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Norddeutsche Rundschau

18. November 2017 | 07:41 Uhr

Abenteuer : Fußmarsch mit Pferd und Hund

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach drei Jahren in Finnland kehrte Sarah Langmaack jetzt in die Heimat zurück. Die 2200 Kilometer lange Reise absolvierte die Wewelsfletherin gemeinsam mit Haflinger „Santano“ und Husky „Qaanaag“ zu Fuß.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 05:48 Uhr

Erst ging es nur um einen Urlaub, daraus wurde dann ein Praktikum und jetzt sind drei Jahre als Doghandlerin in finnisch Lappland um. Am Wochenende ist Sarah Langmaack nach knapp drei Jahren wieder in ihrer Heimatgemeinde Wewelsfleth eingetroffen – zu Fuß.

„Wir wollten eigentlich einen Familienurlaub in Finnland machen“, erzählt die Wewelsfletherin. Sie recherchierte im Internet und fand Berichte über das Leben auf einer Husky-Farm und wusste: „das ist genau mein Ding.“ Sie bewarb sich beim Äkäskero Nature Resort, zirka 20 Kilometer vor Äkäslompolo und 200 Kilometer nördlich vom Polarkreis gelegen, und bekam den Job. Im September 2014 war es dann soweit. Die Festanstellung als Schifffahrtskaufmann gekündigt, von Familie und Freunden verabschiedet, ging es mit ihrem Haflingerwallach „Santano“ 2200 Kilometer in eine ungewisse Zukunft. „Ich musste einfach etwas anderes machen und raus aus dem Trott“, sagt Sarah Langmaack im Nachhinein. Sie hat viel gesehen, vor allem aber Leute kennengelernt. Im Husky-Camp war sie für die alten und kranken Hunde und das Training mit den jungen Hunden zuständig.

Im Camp sind etwa 500 Hunde und einige Pferde, mit denen die Touristen Ausflüge und Mehrtagestouren unternehmen. Diese Pferde-Trails leitete Sarah und lernte so die Umgebung kennen. In finnisch Lappland ist jetzt gerade der erste Schnee gefallen und die Temperaturen können in den dunklen Polarnächten bis minus 40 Grad sinken. Andererseits sind die Sommer sehr warm und die Nächte sehr hell.

Nach knapp drei Jahren war es jetzt an der Zeit, wieder in die Wilstermarsch zurückzukehren. Schon vor einiger Zeit hatte sich die Idee festgesetzt, zu Fuß nach Hause zu gehen. Im letzten Urlaub beschaffte ihr der Sattler Claus Pohl einen Packsattel aus den USA, denn „Santano“ musste das Hauptgepäck tragen. „Das war eine Herausforderung für uns beide“, erzählt Sarah Langmaack. Das Gewicht der Packtaschen musste richtig ausbalanciert sein, damit das Pferd keinen Schaden nimmt. Sarah trug 15 Kilo Gepäck, „Santano“ 64 Kilo, darunter das Zelt und einen Wanderreit-Paddock mit Stromaggregat.

Im Juni begann „Hufmarsch - unser längster Heimweg“, den ein gleichnamiger Facebookeintrag begleitete. „Ich habe nicht viel geplant, sondern hatte beschlossen, den Moment zu leben und bin los, habe abends an Türen geklopft und um Wasser und einen Schlafplatz gefragt.“ In den Sommermonaten hat sie oft wild gecampt, das ist in Skandinavien erlaubt und die Seen und Flüsse hielten Wasser für die drei Reisenden bereit. Im Februar stieß Hund „Qaanaag“ zu Sarah und „Santano“. Das Trio fand immer Unterschlupf und Freunde, die halfen. „Die Skandinavier sind unheimlich gastfreundlich und boten auch ihre Hilfe an, als wir weiterzogen.“ Denn es lief nicht immer alles glatt. Ein anderes Pferd biss „Santano“ in den Rücken, so dass er den schweren Sattel nicht mehr tragen konnte, „Qaanaag“ litt unter einem Insektenstich und konnte nicht trinken und fressen und Sarah hatte kurzfristig Knieprobleme. „Da konnte ich dann einige Leute anrufen, die uns geholfen haben“, erzählt sie.

Sie hatte auf der Strecke immer Kontakt zu ihrer Familie und war überrascht, als kurz vor Wewelsfleth immer mehr Freunde auftauchten, die sie die letzten Kilometer begleiteten. Auch Bürgermeister Delf Bolten ließ es sich nicht zu nehmen, Sarah Langmaack am Ortsschild im Fielweg mit einem Sekt und Leckerlis für die Tiere zu empfangen. Jetzt will sie erstmal ankommen, ihr Leben neugestalten und sich orientieren. „Langsam nach Hause kommen und langsam neu beginnen.“

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