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Norddeutsche Rundschau

17. Oktober 2017 | 00:47 Uhr

Frühstück mit Elfen auf dem Waldsofa

vom

Anfangs als Strohfeuer abgetan, hat sich der Burger Waldkindergarten fest im Betreuungsangebot etabliert und besteht jetzt 15 Jahre

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

Burg | Manchmal entdecken Waldkinder Zaubersteine, glitzernde Sternschnuppen und Elfen unterm Farnkraut. Seit 15 Jahren gibt es nun den Awo-Waldkindergarten in Burg. Mit zwei Gruppen hat sich die Waldpädagogik fest etabliert im Luftkurort. Das kleine Jubiläum soll am Freitag, 23. August, mit einem kunterbunten Sommerfest gefeiert werden.

Zwei Sachen aus der Anfangszeit sind auch heute noch im Gebrauch: der verwitterte Bauwagen, der gleich neben der später attraktiv gestalteten großen Holzhütte steht, und der Bollerwagen. Heute wird er von Finja (4) und Anna (3) gezogen. Juna (5) und John (4) tragen die Iso-Kissen, die wie eh und je an einem langen Stock baumeln. Es geht Richtung Moosplatz. Unterwegs werden Regenwürmer bestaunt und Stöcke gesammelt. Dann schnappt sich jedes der 15 Kinder ein Iso-Kissen und macht es sich auf dem "Waldsofa" bequem - das sind Äste, die im Kreis angeordnet sind. Erzieherin Jennifer Boll stellt Schüsseln mit Eiern, Paprika, Melonenstücken, Gurken, Tomate, Möhren und belegtem Knäckebrot auf die leuchtend rote Erdbeerdecke. Nach dem Guten-Morgen-Lied lassen sich alle das Frühstück schmecken. Dann sorgt ein Fundstück für helle Aufregung, Kindergartenleiterin Jutta Märtin-Nöhring hat es gerade aufgehoben. Es ist ein so genannter "Hühnergott", ein Stein mit natürlichen Löchern. "Wenn man da durchguckt, sieht die Welt ganz anders aus", verspricht sie. Der löchrige "Zauberstein" wandert von Hand zu Hand. Und tatsächlich Zwerge, Höhlen, Tunnel und gar "tausend Elfen" tauchen auf. Die Waldkinder laufen über das hügelige Gelände und entdecken tatsächlich Glitzersterne unterm Farnkraut. Frieda ( 3) legt sich unterdessen auf den Waldboden und blickt träumerisch in die Baumwipfel. Fantasie, Gelassenheit, Fröhlichkeit und Zauber liegen in der Burger Waldluft.

Und so fing alles an: Jutta Märtin-Nöhring hörte einen Vortrag in Heide von der Leiterin des Flensburger Waldkindergartens Petra Jäger. Jutta Märtin-Nöhring wusste sofort: "Waldpädagogik - das ist es. Erziehung weg von engen Räumen und vollen Spielzeugkisten!" In Svea Lorenz fand sie eine gleichgesinnte Kollegin und begeisterte schnell Eltern in Burg und Umgebung von der Idee. Ein Förderverein unter Leitung von Anke Hansen bildete sich. Nun galt es die Gemeindevertreter zu überzeugen. Das war nicht einfach, vor 15 Jahren war die Waldpädagogik noch wenig bekannt. In Dr. Paulig und dem damaligen Bürgermeister Helmut Ohlsen fand sie Unterstützung und die Awo wurde als Träger gewonnen. Zunächst gab die Gemeinde 1998 nur für ein Jahr die Betriebserlaubnis - die Kommunalpolitiker hielten die Idee für ein Strohfeuer. Doch Kinder, Eltern und auch Lehrer sind bis heute überzeugt vom Waldkindergarten. Seit 2001 gibt es die 2. Gruppe, die Erdhörnchen im Paradiestal. Insgesamt können 36 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren von 7 Uhr 30 bis 12 Uhr 30 betreut werden.

Ein Wunsch für die Zukunft? Längere Öffnungszeiten im Awo-Waldkindergarten, das heißt die Kinder bekommen ein Mittagessen und bleiben bis 15 Uhr. Doch jetzt wird erst einmal Geburtstag gefeiert. Auch ehemalige Waldkinder sind willkommen.

Sommerfest zum 15. Geburtstag am 23. August von 14 bis 17 Uhr mit Vogelhausbau, Fühlkiste, Bratwurst, Kaffee und Kuchen.

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