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Alleinerziehende Mutter aus Itzehoe : Fünf Kinder und Schimmel im Haus

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die alleinerziehende Mutter Angela Sarac sucht in Itzehoe vergeblich nach einer neuen Wohnung.

shz.de von
erstellt am 06.Apr.2017 | 05:41 Uhr

Itzehoe | Von außen führt eine Stahltreppe in das erste Stockwerk des Gebäudes, wo dem Besucher schon im Hausflur ein leicht modriger Geruch entgegenströmt. Betritt man dann die Wohnung von Angela Sarac, wird schnell der Grund dafür deutlich: Im Wohnzimmer sind die Ecken von einem grauen Film überzogen. Vor allem aber in der Küche und im fensterlosen Badezimmer zieht sich der Schimmel quer über die Wände.

In vielen Städten in SH wird der Wohnraum knapper und teurer. Menschen mit schmalem Geldbeutel können sich deshalb häufig nicht die Wohnung leisten, die für ihre individuellen Bedürfnisse passend ist.

Seit zwei Jahren ist die alleinerziehende Mutter von fünf Kindern inzwischen auf der Suche nach einer neuen Wohnung, doch bislang habe sie nur Absagen bekommen, erzählt sie. „Ich habe bestimmt schon bei 25 bis 30 Vermietern angefragt. Die suchen jemanden, der arbeitet. Für viele habe ich außerdem zu viele Kinder.“

563 Euro Miete zahlt Angela Sarac für die 110 Quadratmeter große Drei-Zimmer-Wohnung im Zentrum der Stadt – und liegt damit laut Jobcenter Steinburg im Rahmen des Mietpreisrichtwertes. Für die Region Itzehoe liegt dieser für eine sechsköpfige Familie bei bis zu 105 Quadratmetern oder 619,50 Euro inklusive Betriebs- und Nebenkosten.

Inzwischen brauche die Familie aber auch dringend weitere Räume. Die 28-Jährige teilt sich ihr Schlafzimmer momentan mit dem zweijährigen Kevin und der zwei Monate alten Estelle. Da der siebenjährige Kadir zur Schule geht, soll er sein eigenes Zimmer haben, sagt seine Mutter. „Der braucht einfach seine Ruhe.“ Der fünf Jahre alte Jerome teilt sich ein weiteres Kinderzimmer mit seinem dreijährigen Bruder Patrice.

Angela Saracmit ihren Kindern  (v. l.): Kadir, Estelle, Kevin, Patrice und Jerome.
Angela Saracmit ihren Kindern (v. l.): Kadir, Estelle, Kevin, Patrice und Jerome. Foto: Chirvi
 

Doch vor allem das Problem des Schimmels belastet die Familie. Kevin habe häufig Lungenentzündungen, auch die kleine Estelle sei bereits zweimal wegen Bronchitis mit Antibiotika behandelt worden, sagt ihre Mutter. Als die Familie vor zwei Jahren in die Wohnung gezogen ist, war diese frisch gestrichen, sagt Angela Sarac. Schimmel habe sie damals nicht entdecken können. „Da sah es hier noch top aus.“ Doch nach und nach breitete sich der Pilzbefall aus – zunächst im Badezimmer, später in der restlichen Rest der Wohnung. Die Ursache kennt sie nicht und vermutet, dass es am Zustand des Hauses liegt.

Der Kinderarzt hat der Mutter empfohlen, Proben einzureichen, um zu untersuchen, worum es sich handelt. „Das kostet aber auch 80 bis 100 Euro.“ Eine Summe, die sie sich nicht leisten könne, so die 28-Jährige. Das Gesundheitsamt führe diese Untersuchungen in Privatwohnungen nicht durch, sagt sie. Das Jugendamt könne bei der Suche nach einer neuen Wohnung auch nicht helfen.

„Die Räume werden nicht richtig gelüftet“, sagt dagegen der Vermieter, der namentlich nicht in der Zeitung genannt werden möchte. Er habe Angela Sarac bereits mehrfach auf das Problem hingewiesen. Sie solle die Fensterbänke nicht zu sehr zustellen oder feuchte Kleidung in unbelüfteten Räumen lagern. „Wenn die Familie auszieht, muss die Wohnung komplett neu renoviert werden“, sagt er. Er wolle ihnen aber auch nicht kündigen, er kenne schließlich ihre Probleme, eine neue Wohnung zu finden. „Menschlich tut mir das auch weh“, sagt der Vermieter.

Unterstützung bekommt Angela Sarac vom Deutschen Kinderschutzbund (DKSB). Marion Badberg-Jasper und Timm Jasper besuchen die Familie regelmäßig, helfen bei Großeinkäufen, machen Ausflüge mit den Kindern und überbrücken die Zeit bei Arztbesuchen. „Gerade sind wir zum Beispiel alle gemeinsam im Zirkus gewesen“, sagt Timm Jasper. Seine Frau und er sind seit zwei Jahren als Familienpaten aktiv.

„Frau Sarac ist auf uns zugekommen“, erinnert sich Susanne Heinecker vom DKSB. Die Jaspers hatten gerade ihren Lehrgang beendet, bevor sie sich der Familie vorstellten. Doch bei der Suche nach einer Wohnung konnten auch sie bislang nicht helfen. „Der Wohnraum für Familien ist in Itzehoe einfach knapp“, sagt Heinecker. Ebenso argumentiert die Stadt. „Wir haben nach Rücksprache mit der für die Verwaltung der städtischen Wohnungen beauftragten Wohnungsgesellschaft leider keine Wohnung, die wir Frau Sarac anbieten könnten, so gern wir es auch täten“, sagt Karin Arendt-
Zschoche vom Amt für Bürgerdienste.

Sie müssen aber auch nicht zwingend in Itzehoe bleiben, sagt die alleinerziehende Mutter. „Wir würden auch woanders hinziehen – wenn die Wohnung passt.“

>Potenzielle Vermieter sowie an Familienpatenschaften Interessierte können sich an Susanne Heinecker vom Kinderschutzbund (DKSB) wenden: 04821/3731 oder 0152/54967055 oder familienpaten.steinburg@web.de

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