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Norddeutsche Rundschau

19. November 2017 | 19:12 Uhr

Vor dem Gipfel : G20: Klinikum ist vorbereitet

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mehr Personal im Itzehoer Krankenhaus während des Gipfels – Kraftakt auch für Polizei.

von
erstellt am 05.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Alle hoffen, dass nichts Schlimmeres passiert beim G20-Gipfel in Hamburg. Die Realität sieht wohl leider anders aus – erst gestern schätzte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) das gewalttätige Potenzial am Rande des Treffens auf etwa 8000 Personen. Die Sorge vor möglichen schweren Auseinandersetzungen strahlt aus bis nach Itzehoe: „Das medizinische System ist auf einen möglichen Großschadensfall vorbereitet“, sagt der Ärztliche Direktor im Klinikum Itzehoe, Dr. Michael Kappus.

Das sagt er nicht nur als medizinischer Leiter des Krankenhauses, sondern auch als Sprecher des Trauma-Netzwerkes in Schleswig-Holstein für die Versorgung Schwerverletzter, dem 14 Kliniken angehören. Diese seien vom Hamburger Trauma-Netzwerk, das mit fünf Kliniken beteiligt sei, gebeten worden, sich auf eine mögliche höhere Anzahl von Verletzten vorzubereiten, so Kappus. Alle seien informiert, jede Klinik habe Vorsorge getroffen, indem das Personal im ärztlichen wie auch im pflegerischen Bereich aufgestockt worden sei. Dabei gebe es keine verpflichtenden Vorgaben, jeder stelle sich individuell auf die Aufgabe ein.

So auch im Itzehoer Klinikum – und wegen der Lage in der Nähe Hamburgs sei davon auszugehen, dass hier vermehrt Patienten zu behandeln seien, wenn etwas passiere, sagt Kappus. In den Abteilungen für Innere Medizin, Allgemein- und Unfallchirurgie sowie Anästhesie ist von morgen bis Sonntag pro Schicht ein Arzt zusätzlich im Dienst, teils im Krankenhaus, teils auf Abruf. Auch im Pflegebereich ist mehr Personal im Einsatz. Die Mitarbeiter sollen sich über die Medien informiert halten, was rund um den Gipfel in Hamburg geschieht. Und wenn etwas passiere, seien sie gebeten, ins Klinikum zu kommen, so Kappus.

Die Basis ist ein Plan für Katastrophen-Fälle, der nicht neu ist – die Vorbereitung sei mit der beim Wacken Open Air vergleichbar, sagt der Ärztliche Direktor. Das diene auch dem Training der Mitarbeiter des Klinikums, eines zertifizierten Traumazentrums. „Bei der kritischen Lage, die wir allgemein haben, muss ein großes Krankenhaus auf mögliche Schadensereignisse vorbereitet sein. Das dient dem Schutz der Gesamtbevölkerung.“ Wie wahrscheinlich es ist, dass eine hohe Zahl von Verletzten aus Hamburg in Itzehoe zu behandeln ist, mag Kappus mangels Hintergrundwissen nicht beurteilen. Aber die hohe Zahl an gewaltbereiten Demonstranten macht ihm durchaus Sorgen: „Das ist eine Gemengelage, die nicht ungefährlich ist.“

Knapp 100 Polizisten aus dem Bereich der Itzehoer Polizeidirektion, die Steinburg und Dithmarschen umfasst, werden damit direkt zu tun haben. Gestern seien fast 50 in den Einsatz verabschiedet worden, sagt Thomas Schettler, Leiter der Polizeidirektion. Ein Diensthund und Beamte der Kriminalpolizei sind bereits in Hamburg, weitere Kräfte der Kripo folgen noch. Es sei im Landesvergleich – Schleswig-Holstein unterstützt Hamburg mit 1500 Polizisten – keine außergewöhnliche Belastung, so Schettler. „Aber es ist ein Kraftakt.“

Und zwar auch für die Kollegen, die nicht in Hamburg eingesetzt sind. Natürlich werde weiter für Recht und Ordnung gesorgt, teils aber ab heute nicht mehr in Acht-, sondern in Zwölf-Stunden-Schichten. Manche machen Einsatz- statt Innendienst. Sonntagabend sind die nach Hamburg abgestellten Kräfte „hoffentlich alle heil wieder da“, so Schettler. Anschließend hätten sie zwei Tage frei, um dann auf den Dienststellen wieder sehnlichst erwartet zu werden. Denn mit Wacken Open Air und weiteren Veranstaltungen warten reichlich Aufgaben.

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