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Norddeutsche Rundschau

18. November 2017 | 13:22 Uhr

Handwerk : „Früher roch Gas nach Knoblauch.“

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Heizungsbauer Olaf Klante arbeitet seit 50 Jahren – und denkt noch lange nicht ans Aufhören

von
erstellt am 04.Apr.2014 | 05:00 Uhr

Olaf Klante arbeitet seit 50 Jahren und denkt nicht daran, aufzuhören. Sein Geschäft hat er zwar teils an Sohn Ole (39) abgegeben, aber das Arbeiten bereitet ihm noch immer viel Freude. Olaf Klante war 15 Jahre alt, als er seine Lehre im April 1964 bei „Behrens & Wagner“ in die Königstraße begann. „An dem Tag lag viel Schnee“, erinnert sich der Glückstädter.

Sein Vater Emil Klante hatte ihn überzeugt „Zentralheizungs- und Lüftungsbauer“ zu werden. Denn er selbst war Ofensetzer und hatte sein Geschäft in der Deichstraße. „Er war sehr vorausschauend“, sagt Olaf Klante. Da der Vater in der Nachkriegszeit Wohnungen in Glückstadt-Nord mit damals modernen Heizungen ausstattete, wusste er, was in der Zukunft gefragt sein würde.

Die Arbeiten in der Lehrzeit waren anders als heute. „Jeder Meter Regenwasserleitung wurde noch von Hand gemacht. Das war noch Handwerk.“ Zudem wurden Rohre noch mit Sand gefüllt, um sie in Form biegen zu können. „Es wurde noch geschweißt und gelötet. Das wird heute im Beruf nicht mehr verlangt.“ Technische Geräte spielten nicht so eine große Rolle wie heute: „15 Gesellen gab es damals bei Behrens & Wagner, drei Lehrlinge und drei Autos, aber nur eine elektrische Bohrmaschine.“


Berufsschule war noch im Brockdorff-Palais


60 Mark verdiente Olaf Klante im ersten Lehrjahr. Der Weg zur Berufsschule war kurz: „Wir wurden im Brockdorff-Palais am Fleth unterrichtet.“ Mit dabei waren auch Lehrlinge der Papierfabrik Temming. „Rechts waren die Handwerker, links die Kökschen.“ Junge Frauen, die das Kochen lernen sollten. „Ab und zu bin ich rübergegangen und habe mir einen Nachtisch abgeholt.“

Sein Berufsschullehrer machte sich damals Sorgen um die Zukunft seiner Schüler. Denn in den 60er Jahren wurden die ersten Kunststoffrohre für Wasserleitungen verwendet. Und der Lehrer glaubte: Die sind haltbarer als die Kupferrohre. Es würde schwierig werden, von dem Beruf leben zu können, weil nichts mehr kaputt gehen würde.

Zu seiner Lehrzeit wurde auch noch am Sonnabend gearbeitet, erzählt Olaf Klante und gleichzeitig fällt ihm ein: „Es gab öfter Verstopfungen.“ Diese durfte er als Lehrling schon beseitigen. Gut erinnert er sich noch an die Gesellen, die ihm die Kniffe des Handwerks beibrachten, einer von ihnen war Wilhelm Hinrichs, der später viel Geld machte als „Imbiss-König von Glückstadt“ und Spielhallenbesitzer.

Olaf Klante blieb im Fach. 1967 machte er seine Gesellenprüfung und ging nach seiner Bundeswehrzeit bei der Marine 1972 zur Meisterschule nach Stuttgart. Ein Jahr später war er fertig und fing im Betrieb seines Vaters an. Zentralheizungen und Badezimmer wurden damals immer mehr nachgefragt – auch weil das neue Baugebiet Butendiek entstanden war. Deshalb besuchte Olaf Klante 1979 auch noch die Meisterschule für Gas- und Wasserinstallation.


Gasaustritte wurden früher mit grüner Seife geprüft


Zu den Arbeiten heute fällt ihm spontan eines ein: Gasleitungen prüfen. „Früher gab es keine Messinstrumente.“ Geprüft wurde mit aufgeschäumter grüner Seife – anhand der Bläschen wurden eventuelle Leckagen entdeckt. „Heute überprüfen wir die Leitungen bei jedem Zählerwechsel.“ Denn an den Geruch von austretendem Gas – „es riecht wie Kunststoffkleber“ – haben sich viele gewöhnt. „Früher roch das Gas eher nach Knoblauch.“ Betroffen sind vor allem Gasleitungen aus den Anfängen der 70er Jahre. Bei einem Kunden stellte er sogar fest: „Die Fußleiste war auf die Gasleitung genagelt.“ Als sie weggenommen wurde, trat durch die kleinen Löcher Gas aus.

Dass er als Handwerker von einsamen Hausfrauen angesprochen wurde, hat er nie erlebt. „Nur einmal wurden mir als 15-Jähriger eine Zigarre und ein Glas Sekt angeboten.“ Doch erst heute weiß er, was der Sinn dahinter war. 1978 übernahm er mit seinem fünf Jahre älteren Bruder Uwe den elterlichen Betrieb. Der Bruder ging vor elf Jahren in Rente, dafür ist seit 2009 Sohn Ole dabei. Er hat Anfang des Jahres – als Klante offiziell Rentner wurde – die Geschäftsführung übernommen. Ihm zur Seite stehen Ehefrau Kristina, sie ist Bilanzbuchhalterin, sowie zwei Gesellen und zwei Lehrlinge. Olaf Klante liebt seine Arbeit und scherzt: „Ich habe noch nie so viel gearbeitet wie als Rentner.“

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