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Kinderschutzgesetz : Frühe Hilfen für überforderte Familien

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kinder vor Misshandlung und Vernachlässigung zu schützen ist gesetzlich vorgeschrieben. Dafür wurde eine neue Stelle im Kreis eingerichtet. Dahinter steht ein ganzes Netzwerk von Fachleuten.

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erstellt am 22.Sep.2013 | 11:45 Uhr

Eine junge Frau steht kurz vorm Schulabschluss, dann bringen zwei blaue Striche die Lebensplanung ins Wanken. Der Schwangerschaftstest ist positiv – was nun? Eine andere Frau weiß im Alltag zwischen Windelwechseln, Kindergarten und Hausarbeit nicht mehr, wo ihr der Kopf steht. Für Frauen wie sie gibt es Hilfsangebote im Kreis, nur wo man welche Hilfe findet, wissen viele Betroffenen nicht oder die Hemmschwelle, Hilfe anzunehmen ist zu groß. Hier setzt das Netzwerk „Frühe Hilfen“ des Kreises Steinburg an, ein Zusammenschluss von Fachleuten, die Familien unter die Arme greift, wenn sie an ihre Grenzen kommen.

„Ziel des Netzwerks ist es, schwangeren Frauen und Familien mit Säuglingen und Kleinkindern bis zum dritten Lebensjahr in belasteten Lebenslagen möglichst früh spezifische Hilfe und Unterstützung anzubieten, um die elterlichen Kompetenzen zu stärken, die körperliche, geistige und seelische Entwicklung von Kindern zu fördern sowie Vernachlässigungen und Misshandlungen vorzubeugen“, so Alexa Bartholomä. Einige Frauen haben schlechtere Startbedingungen, sich in die Mutterrolle einzufinden als andere. Sehr junge Mütter und Väter, Frauen mit Migrationshintergrund, mit psychosozialen oder Suchtproblemen beispielsweise fühlen sich verunsichert und überfordert. Alexa Bartholomä ist Koordinatorin des Netzwerks „Frühe Hilfen“. Der Zusammenschluss ist nicht neu. 2006 startete das Landesprogramm „Schutzengel für Schleswig-Holstein“. Durch das Inkrafttreten des Bundeskinderschutzgesetzes und der darin verankerten „Bundesinitiative Frühe Hilfen“ werden die Kernelemente des bisherigen Landesprogramms (Netzwerkstrukturen und Familienhebammen) aufgegriffen und erfordern eine Neu-Ausrichtung der Landesaktivitäten.

Jetzt laufen zwei sich gegenseitig ergänzende Programme: Die Bundesinitiative der „Frühen Hilfe“ mit ihren drei Förderbereichen und das Landesprogramm „Schutzengel vor Ort“ mit ergänzenden Unterstützungsangeboten für die Familien. Die Fäden in dem komplexen Netzwerk hält Alexa Bartholomä (39) zusammen. Die neu geschaffene Stelle im Amt für Jugend, Familie und Sport trat die Diplom-Pädagogin und staatlich anerkannte Erzieherin Anfang August an – und sie hat alle Hände voll zu tun. Ihr Job ist die Stärkung und Weiterentwicklung der „Frühen Hilfen“ im Kreis Steinburg. „Es geht um die Förderung der Vernetzung der unterschiedlichen Berufsgruppen, eine transparente Kommunikation und eine flächendeckende Organisation, damit jeder weiß, wo es was gibt und wer Ansprechpartner ist.“ In einem ersten Netzwerktreffen haben die Mitglieder Ziele definiert, über Projekt und Angebote für die Familien gesprochen und den nun gesetzlich vorgeschriebenen Entwurf einer Kooperationsvereinbarung vorgestellt.

Die Unterstützung setzt an verschiedenen Punkten an. Die Hilfe unter dem Dach der Bundesinitiative wirkt auf drei Ebenen: Neben der Koordinierung des Netzwerks sind zwei weitere Förderbereiche die Stützpfeiler der „Frühen Hilfen“: der Bereich der Familienhebammen, mit dem das Diakonische Werk Rantzau-Münsterdorf beauftragt ist (Koordination: Karina Brandenburg). Sowie der Bereich der Ehrenamtsstrukturen in Form von Familienpaten in der Hand der DKSB, (Koordination: Susanne Heinecker).

„Die Familienhebamme geht bis zum vollendeten ersten Lebensjahr des Kindes in die Familien und greift die Überforderung auf“, so Alexa Bartholomä. Die Paten sind ehrenamtlich tätig und gehen unterstützend in die Familien, um die Mutter oder den Vater zu entlasten, „bei der Strukturierung des Tagesablaufs zum Beispiel“. Hinzu kommen die flankierenden Unterstützungsangebote aus dem Landesprogramm. Angedacht seien Angebote wie aufsuchende Arbeit, Beratungen und Elternkurse.

Alexa Bartholomä: „Ein Netzwerk lebt von Ideen jedes einzelnen, vom Einbringen der eigenen Ressourcen, Fähigkeiten und Kompetenzen für ein gelingendes Miteinander.“ Ein entscheidender Aspekt der Netzwerkarbeit liege darin, einen Zugang zur Zielgruppe zu gestalten. Mindestens vier Mal im Jahr trifft sich das Netzwerk. „Für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit sei es wichtig, dass Ansprechpartner aus den unterschiedlichen Berufsgruppen zur Verfügung stehen. Wir wollen mit Multiplikatoren arbeiten, die die Informationen weitergeben“, so Alexa Bartholomä. Das nächste Treffen findet am 28. November statt. Dann soll der Entwurf der Kooperationsvereinbarung eine Verbindlichkeit erfahren. „Ich gehe davon aus, dass wir ihn auch noch dieses Jahr unterzeichnen.“

>Die Netzwerkakteure der „Frühe Hilfen“ im Kreis Steinburg:
Klinikum Itzehoe, Diakonisches Hilfswerk, Deutscher Kinderschutzbund, der Bunte Kreis Westholstein/Itzehoe, Gleichstellungsbeauftragte im Kreis, die Beratungsstelle Itzehoe, die Familienbildungsstätten in Glückstadt und Itzehoe, die Lebenshilfe Steinburg, Via Nova, pro familia, Neuland, F!S, Kooperations- und Interventionskonzept gegen häusliche Gewalt in Schleswig-Holstein (KIK) für die Kreise Pinneberg und Steinburg. „Angedacht ist außerdem, auch Gynäkologen, Kinderärzte, die Staatsanwaltschaft und das Familiengericht mit ins Boot zu holen“, so Alexa Bartholomä. Weitere Institutionen, die sich ebenfalls an dem Netzwerk beteiligen möchten, können sich bei Alexa Bartholomä unter der Nummer 04821/69386 oder per Mail Bartholomae@steinburg.de melden.

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