HILFE IN BRASILIEN : Fußball-WM: Das Abenteuer beginnt

Helferin im Land des Fußballs: Daniela Krieter arbeitet für die FIFA in Brasilien – einer ihrer Kollegen dort ist Maskottchen „Fuleco“.
Helferin im Land des Fußballs: Daniela Krieter arbeitet für die FIFA in Brasilien – einer ihrer Kollegen dort ist Maskottchen „Fuleco“.

Die Itzehoerin Daniela Krieter arbeitet während der Weltmeisterschaft im Ticket-Center der FIFA in Porto Alegre.

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12. Juni 2014, 05:00 Uhr

Das Reisen liegt ihr im Blut. Seit Daniela Krieter 2004 ihr Abitur an der Auguste-Viktoria-Schule gemacht hat, war sie viel auf Achse: Sie reiste ein Jahr lang durch Australien, machte ein Praktikum in Südafrika und legte während ihres Studiums International Tourism Management an der Fachhochschule Westküste ein Auslandssemester in Utrecht in den Niederlanden ein. Auch wenn sie nicht unterwegs war, drehte sich bei der gebürtigen Itzehoerin alles um die große, weite Welt: Sie machte eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau und arbeitete bei verschiedenen Reisebüros und Touristik-Organisationen.

Jetzt hat die 29-Jährige wieder das Fernweh gepackt. In Porto Alegre in Brasilien arbeitet sie als freiwillige Helferin (Volunteer) für die FIFA im Ticketing Center der Fußball-Weltmeisterschaft. Der Weg dorthin war lang. „Beworben habe ich mich Mitte 2012“, erzählt Daniela Krieter. Etwa ein Jahr später erhielt sie einen Termin für ein Interview via Internet-Telefonie. Das fand im November 2013 statt, im Januar 2014 musste Daniela Krieter einige Schulungen und einen Test absolvieren. Es hatten sich über 130 000 Interessierte als Volunteer beworben, etwa 14 000 wurden akzeptiert. Anfang April erhielt Daniela Krieter die Zusage und durfte zwischen einigen Städten wählen. „Ich habe mich für Porto Alegre entschieden, da hier gute Spiele stattfinden und vielleicht Deutschland am 30. Juni das Achtelfinale hier spielt.“

Nach drei weiteren Schulungen, unter anderem zur Umwelt und zu den Aufgaben im Ticket-Center, ging es dann endlich los. „Mein erster Arbeitstag war für den 19. Mai geplant, das hat sich mehrmals verschoben und letztendlich war am 4. Juni mein erster Tag“, erzählt die 29-Jährige. Die Zwischenzeit nutzte sie, um Land und Leute kennen zu lernen – gemeinsam mit anderen Volunteers, die sie über das Internet kennen gelernt hatte. Insgesamt 30 arbeiten im Ticket-Center. Sie kommen aus aller Welt, von China über Kanada und Australien bis Uruguay. Erreicht wurden die Ausflugsziele in teilweise bis zu 16 Stunden langen Busfahrten. „Der Bus ist am günstigsten und das Hauptverkehrsmittel.“

Unberechenbar dabei: das Wetter. „Es geht von 26 Grad bis hin zu vier Grad in der Nacht, morgens Nebel, Regenschauer und Gewitter.“ Entsprechend sieht das Job-Outfit aus: Regenjacke, Fleecemütze, Handschuhe und Thermo-Langarmshirt gehören genauso dazu wie eine Hose, die sich mittels Reißverschluss in eine Shorts verwandeln lässt. In der Öffentlichkeit tragen die Helfer es aber nicht. „Viele Brasilianer sind gegen die WM, ärgern sich, wie das Geld ausgegeben wird, und hassen alle, die das in irgendeiner Weise unterstützen“, erklärt Daniela Krieter. Überhaupt sei es nicht ganz ungefährlich, alleine unterwegs zu sein. „Um 18 Uhr ist es dunkel und auf den Straßen nicht sicher. Wertgegenstände sollte man nicht bei sich führen.“ Die Itzehoerin fällt mit ihren blonden Locken und einer Größe von 1,82 Metern zwar auf, doch Porto Alegre sei im Vergleich zu anderen Städten eher international. „Mit Englisch kommt man aber nicht weit.“ Daniela Krieter spricht kein Portugiesisch, aber ein bisschen Spanisch. Es klappt dennoch gut. „Alle sind sehr hilfsbereit.“

Die 29-Jährige macht Couchsurfing, übernachtet also immer mal woanders bei Ortsansässigen. Von der FIFA bekommen die Volunteers Getränke und eine Mahlzeit sowie sie Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel gestellt. Dafür sind sie für die komplette Kundenbetreuung im Ticket-Center zuständig, das etwa drei Kilometer vom Stadion entfernt auf dem Parkplatz eines Shopping-Centers eingerichtet ist. „Bei uns werden alle Tickets ausgegeben. Man kann sie nirgendwo anders abholen“, erläutert Daniela Krieter. Das Center ist an sieben Tagen von 9 bis 21 Uhr geöffnet, der Arbeitstag für die Volunteers dauert sechs bis neun Stunden. Sie begrüßen die Kunden, fragen nach den nötigen Unterlagen, lotsen die Besucher an die richtigen Schalter, lassen sie Fragebögen ausfüllen und geben Wegbeschreibungen zum Stadion. Wenn die WM heute startet, wird die Itzehoerin während der Spieltage auch im Stadion eingesetzt.

Und auch nach dem Abpfiff am 12. Juli ist das Abenteuer für die 29-Jährige nicht vorbei: „Ich werde insgesamt sechs Monate durch Südamerika reisen“, erzählt sie. Montevideo, Buenos Aires, Santiago de Chile und Lima stehen unter anderem auf dem Tourenplan.

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