zur Navigation springen

Familienzentrum Itzehoe : Für jede Familie das passende Angebot

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

50 Jahre evangelisches Familienzentrum in Itzehoe: Leiterin Karina Brandenburg verrät das Erfolgsgeheimnis der Einrichtung

von
erstellt am 24.Jul.2017 | 05:05 Uhr

Das evangelische Familienzentrum der Diakonie-Rantzau Münsterdorf wird 50 Jahre alt. Die 37-jährige Sozialpädagogin und systemische Familienberaterin Karina Brandenburg ist seit 1. April Leiterin der Einrichtung. Im Interview spricht sie über ihr Konzept, ihren Familienbegriff und ihre Pläne für die Zukunft.

Frau Brandenburg, würden Sie die Geschichte des Familienzentrums als Erfolgsgeschichte bezeichnen?
Brandenburg: „Auf jeden Fall. Das Familienzentrum hat ja eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Es war zunächst „Mütterschule“, dann „Mehrgenerationenhaus“, später „Familienbildungsstätte“ und ist jetzt „Familienzentrum“. Damit ist es uns gelungen, ein niederschwelliges Angebot zu schaffen, das für alle Familien da ist.“

Wie ist das Familienzentrum damals entstanden?
Erste Mütterschulen entstanden in Deutschland schon in den 30er-Jahren unter nationalsozialistischer Herrschaft. In Itzehoe wurde 1967 eine Mütterschule gegründet. Sie war gedacht als Unterstützung für Mütter mit einem Still-Café, mit Pflege- und Wickelkursen. Daraus haben sich in den 70er-Jahren die Familienbildungsstätten entwickelt. Im Zuge der 68er-Bewegung und der Emanzipation der Frau sollten auch die Männer eingeladen und ein Angebot für die ganze Familie geschaffen werden. Jetzt gab es auch Treffs für Väter und Großeltern oder Krabbelgruppen. Das ging über 30 Jahre und hat sich immer weiterentwickelt. Heute reichen die Angebote von offenen Treffs und Krabbel- und Spielgruppen bis zu den Entwicklungsförderungskursen.


Die verschiedenen Namen spiegeln also immer auch die gesellschaftliche Entwicklung wieder. Vor etwa zwei Jahren wurde die Einrichtung von der „Familienbildungsstätte“ zum „Familienzentrum“. Was bedeutet das?
„Familienzentrum“ bedeutet, dass wir in einem bestimmten Sozialraum Anlaufstelle Nummer eins für Familien sein wollen. In Ergänzung zur Familienbildungsstätte, die schwerpunktmäßig bezahlte Bildungsangebote gemacht hat, soll das Familienzentrum noch niederschwelliger sein. Also ein offenes Haus, in das man einfach kommen kann, ohne dass man einen Kurs buchen oder Geld bezahlen muss.

Unter anderem die Kirchen beklagen häufig, dass der Familienbegriff an Bedeutung verliere. Braucht es da überhaupt noch ein Familienzentrum?
Ja, gerade jetzt. Viele Familien sind auseinandergerissen. Es gibt viele Alleinerziehende oder junge Eltern, die aufgrund ihres Berufs weiter wegziehen und keine Unterstützung durch Großeltern oder andere Bezugspersonen im Umkreis haben. Gerade für sie ist das Familienzentrum ein wichtiger Anlaufpunkt, weil sie Leute kennenlernen können.


Es gibt immer mehr zerbrechende Familien, alleinerziehende Eltern und auch immer mehr sozial schwache Familien. Spiegeln sich diese Probleme in Ihrem Publikum wider oder kommen zu Ihnen nur die heilen Familien?
Unser Publikum ist bunt gemischt. Ein Großteil sind immer noch klassische Familien, mit Mutter, Vater, Kind, vor allem in den kostenpflichtigen Kursen. Viele Alleinerziehende oder Migranten besuchen dagegen unsere offenen Kurse. Wir haben interkulturelle Angebote, aber auch einen Treff für junge Mütter im Alter von 16 bis 21 Jahren, die häufig alleinerziehend sind.

Was ist der gefragteste Kurs?
Nach wie vor sind die Delfi-Kurse am gefragtesten. Es handelt sich um ein Angebot zur Entwicklungsförderung von Kleinkindern, das alle evangelischen Familienzentren im Programm haben. Delfi steht für „Denken, Entwickeln, Lieben, Fühlen, Individuell“. Die Babys sind bis auf die Windeln nackt und sollen unter Anleitung einer Kursleiterin mit allen Sinnen die Welt begreifen.

Das ist ja ein ganz simples Konzept. Warum ist es trotzdem so beliebt?
Weil Eltern immer perfektionistischer werden und immer mehr für ihr Kind tun wollen.


Ist das Streben nach Perfektionismus nicht auch bedenklich?
Ja, das Streben nach Perfektion sehe ich als Pädagogin auch kritisch. Aber wenn es darum geht, die Bindung zwischen Eltern und Säugling zu verstärken und eine intensive Zeit mit dem Kind zu verbringen, dann ist das etwas sehr Positives, das im Alltag oft zu kurz kommt.

Für welche Kurse würden Sie sich noch mehr Zulauf wünschen?
Ich würde mich freuen, wenn unsere interkulturellen Angebote und der offene Treff noch mehr Zulauf finden würde. Außerdem wünsche ich mir, dass mehr Schwangere den Weg zu uns finden in die Schwangerenberatung und die Angebote der Frühen Hilfen wahrnehmen.


Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Mein Ziel ist es, das Haus noch offener zu gestalten und mehr niederschwellige Angebote zu schaffen. Wir haben beim Sozialministerium beantragt, ein Integrationszentrum werden zu wollen, um Sprachmittler auszubilden und mehr für Familien mit Fluchterfahrung zu tun.


Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Familie in unserer Gesellschaft?
Ich wünsche mir, dass Eltern intuitiver sind, sich einlassen auf ihr Kind, die erste Zeit genießen und sich manchmal mehr zutrauen.

Infokasten: 3500 Kursstunden pro Jahr

Das evangelische Familienzentrum Itzehoe erreicht durchschnittlich etwa 1500 Besucher im Monat, im Mittel werden 3500 Kursstunden pro Jahr angeboten, darunter Sprachkurse für Senioren, Sport für alle Generationen, musikalische Angebote, ein interkulturelles Café, Eltern-Kind-Gruppen und Delfi-Kurse. Hauptstandort ist seit Anfang des Jahres in der Lindenstraße 93, weitere Kurse finden in der Wilhelmstraße 4 statt. Neben Leiterin Karina Brandenburg sind vier feste Mitarbeiterinnen beschäftigt, etwa 30 Dozenten und zehn Ehrenamtler arbeiten regelmäßig mit. Weitere Kursleiter und Freiwillige werden gesucht, besonders für die Delfi-Kurse und für kreative Angebote. Weitere Informationen auf www.fbsitzehoe.de


zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen