Jahrmarkt : Gänsehaut im Haus des Schreckens

Mit einem guten Gefühl  gehen Patrick Plaenert und Stephanie Schieck mit ihrem Horrorhaus an den Start zum Wilster-Jahrmarkt.
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Mit einem guten Gefühl gehen Patrick Plaenert und Stephanie Schieck mit ihrem Horrorhaus an den Start zum Wilster-Jahrmarkt.

Schausteller aus Thüringen sind mit ihrem Geisterhaus das erste Mal beim Jahrmarkt in Wilster dabei

shz.de von
12. Juli 2015, 15:01 Uhr

Beide stammen aus traditionellen Schaustellerfamilien. In der fünften Generationen sind sie ihrer Branche treu geblieben. Sie lernten sich auf dem Rummelplatz kennen und beide haben zwei Söhnen im Alter von acht Jahren und einem Jahr. Jetzt sind sie zum ersten Mal mit ihrem Schaustellerbetrieb auf dem Wilster-Jahrmarkt zu Gast.

Mit ihrem Horrorhaus wollen Patrick Plaenert und Stephanie Schieck, die die weiteste Anreise aus ihrer thüringischen Heimat hinter sich haben, dem Publikum in Wilster ein ganz besonderes Jahrmarktsvergnügen bieten. „Nachmittags ist unser Programm familienfreundlich und auch bei Kindern beliebt, abends wird es gruseliger und manchmal wird auch jemand von der Kettensäge gejagt“, beschreibt Stephanie Schieck das Schreckensgeschehen. Das Horrorhaus ist keine Geisterbahn im herkömmlichen Sinne, sondern muss vom Publikum durch ein gruseliges Labyrinth zu Fuß über zwei Etagen durchlaufen werden. Neben der schrecklichen Ausgestaltung des Parcours sorgen zwei Mitarbeiter als besondere Schreckgespenster für Gänsehaut.

Patrick Plaenert (26) und Stephanie Schieck (29) haben sich vor fünf Jahren mit dem Geisterhaus selbstständig gemacht. Sie waren bisher vorwiegend in den neuen Bundesländern unterwegs und in diesem Jahr die ersten Schausteller, die zum Wilster-Jahrmarkt 2015 anreisten. Wilster wird für sie ganz besonders in Erinnerung bleiben: Am Tag vor dem Jahrmarkt-Einläuten wird Stephanie Schieck in der Marschenstadt ihren 30. Geburtstag feiern.

Von März bis Ende Oktober sind sie mit ihrem Betrieb auf der Rundreise über die Jahrmärkte in Ost- und Norddeutschland. Von November bis Februar legen sie ihre Winterpause in ihrem Häuschen in der 600-Seelen-Gemeinde Weberstedt im Unstrut-Hainich-Kreis unweit von Erfurt ein. Lediglich der Weihnachtsmarkt in Erfurt ist dann für sie ein fester Termin.

„Meine Eltern sind noch immer mit ihrem 38 Meter hohen Riesenrad unterwegs und zurzeit auf dem Jahrmarkt in Fritzlar“, erzählt die junge Frau. „Mein Ururopa hat mit einem Pferdekarussell angefangen.“ Der Ururgroßvater von Patrick Plaenert war als erster mit einer Boxbude unterwegs. „Meine Oma stammt aus Kiel“, schildert der gebürtige Rostocker seine Liebe zum Norden. Sein Vater ist als Schausteller mit einem Ausschank- und Imbissbetrieb unterwegs und macht zurzeit in Saßnitz auf Rügen Station.

Acht Monate lang fühlt sich die Familie in ihrem geräumigen Wohnwagen – ihrem rollenden Heim – ganz zu Hause. Während der achtjährige Hugo sein Kinderzimmer in einem zweiten Containerwagen bezogen hat, schläft der einjährige Edgar noch im Wohnwagen der Eltern. Hugo besucht in diesen Tagen die Grundschule in Wilster und muss seinen neuen Klassenkameraden aus dem 2. Schuljahr aus dem Schaustellerleben erzählen. „Das ist immer wieder spannend“, weiß Patrick Plaenert aus eigener Erfahrung. Mutter Stephanie berichtet, dass es in den meisten Bundesländer einen gesonderten Schulwagen gibt, der die größeren Jahrmärkte besucht und in dem die Kinder der Schaustellerfamilien unterrichtet werden. Aus Schleswig-Holstein sei ihr ein solcher Service allerdings nicht bekannt.

Was verspricht sich das junge Schaustellerpaar von dem größten Jahrmarkt der Westküste? „Ich gehe immer mit einem guten Gefühl an ein Fest heran“, sagt Patrick Plaenert „Unseren Strich machen wir immer am Ende der Veranstaltung.“ Optimistisch stimmt ihn immer, wenn beim Aufbau seines Betriebes möglichst viele Besucher zuschauen. „Das weckt das Interesse, unser Geisterhaus zu durchlaufen.“

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