Landwirtschaft : Fußpflege für jährlich 25 000 Kühe

Landesweit im Einsatz: die Klauenpfleger aus Hackeboe Elke und Reinhard Rönne und ihre Mitarbeiter André Jeß, Hans Hollm und Hinnerk Ruge (v.l.) mit ihrem mobilen Klauenpflegestand.
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Landesweit im Einsatz: die Klauenpfleger aus Hackeboe Elke und Reinhard Rönne und ihre Mitarbeiter André Jeß, Hans Hollm und Hinnerk Ruge (v.l.) mit ihrem mobilen Klauenpflegestand.

Klauenspezialist aus Hackeboe bei Wilster feiert morgen 25-jähriges Betriebsjubiläum. Rönne-Team ist landesweit im Einsatz

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31. August 2017, 05:16 Uhr

Die Mitarbeiter sind herausgeputzt, der mobile Klauenpflegestand steht bereit, der Chef schält sich noch schnell aus den Arbeitsklamotten. Für das perfekte Juibiläumsbild fehlt nur noch eine Kuh. „Kein Problem“, erweist sich Reinhard Rönne als Mann der Tat. Der 54-Jährige verschwindet kurz hinter seinem Hof in Hackeboe und holt ein Rind von der Weide. Das Tier lässt sich mit sanftem Druck auch schnell in den Klauenpflegestand bugsieren. Sekunden später liegt die Kuh in stabiler Seitenlage – bereit für die regelmäßige Fußpflege.

„Das ist wie mit den Fingernägeln. Wenn die schön gemacht sind, fühlt man sich auch gleich besser“, weiß Ehefrau Elke, warum die regelmäßige Klauenpflege bei den Tieren nicht nur aus eventuell medizinischen Gründen Sinn macht. Die Tiere fühlten sich anschließend eben gleich viel besser. Das freut auch den Bauern. Kühe, denen regelmäßig eine Wellness-Behandlung zu Teil wird, geben auch mehr Milch. So gesehen tragen Reinhard Rönne und seine Mitarbeiter Hans Hollm, André Jeß und Hinnerk Ruge einiges zur schleswig-holsteinischen Milchproduktion bei. Gut 25  000 Tiere haben sie auf ihren landesweiten Touren mindestens einmal im Jahr unterm Messer beziehungsweise der Flex. In Spitzenjahren können es auch schon mal 30  000 Rinder werden.

Reinhard Rönne hat das Handwerk von der Pike auf gelernt. Der gelernte Landmaschinenschlosser hatte zunächst drei Jahre lang seinem Vater über die Schulter geschaut, der mehr als ein Jahrzehnt lang als Klauenpfleger im Einsatz war. 1992 trat der 54-Jährige in die Fußstapfen seines Vaters. 2015 expandierte er und übernahm auch den kleinen Klauenpflegebetrieb von seinem Bruder Wolfgang samt Mitarbeiter. Zum eingespielten Team gehört noch Ehefrau Elke (53), die sich um Termine und Buchführung kümmert.

„Man muss ein Faible für Tiere haben“, bringt Reinhard Rönne die Grundbedingungen für ein eher seltenes Handwerk auf einen schlichten Nenner. Nützlich sind für ihn aber auch die Kenntnisse aus der Lehre als Landmaschinenschlosser. Seine drei mobilen Pflegestände, mit denen das Team täglich in ganz Schleswig-Holstein unterwegs ist, hat er im Eigenbau optimiert und ausgebaut. So kann er auf jedem Hof Tiere im Minutentakt abarbeiten. „Drei Minuten“, schätzt Rönne, wenn alles reibungslos läuft. So lange braucht er, um mit geübten Händen vier Klauen einer Kuh in Form zu bringen. Ein paar schnelle Schnitte mit dem Messer, dann kommt zum Abrunden die Flex zum Einsatz. Die Foto-Kuh nimmt das Prozedere denn auch ausgesprochen gelassen. Entspannt liegt sie im Pflegestand, um dann zufrieden wieder auf die Weide zu trotten.

„Es ist schon ein bisschen stressiger geworden“, bekennt Rönne auf die Frage, was sich in seinen 25 Berufsjahren verändert habe. Früher seien Betriebe mit 40 oder 50 Tieren schon groß gewesen. Heute gebe es Höfe mit 60 Rindern, die im Nebenerwerb betrieben werden. Dennoch mache ihm die Arbeit noch immer viel Spaß, auch weil man viel herumkomme. Und: Mit vielen Kunden hätten sich mit den Jahren schon richtige Freundschaften entwickelt.

Morgen müssen die Rinder allerdings für einen Tag auf eine Wellness-Behandlung verzichten. Rönne und sein Team wollen mit zahlreichen Gästen in Hackeboe erst einmal Jubiläum feiern.

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