erstellt am 05.Nov.2014 | 17:00 Uhr

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