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Norddeutsche Rundschau

17. August 2017 | 00:03 Uhr

Prozess : Für Vergewaltigung fehlten Beweise

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein mutmaßlicher Vergewaltiger wird freigesprochen. Zu Widersprüchlich waren die Aussagen von Täter und Opfer. Das Gericht urteilte „im Zweifel für den Angeklagten“.

Im Zweifel für den Angeklagten. Und Amtsgerichtsdirektor Christian Korf (62) sowie seine beiden Schöffen hatten Zweifel. Deswegen sprachen sie einen der Vergewaltigung einer widerstandsunfähigen Frau angeklagten Kieler (24) frei. Dabei stand aufgrund von DNA-Spuren des Angeklagten auf dem Opfer fest, das es zum intimen Kontakt gekommen war. Das Opfer, eine 22-jährige Mutter aus Brunsbüttel, hörte sich das Urteil selbst nicht an, brach aber danach auf dem Rasen vor dem Gericht zusammen und rief: „Er hat mein Leben zerstört und kommt jetzt einfach so davon.“

Rückblende: Am Abend des 3. März 2012 hatten sich die 22-Jährige und der damals bereits vor allem wegen Gewalttaten mehrfach Vorbestrafte in einer Brunsbütteler Kneipe kennengelernt. Man zog von der Kneipe weiter in eine Privatwohnung. Spät machten sich Opfer und Angeklagter gemeinsam auf den Heimweg zu ihr. Ab da gehen die Schilderungen auseinander. Er sagt, er habe sich verstecken müssen, bis ihr Babysitter weg ist, dann sei man sich im Wohnzimmer einvernehmlich nahegekommen. Sie sagt, er fragte, ob er bei ihr schlafen könne, wüsste sonst nicht wohin. Sie ließ ihn auf dem Ecksofa nächtigen.


Widerspruch in den Aussagen


Übereinstimmend geht’s dann morgens weiter. Vom Kindergeschrei geweckt, sieht sie ihn unten unbekleidet vor sich stehen, nimmt wahr, das auch sie unbekleidet ist, schlägt auf ihn ein, wirft eine Flasche nach ihm, wirft ihn raus, seine Kleidung später aus dem Fenster. Er flüchtet halbnackt, wird später festgenommen.

Alkoholtests ergeben: Er hatte zur mutmaßlichen Tatzeit etwa 2,8, sie etwa ein Promille. Er ist Alkohol gewohnt, zeigte keine Ausfallerscheinungen. Dementsprechend läge keine Alkoholbedingte Schuldminderung vor. Diesbezüglich legt sich eine Gutachterin fest. Als „ausgesprochen schlampig ermittelt“, bewertet Strafverteidiger Jörg-Uwe Halusa die Polizeiarbeit. So bleibt es bei Spekulation, ob K.O.-Tropfen im Spiel waren. Einziges Gewaltmerkmal bleibt ein blauer Fleck an der Brust des Angeklagten. Die Frau hatte eine Flasche nach ihm geworfen. Sie wirkte bei ihrer Zeugenvernehmung traumatisiert, weint, wird zweimal laut. Sie ist völlig sicher: Er hat sie im Schlaf missbraucht. Ihr Anwalt Ole Baumann fragt: „Warum soll sie ihn eines solchen Verbrechens beschuldigen. Sie kannte ihn vorher nicht.“

Poensgen beantragte den Freispruch, Korf verkündete ihn. Die Begründung: Man wisse nicht, was geschah. Poensgen hatte zuvor erhebliche Abweichungen in den Aussagen des Opfers vor Gericht und Polizei gemacht. Nur Opfer und Angeklagter waren dabei. Dem Gericht blieben Zweifel – so musste es den 24-Jährigen freisprechen.

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erstellt am 05.Okt.2013 | 17:45 Uhr

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