Kirchengemeinde Wilster : Fünf Themen – fünf neue Blickwinkel

Die Gesprächsabende sind gut besucht, zu Beginn werden gemeinsam Lieder gesungen.
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Die Gesprächsabende sind gut besucht, zu Beginn werden gemeinsam Lieder gesungen.

Kirchliche Gesprächsabende befassen sich in diesem Jahr mit dem Motto „Anders als gedacht“.

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16. Januar 2015, 05:09 Uhr

„Fünf Abende, fünf Themen, fünf neue Blickwinkel“ – im Rahmen der Aktion „Fünf Wochen mit“ lädt die Kirchengemeinde Wilster auch in diesem Jahr wieder an fünf Montagen zu Gesprächsabenden ein, die sich mit Grundlagen des Lebens im Zusammenhang mit Glaube und Bibel beschäftigen. In diesem Jahr wird unter dem Motto „Anders als gedacht“ diskutiert.

Am ersten Abend führte Pastor Karl-Wilhelm Steenbuck, dessen Idee das diesjährige Thema war, die Anwesenden in die Problematik ein: Oft verstehen wir viele überlieferte Sprüche, Lieder oder Geschichten zunächst völlig anders als sie eigentlich gemeint sind, was jedoch erst Jahre später deutlich wird. Dies kann zum Beispiel an der Tradition der Geschichten liegen, die oft nur mündlich erzählt und nie gelesen wurden. Daraus entsteht das „kollektive Gedächtnis“, welches die Geschichte so lange falsch verbreitet, bis jemand merkt, dass das Lied oder die Geschichte eine ganz andere Intention hat. „Es gibt drei Gründe dafür, dass wir das Wort der Bibel in den falschen Hals bekommen“, so Steenbuck. Erstens ändere sich mit der Zeit die Sprache, so dass bestimmte Begriffe mit den Jahren eine völlig andere Bedeutung bekämen, zweitens „lesen viele Menschen Worte und Sätze ohne den Kontext“, erklärte Steenbuck. So kann ein Satz eine völlig andere Aussage haben, wenn man ihn im Zusammenhang liest. Drittens: Aufgrund des Vorverständnisses werde oft etwas in den Text hineingelegt, was darin gar nicht steht. Jene neuen Erkenntnisse aus Bibelgeschichten seien hochaktuell, so Steenbuck. Er selbst hatte das Thema des ersten Montags „Der Zorn Gottes“ vorbereitet und vorgetragen.

Jeden Montag erarbeitet ein anderer Besucher ein Thema. Neben Pastor Steenbuck am ersten Abend werden in den kommenden Wochen Florian Frisch, Helmut Schwingel, Volker Höppner und Selma Steenbuck weitere Irrtümer aufklären, unter den Titeln „Macht euch die Erde untertan!“, „Auge um Auge!“, „Kain und Abel“ sowie „Dein Wille geschehe!“.

Die Organisation der Gesprächsabende hat Pastor Volker Höppner übernommen. „Der Ablauf ist jeden Montag gleich“, nur das Motto sei jedes Mal ein anderes. Zunächst werden einige moderne und geistliche Lieder gesungen, die Annegret Hansen am Klavier begleitet. Anschließend leitet der Vortragende die Teilnehmer ins Thema ein, was zunächst im Plenum ausdiskutiert wird. Dort wird die Theorie vermittelt, wie die jeweilige Erkenntnis bisher verstanden wurde. Daraufhin werden die Anwesenden in Gruppen aufgeteilt, in denen der Praxisbezug hergestellt wird: Wie beeinflusst die Erkenntnis das Handeln? Wie sehen die praktischen Konsequenzen im Alltag aus?

Seit etwa 20 Jahren existiert die Aktion der Kirchengemeinde, es wurde zum Beispiel über Gestalten der Bibel gesprochen oder allgemein zum Nachdenken über den Sinn des Lebens angeregt. Das diesjährige Thema lag für Karl-Wilhelm Steenbuck nahe, da er genau darüber ein Buch geschrieben hat („Die 31 beliebtesten Irrtümer der Bibelauslegung“ erscheint im Frühjahr). Daraus werden nun fünf Beispiele analysiert.

Etwa 15 bis 20 Interessierte kommen regelmäßig ins Gemeindehaus, um sich an der Diskussion zu beteiligen, die meisten von ihnen stammen aus Wilster oder der Wilstermarsch. Viele seien in jedem Jahr dabei, einige kommen aber auch neu hinzu, sagt Volker Höppner. So besuchte diesmal eine iranische Flüchtlingsfamilie die Runde. Amir Mehdipour lebt mit seiner Frau Hamideh und der gemeinsamen Tochter Anousha seit zwei Jahren in Deutschland. Sie wohnen in Wilster und erhalten von Pastor Steenbuck Deutschunterricht. Durch die Gesprächsabende lernen sie natürlich noch mehr hinzu. 

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Weitere Termine: montags, 19. und 26. Januar sowie 2. und 9. Februar, 19.30 bis zirka 21 Uhr, Gemeindehaus Sonninstraße. Anmeldung ist nicht erforderlich; jeder, der Lust hat, kann kommen.

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