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Interview : „Für viele Menschen schwer nachvollziehbar“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Professor Dr. Arno Deister vom Psychosozialen Zentrum am Klinikum Itzehoe über den Umgang mit depressiv Erkrankten.


Herr Deister, welchen Stellenwert hat die depressive Erkrankung in der Gesellschaft?
Die Situation von Menschen mit psychischen Erkrankungen ist ein schwieriges Thema in der Gesellschaft, bei dem es noch intensiven Informations- und Aufklärungsbedarf gibt. Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt, ganz besonders die Depression. Insofern ist es ein ganz wichtiges Thema, wie sich Menschen mit depressiven Erkrankungen in ihrem sozialen Umfeld erleben und wie dieses mit den Menschen umgeht.

Wie sollte es mit ihnen umgehen?
Die Fähigkeit, mit Depressivität zu reagieren, ist etwas, was zum Menschen gehört und was jeder Mensch kennt – und das ist auch gut so. Darüber hinaus gibt es natürlich die depressive Erkrankung, die für viele Menschen ganz schwer nachvollziehbar ist. Diese Menschen haben eine Form der Erkrankung, die sie selbst überrollt, die sie nicht unter Kontrolle haben können. Es ist einfach falsch, daraus zu schließen, dass da jemand sein Leben nicht in den Griff bekomme. Menschen mit einer depressiven Erkrankung haben selbst häufig die Vorstellung, dass sie etwas falsch machen. Das ist aber nicht der Fall.

Was können andere im Umgang mit depressiv Erkrankten tun?
Es geht sehr stark darum, sie zu verstehen in ihrem Erleben und auf sie zuzugehen. Das heißt, alles dafür zu tun, dass sich Menschen mit depressiven Erkrankungen nicht ausgeschlossen fühlen und auf die Signale zu achten, dass sie Hilfe brauchen. Das heißt auch, sie zu fördern, damit sie im Kontakt mit anderen Menschen bleiben. Die meisten Menschen haben sehr viel mehr Möglichkeiten, sich mit Depressionen auseinanderzusetzen, als sie denken. Wenn man erkennt, dass die eigenen Möglichkeiten, damit umzugehen, begrenzt sind, sollte man den depressiv Erkrankten vermitteln, dass es Hilfe bei dieser Erkrankung gibt und dass man sie dabei unterstützen wird, diese in Anspruch zu nehmen.

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erstellt am 24.Feb.2017 | 05:00 Uhr

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