Für einen Tango ist es nie zu spät

Gab den passenden Ton an: das Hamburger Duo „Lieber Tango“.
Gab den passenden Ton an: das Hamburger Duo „Lieber Tango“.

Im Kulturhaus bewegen sich die Paare gefühlvoll zu südamerikanischen Rhythmen

shz.de von
15. November 2016, 15:27 Uhr

Die Paare tanzen ganz auf sich selbst konzentriert, gleiten mit runden weichen Bewegungen und kleinen sich gegenseitig tastenden Schritten über das Parkett. Einer hat meist die Augen geschlossen, der andere führt ihn sanft an den anderen Tänzern vorbei. Der argentinische Tango hat wenig mit den herkömmlichen Vorstellungen des ruckartigen Dominanz-Gefüges zu tun, wie man es aus der Standard-Tanzstunde kennt.

„Es geht ums Gefühl, ums Führen und Folgen. Es geht nicht ums Außen oder ums Sexy-Sein, wie es viele Klischees vermitteln“, erläutert Nina Gjurkov. Sie hat mit ihrem Mann Dobri die südamerikanische Ausprägung des Tanzes tagsüber in einem Workshop vermittelt. „Man achtet aufeinander und auf die Gemeinschaft. Beim argentinischen Tango ist kein Raum für Eitelkeiten“, betonen Nina und Dobri die Wurzeln des Tanzes, mit dem einst Plantagenarbeiter ihre Sorgen und Emotionen in Musik und Bewegung umsetzten.

Zu den Klängen von Angel Garcia Arnés Gitarre und Alfons Bocks Bandoneon treffen sich zum Abschluss Schüler und Gäste zur Tangonacht im Kulturhaus Wilster. Das Hamburger Duo „Lieber Tango“ wechselt konzertante Titel mit tanzbaren ab. Auf moderne Kompositionen von Astor Piazzolla, des Königs des Tango Nuevo, folgen argentinische Milongas im Zweivierteltakt und traditionelle Tangos der Zwanzigerjahre. Auch Tango Valse im westlichen Dreivierteltakt und Titel von Anibal Troilo (1914-75), der als Virtuose des Bandoneon und genialer Komponist gilt, stehen auf dem Programm.

Angel und Alfons führen humorvoll durch den Abend und erläutern dabei sinnig den Bandnamen: „Wir gratulieren Ihnen, dass Sie lieber Tango hier genießen, als zu Hause zu glotzen“. Dobri und Nina, die mit ihrem mobilen Tanzstudio die Tangofans im ganzen Land unterrichten, animieren die Besucher immer wieder mit intensiven Einlagen zum Mittun. Die älteste Tänzerin ist 74 und hat den argentinischen Tango erst vor einigen Jahre für sich entdeckt. „Es ist nie zu spät“, sagt sie schmunzelnd. Und will bald wiederkommen. Denn künftig gibt es im Kulturhaus einmal monatlich den Tango-Salon. Das nächste Mal am 23. Dezember unter weihnachtlichen Vorzeichen.

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