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Norddeutsche Rundschau

23. November 2017 | 06:11 Uhr

Gänsehaut beim Schattentheater

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Abschluss-Show der Jugendkulturwoche im theater itzehoe begeistert das Publikum

Traum oder Wirklichkeit? Als Frieda nach einem Flugzeugabsturz im Krankenhaus aufwacht, fragt sie sich, ob sich die vorigen Erlebnisse im Wald nur in ihrer Fantasie abspielten. Da merkt sie, dass sie die funkelnde Krone, die ihr eine Elfe überreichte, noch auf dem Kopf trägt… Alle vier Stücke, die während der Jugendkulturwoche entstanden sind, loten diese Grauzone zwischen dem Bewussten und Unbewussten aus.

Eine Woche lang haben sich 17 Jugendliche aus dem Kreis Steinburg mit Puppenspielerin Dörte Kiehn und Theaterpädagogin Britta Schramm täglich im theater itzehoe getroffen und die Möglichkeiten von „Lampen, Laken, Licht und Schatten“ – so das diesjährige Motto – ausgelotet. Vor dem Entwickeln einer eigenen Geschichte und Dramaturgie ging es um den Umgang mit verschiedenen Lichtquellen und den Effekten, die sie auf dem großen weißen Tuch auslösen, hinter dem die Schauspieler agieren. Die Zuschauer nehmen sie nur als Schatten wahr, je nach Nähe zur Lichtquelle eher klar umrissen oder unscharf. „Das haben wir durch Rotieren vor und hinter die Leinwand ausgetestet“, erläuterte Dörte Kiehn.

Sie ließ ihren Mitstreitern bei den Stoffen und Themen und auch bei den Mitteln, mit denen sie sie umsetzten, die eigene Wahl, zeigte ihnen nur die Möglichkeiten. So stellte die Theatertechnik auch Musikuntermalungen oder „Krimi-Melodien“ zur Verfügung. Andere Geräuscheffekte, wie den großen Knall beim Flugzeugabsturz oder das Geräte-Piepsen auf der Intensivstation imitierten die Schauspieler selbst. „Dieses freie Arbeiten“ habe ihnen besonders gefallen, bewerteten Jana Ricke Schulze (13) und Godje Roß (13) ihre neuen Erfahrungen mit dem Theater. Bis auf eine kurze Szene mit zwei kleinen bildschirmartigen Bühnen, die ein Telefongespräch vermittelten, konzentrierten sich alle Gruppen auf die große Leinwand, hinter der sie selbst in Lebensgröße mit allerlei fantasievollen selbst gefertigten Requisiten und Pappschablonen agierten. Beim zweiten Stück des Abends, „Wahre Liebe“, kam sogar ein großes Messer zum Einsatz, das das Verbrechen bewusst macht. „Der Traum“ rief einen Gecko mit eckigem Pappschwanz und Maske auf den Plan.

Das Schattentheater stand erstmals auf dem Programm der Jugendkulturwoche, die die Teilnehmer jährlich mit neuen Techniken oder Spielarten vertraut macht und nun zum zweiten Mal in den Osterferien stattfand. Es gibt einige Fans, die sich jedes Jahr wieder anmelden, und einige bleiben dem Theater auch nach der Ferienveranstaltung treu und engagieren sich in einer der Jugendtheatergruppen, die die Theaterpädagogik anbietet. Somit ist die Jugendkulturwoche mittlerweile ein bewährtes Instrument, um den Zuschauernachwuchs und viele Familien mit dem Theater vertraut zu machen, freute sich Theaterdirektorin Ulrike Schanko im Gespräch mit Dörte Kiehn nach der Vorstellung über die seit Jahren erfolgreiche Arbeit, die Itzehoe im Norden als einziges Gastspieltheater anbietet.

„So optimale Bedingungen wie hier habe ich bei meinen Workshops noch nie vorgefunden“, bedankte sich Dörte Kiehn bei den Eltern im Publikum wie bei den Veranstaltern. Das Theater biete eine Struktur, die den „Teppich für gute Arbeit“ bereite.

Diese bewies auch das Stück „Déja vu“. Es beschäftigte sich mit dem Tod und Koma-Erlebnissen, die mittels tastender Hände und eindrucksvoller Farbeffekte dargestellt wurden. „Ich hatte Gänsehaut“, „Es war beeindruckend,“ lobten die Zuschauer die Leistung der 17 Akteure.


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