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Norddeutsche Rundschau

19. Oktober 2017 | 13:17 Uhr

Fünf Jahre nach Überfall: Prozess beginnt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

„Der Täter hat mein Leben total zerstört.“ Noch heute, fünf Jahre nach der Tat, leidet die frühere Angestellte einer Spielhalle in Itzehoe unter ihren Erinnerungen an einen Überfall. Gegen die zwei mutmaßlichen Täter hat jetzt der Prozess vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht begonnen.

Die Anklage lautet auf räuberische Erpressung, angeklagt sind zwei erheblich vorbestrafte Männer. Beide waren als Heranwachsende drogensüchtig, gehen ohne Beruf durch das Leben und haben einige Erfahrungen hinter Gittern gesammelt. Der Ältere (25) sitzt seit 20 Monaten in der Justizvollzugsanstalt Neumünster ein und hat noch mindestens acht Monate vor sich. Er wurde in Handschellen für den Prozess vorgeführt. Der Jüngere (24) wohnt in Hohenaspe und handelte sich bereits mit 14 Jahren seine ersten Vorstrafen wegen Einbruchs, Diebstahls und Raubes ein.

Laut Anklage wartete der jetzt 25-Jährige am 13. Juni 2011 so lange in der Spielhalle, bis der letzte Gast ging. Um 3.30 Uhr war es so weit. Dann rief er seinen Kumpel an, der wenig später vermummt die Spielhalle überfiel. Mit einem großen Küchenmesser bedrohte er die damals 52-jährige Aufsicht und zwang sie, ihm das Kleingeld aus der Kasse und die Scheine aus dem Tresor zu geben. Sie stopfte das Geld in einen Gefrierbeutel, die Beute betrug rund 830 Euro.

Der 24-Jährige war damals mit einer fast gleichaltrigen Itzehoerin liiert, die mit einer Freundin in einer Wohngemeinschaft lebte. Wenige Minuten nach der Tat tauchten die beiden Männer in der Wohnung auf. Während der Ältere im Wohnzimmer wartete, warf der 24-Jährige den Gefrierbeutel mit der Beute seiner Freundin auf das Bett und gestand ihr ausführlich die Tat. Auch die Mitbewohnerin sah die Männer und den Gefrierbeutel voller Geld – das bestätigten die beiden Frauen im Zeugenstand.

Das Opfer hingegen erkannte keinen der beiden wieder, wusste nicht einmal die Hautfarbe des Täters, weil dieser komplett vermummt gewesen war. Die
57-Jährige erlitt unmittelbar nach der Tat einen Herzinfarkt und leidet noch heute sehr unter der Tat: „Ich lebe nur noch in Angst und Schrecken.“ Sie tritt als Nebenklägerin auf, ihr Anwalt fordert 10  000 Euro Schmerzensgeld.

Erst im Februar dieses Jahres kamen die Ermittler den beiden Angeklagten auf die Spur. Die Ex-Freundin des 24-Jährigen hatte in anderer Sache Kontakt zur Kripo Itzehoe, nebenbei kam das Geschehen vor fünf Jahren zur Sprache. Vor Gericht räumte der 25-Jährige den Überfall ein: ,,Es stimmt, wie es in der Anklage steht.“ Doch der Jüngere bestritt die Tat vehement: „Da ist nichts dran. Irgendjemand will mir was anhängen.“ Zur Tatzeit sei er mit zwei Freunden in Hohenaspe zusammen gewesen. Diese will sein Anwalt jetzt als Zeugen hören. Verfügbar sind sie für die Fortsetzung am 27. Juni: Beide sitzen derzeit in Haft.

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