Gebärdensprache : Für ein Jahr nach Afrika

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Itzehoerin Constanze Braatz geht nach dem Abitur für ein Jahr nach Afrika und arbeitet in einer Schule mit Gehörlosen.

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10. Juni 2018, 17:11 Uhr

Sie ist selber nicht gehörlos, hat aber aus Interesse die Gebärdensprache erlernt und schon seit längerem den Wunsch gehabt, ins Ausland zu gehen – nun hat Abiturientin Constanze Braatz (18) von der Auguste-Viktoria-Schule ein Projekt gefunden, in dem sie beides miteinander verbinden kann. Für ein Jahr geht die Itzehoerin nach Afrika und arbeitet dort an einer Schule mit Gehörlosen.

Das Projekt hat sie über die Internetplattform weltwaerts.de gefunden, wo Projekte vorgestellt werden, die von der Bundesregierung gefördert werden. Die Organisation „Eine Welt Netz“ entsendet Freiwillige und übernimmt die Förderung mit einem kleinen Eigenanteil.

Braatz hat die Gebärdensprache an der Volkshochschule in Elmshorn in Abendkursen erlernt, die Dozenten dort waren selbst gehörlos. „Ich finde es bewundernswert zu kommunizieren, ohne zu sprechen. Das war extrem interessant“, sagt sie.

Als sie ein Projekt suchte, in dem sie ihre Fähigkeiten einbringen kann, ist sie auf die Schule gestoßen, an der sie nun arbeiten wird. „Ich war gar nicht auf Afrika fixiert, aber habe mich auf zwei Projekte beworben“, erzählt sie. Gleich das erste ist es geworden – im westafrikanischen Togo.

In einem Seminar wurde sie eine Woche lang in Nordrhein-Westfalen auf die Aufgabe vorbereitet, erhielt praktische Tipps, Aufklärung über Gefahren und Erfahrungsberichte. „Das war aufregend, weil ich mit etwa 30 weiteren Freiwilligen zusammen kam, die in ähnliche Projekte eingebunden sind.“

Togo war bis zum Ersten Weltkrieg eine deutsche Kolonie und musste danach an Frankreich abgetreten werden. Deshalb ist die Landessprache heute Französisch, das auch in der Schule gesprochen wird. Somit wird es sprachlich gleich in zweierlei Hinsicht für die 18-Jährige interessant: Für Hörende wird sie ihre Französischkenntnisse benötigen, für Gehörlose die amerikanische Gebärdensprache vor Ort. „Ich muss und möchte dort auch meine eigenen Sprachkenntnisse verbessern.“

Sie wohnt und arbeitet von August 2018 bis August 2019 in der Stadt Atakpamé im Landesinneren, die Hauptstadt Lomé liegt an der Küste. Atakpamé hat zirka 90 000 bis 100 000 Einwohner, ist ein Zentrum seiner Region. Untergebracht ist die Abiturientin in einer Gastfamilie, die der regionalen Mittelschicht angehört und auch Kinder hat. Sie arbeitet dann in einer kleinen Gehörlosenschule, in der für 20 Schüler drei Lehrer zuständig sind. Dort soll sie Kontakte aufbauen, mit den Schülern spielen, Sport machen, sich um Hausaufgabenbetreuung und kleinere Lerngruppen kümmern.

Einige Erfahrungen im Ausland hat Braatz schon gesammelt, war mit der Schule in amerikanischen North Dakota, in Afrika aber noch nie. Das macht sie umso neugieriger. In ihrer Zeit hat sie auch Anspruch auf 30 Urlaubstage. „Die möchte ich nutzen, um zu reisen.“

Nach Ablauf ihres geplanten Auslandsjahres möchte Braatz Sonderpädagogik studieren und erhofft sich, dafür auch durch diesen Perspektivwechsel die praktischen Voraussetzungen zu erlangen. „Ich mache Erfahrungen zu Themen wie Nachhaltigkeit und weltweiter Vernetzung verschiedener Kulturen, die man nicht über Bücher und in der Theorie erlernen kann.“







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